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Wirksamkeit bei Kreuzimpfung: Studien-Ergebnis überrascht sogar Forscher



Eine Kreuzimpfung zwischen Astrazeneca und Biontech ist bei vielen Menschen notwendig geworden. Wie wirksam das ist, zeigt ein überraschendes Studienergebnis.

Eigentlich war eine Kreuzimpfung zwischen den Vakzinen von Astrazeneca und Biontech nicht vorgesehen. Wegen des zwischenzeitlichen Stopps des ersteren Impfstoffs wurde diese für mindestens zwei Millionen Menschen aber notwendig. Nun könnte aus der Not sogar eine Tugend werden. Das zumindest deuten aktuelle Studien an. Die Ergebnisse einer Untersuchung überraschen dabei nun sogar die Wissenschaftler selbst, wie echo24.de* berichet.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfehlt wegen der selten auftretenden, aber unter Umständen extrem gefährlichen Nebenwirkungen* die Corona-Impfung mit Astrazeneca nur noch Menschen über 60 Jahren*. Anfangs war das Gegenteil der Fall gewesen. Es änderte sich mit Bekanntwerden einzelner Fälle von Hirnvenen-Thrombosen. Das führte zu einem Dilemma.

Corona-Kreuzimpfung: Studie zu Wirksamkeit überrascht selbst Forscher

Wer bereits eine Erstimpfung mit Astrazeneca erhalten hatte, brauchte nun eine Alternative. Laut Angaben des Bundesgesundheitsministeriums dürfte das rund zwei Millionen Menschen betroffen haben.

Die STIKO änderte für die Betroffenen am 1. April ihre Empfehlung in Richtung einer sogenannten Kreuzimpfung. Dabei folgt auf die erste Corona-Impfung mit dem Vektorimpfstoff des Herstellers Astrazeneca eine Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff – zum Beispiel von Biontech/Pfizer oder Moderna.

Kreuzimpfung: Wirksamkeit zu Beginn nicht geklärt

Studien über die Wirksamkeit oder mögliche Nebenwirkungen der Kreuzimpfungen* gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Mittlerweile zeigen erste Ergebnisse aber, dass die Kombination aus den Impfstoffen, die im Körper unterschiedlich wirken*, durchaus einen Vorteil haben könnte.

So hatten bereits Forschende der Medizinischen Hochschule Hannover herausgefunden, dass Zahl und Qualität der Antikörper nach einer Kreuzimpfung höher waren, als bei einer Doppelimpfung mit Astrazeneca. Die Wissenschaftler hatten aber noch darauf hingewiesen, dass dies keine Aussage über die Wirksamkeit der Impf-Kombination zulasse.

Corona-Impfungen mit Astrazeneca und Biontech: Studie überrascht

Aktuelle Studien zeigen nun offenbar, dass eine Kreuzimpfung aber keinen Nachteil gegenüber der doppelten Impfung mit einem Impfstoff hat. Zu diesem Schluss kam beispielsweise der Infektiologe Leif Erik Sander der Charité Berlin nach einer vorläufigen Auswertung einer Studie. Auch eine spanische Studie sieht die Wirksamkeit einer Kreuzimpfung höher* als bei einer Doppelimpfung.

Eine Kreuzimpfung von AstraZeneca und Biontech soll laut einer Studie wirksamer sein als eine Doppelimpfung.

© Matthias Bein/dpa

Noch weiter gehen offenbar die Ergebnisse einer noch nicht wissenschaftlich publizierten Studie der Universität Saarland. Das Forscherteam unter Leitung von Immunologie-Professorin Martina Sester an der Uni kommt zu einem selbst für sie überraschenden Schluss, wie das Universitätsklinikum des Saarlandes und die Medizinische Fakultät der Universität des Saarlandes (UKS) berichten.

Kreuzimpfung gegen Corona: Studie zeigt „wesentlich höhere Wirksamkeit“

„Dies ist auch der Grund, warum wir diese jetzt schon mit der Öffentlichkeit teilen wollen und nicht erst das wissenschaftliche Begutachtungsverfahren abgewartet haben“, erläutert Sester. Das vorläufige Fazit: Eine Kreuzimpfung aus Astrazenca und Biontech zeige eine „wesentlich höhere Wirksamkeit“ als eine zweifache Corona-Impfung mit dem Vakzin von Astrazeneca.

Für die Studie hatten die Forscher die Immunreaktion von 250 Personen im Detail untersucht. Ein Teil von ihnen hatte eine zweifache Astrazeneca-Impfung oder eine zweifache Impfung der Hersteller Biontech und Pfizer erhalten, den weiteren Probanden wurde mit einem Abstand von neun bis zwölf Wochen eine Kombination aus beiden Impfstoffen – eine sogenannte heterologe Impfung – verabreicht. Einige wenige Personen wurden zudem mit dem Moderna-Impfstoff oder einer Kombination aus Astrazeneca und Moderna geimpft.

Corona-Impfung: Astrazeneca und Biontech als Kombination wirksam

Dabei hätten die Wissenschaftler bei den geimpften Personen nicht nur untersucht, wie viele Antikörper sie gegen das Coronavirus gebildet haben. „Sondern wir haben auch die Wirkstärke der sogenannten neutralisierenden Antikörper bestimmt. Diese gibt uns Auskunft darüber, wie gut die Antikörper das Virus davon abhalten, in die Zellen einzudringen“, erläutert Martina Sester, Professorin für Transplantations- und Infektionsimmunologie der Universität des Saarlandes.

Dabei überraschte die Kreuzimpfung positiv – nicht nur im Vergleich mit Astrazenca. „Bei den neutralisierenden Antikörpern zeigte die kombinierte Impfstrategie sogar noch leicht bessere Ergebnisse als eine zweifache Biontech-Impfung“, erklärt Sester.

Kreuzimpfung: Wissenschaftler müssen Studienergebnisse noch weiter auswerten

Neben den Antikörpern nahmen die Wissenschaftler auch die sogenannten T-Zellen unter die Lupe. Sie helfen dem Körper dabei, überhaupt erst Antikörper zu bilden. Und auch hier führte die heterologe Impfung „sogar zur stärksten Reaktion“ im Vergleich mit den Doppelimpfungen.

Für die wissenschaftliche Publikation der Studie werden die Forscher ihre Daten nun noch unter verschiedenen Aspekten auswerten, etwa dem Geschlecht und Alter und der Frage, bei welcher Impfstoff-Kombination die meisten Nebenwirkungen auftraten.

Kreuzimpfung: Möglicherweise bald sogar Empfehlung?

Schon jetzt können sich die Wissenschaftler aber offenbar vorstellen, dass sich die Empfehlungen der STIKO noch einmal radikal verändern könnten. „Wir sind der Meinung, dass wenn noch weitere Forscherteams zu ähnlichen Ergebnissen kommen, man intensiv über eine Kombination von Vektor- und mRNA-Impfstoffen nachdenken sollte.“

Dies wäre besonders für Menschen mit Vorerkrankungen interessant. Bei diesen könnte man laut Sester überprüfen, ob sie „nicht spätestens als dritte Impfung eine kombinierte Version bekommen sollten, um eine möglichst breite Immunreaktion des Körpers zu erzeugen.“ *echo24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Till Simon Nagel/dpa

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