Start day-news Wort zum Sonntag von Usedomer Gastprediger: Du bist der Leuchtturm

Wort zum Sonntag von Usedomer Gastprediger: Du bist der Leuchtturm


Es ist finster. In meinem Kopf. In meiner Seele. Auf meinem Weg. Einen Moment, eine Nacht oder gar ein ganzes Corona-Jahr. „Gott, höre meine Stimme, wenn ich nach dir rufe!“ Du bist der Leuchtturm, dessen Lichtstrahl mich in dunkler Nacht sucht. Der mich findet auf einsamem Lebensweg, wenn ich die Richtung verloren habe und nur noch mit den Ohren sehen kann. Suche mich, finde mich!

Die Stille meiner vier Wände und meines immer gleichen Tagesablaufes erschlagen mich. Gehe ich Einkaufen, verschließt die Maske meinen Mund und lässt nur noch „Hallo“ durch. Kein „Wie geht’s Dir?“ Kein „Was ich Dir eben noch sagen wollte…“ und erst recht nicht „Schön, dass es Dich gibt“. Was bleibt? „Gott, sprich mit mir, wenn ich krank und zerschlagen bin. Deine Stimme schafft Vertrauen und heilt mich.“

„Ein Klick kann Vieles verändern und bewirkt doch nichts“

Sitze ich vor meinem Computer, wird mir angst und bange. Alles ist so nah und doch so unendlich weit. Ein Klick kann Vieles verändern und bewirkt doch nichts. Ich schreibe und rede den ganzen Tag, und doch wird es nicht warm in mir. Das Rad der Informationen dreht sich immer schneller, und trotzdem spüre ich kein Weiterkommen. „Gott, sprich mit mir, lass mich nicht ohne Antwort. Sprich, damit ich dich sehe.“

In mir wuchern Bilder der Erinnerung, sie kommen immer näher: der erste Schrei unseres Kindes, die patschenden Sandhände der Kleinen am Strand. Pochende Herzen der jungen Liebe, glückselige Augen der Brautpaare vor dem Altar. Aber auch glühende Tränen einer Mutter am Sarg ihres Kindes. Schleichende Krankheit, schleichender Tod, Krebs.

„Wer soll denn helfen, wenn nicht du?“

Und selbst darin dankbare Erinnerung an Geschenke der Liebe. Momente des Glücks. „Danke, Gott, dass du da bist. Im tiefen Tal der Ängste. Aber auch dann, wenn die Fülle des Lebens so unendlich groß wird.“

Im Gewirr aller Stimmen und in der Bedrängnis totenstiller Einsamkeit: „Herr, höre meine Stimme, wenn ich nach dir rufe“. Wer soll denn helfen, wenn nicht du? Geh dazwischen, wenn die Nöte dieser Welt immer höher wuchern. Leg mir deine Hand auf die Schulter, wenn ich mich verrannt habe.

„Sprich mit mir“, heißt es darum an diesem Sonntag mit dem lateinischen Namen EXAUDI – „Herr, höre meine Stimme, wenn ich nach dir rufe. Lass uns bei dir ein Ohr finden für die Ängste, die uns umtreiben.“ (Psalm 27).

Von Werner Könitz

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