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Wie viele Ferienwohnungen sind akzeptabel?


Auf dem früheren Bossow-Gelände in Barth entstehen unter anderem zehn Appartementhäuser mit insgesamt 170 Ferienquartieren. In der Stadt bleiben in den Wintermonaten immer mehr Rollos von Häusern unten, weil die Eigentümer diese Quartiere nur über die Sommermonate nutzen: Immer mehr Wohnraum in der Vinetastadt wird zu touristischen Zwecken genutzt.

Das sind die Gefahren

Die Verwaltung befürchtet, dass Touristen die Einheimischen beispielsweise aus der Altstadt verdrängen könnten und damit auch Gefahren für die Infrastruktur und die soziale Konstellation auftreten, wie Bauamtsleiter Manfred Kubitz auf der jüngsten Sitzung der Stadtvertretung erklärt.

„Gerade in der Altstadt gibt es viele Eigentumswechsel und damit einhergehend auch Umnutzungsanträge“, berichtet er. Das bedeutet: Die neuen Eigentümer wollen nicht selten ihre Immobilie auch an Touristen vermieten oder sie als eigenes Ferienhaus nutzen. Laut Kubitz handelt es sich bei den Käufern um Leute von außerhalb, die im arbeitsfähigen Alter sind. „Das sind keine Leute, die nach Barth ziehen wollen. Tatsächlich besteht die Gefahr, dass wir irgendwann in den Wintermonaten durch die Altstadt gehen und nur noch heruntergelassene Rollos sehen“, macht der Bauamtsleiter mahnend deutlich.

Deshalb legt die Verwaltung der Stadtvertretung nahe, eine sogenannte Wohnraumerhaltungssatzung für Teilbereiche der Stadt aufstellen zu lassen. Das heißt konkret, dass Wohnraum in einzelnen Gebieten der Stadt nicht zu Ferienunterkünften umgewandelt werden darf.

Das sagen die Stadtvertreter

Zweifelsohne: Die Vinetastadt profitiert vom Tourismus. Und genau das ist auch der Grund, warum es nicht unumstritten ist, solche Regelungen zu treffen. Denn darum ging es am Donnerstagabend zunächst: ob überhaupt eine entsprechende Satzung erarbeitet werden sollte. Peter Hermstedt (FWB) ist ein absoluter Befürworter. „An diesem Vorhaben kann es nur eine Kritik geben: Und zwar, dass es jetzt erst in Gang kommt“, sagt er. „Vor allem unsere Altstadt darf nicht zu einem Feriengebiet werden“, betont er. Auch Mario Galepp (BfB) sagt: „Guten Morgen! In den vergangenen 20 Jahren sind 80 Prozent der Häuser in der Pohlstraße, der Bleicher- und der Gartenstraße verkauft worden – das Gros an Auswärtige, die zum Teil vermieten oder es selbst als Zweitwohnsitz nutzen.“ Jedoch fügt er ergänzend hinzu: „Ich bin froh, dass das so ist. Denn kein Barther hätte eines der Häuser gekauft und sie renoviert“, gibt er zu bedenken.

Und auch Frank Schröter (CDU) meint: „Wir sollten froh sein, Gäste zu haben.“ Andererseits würde er auch befürworten, dass Gebiete festgelegt werden, in denen der Wohnraum vornehmlich Einwohnern der Vinetastadt zur Verfügung stehen sollte. Dirk Leistner (FWB) appelliert an die Gremiumsmitglieder: „Wir müssen auch unsere Bürger schützen! Wer acht Stunden am Tag oder mehr arbeitet, sollte sich abends nicht über feiernde oder grillende Touristen in der direkten Nachbarschaft ärgern. Diese Leute ziehen dann aufs Land, wo sie ihre Ruhe haben.“ Er fordert von der Verwaltung konkrete Vorschläge, in welchen Straßen beziehungsweise Gebieten die Satzung greifen soll.

Immer mehr Kommunen wollen Wohnraum schützen

Letztlich entscheidet sich das Gremium mehrheitlich für die Aufstellung einer Wohnraumerhaltungssatzung. Immer mehr Kommunen greifen zu diesem Instrument. So hat sich im September des vergangenen Jahres auch die Gemeinde Pruchten – übrigens einstimmig – für eine derartige Satzung ausgesprochen. Denn auch dort sieht man eine Tendenz zur Umnutzung von Wohnraum in touristisch genutzte Übernachtungsmöglichkeiten und damit die Gefahr, dass Wohnraum für die ansässige Bevölkerung verloren geht. „Wir werden alles daran setzten, dass der Ortskern ausschließlich eine Wohnbebauung vorsieht und eine Umnutzung des Wohnraums ausgeschlossen ist“, sagt Bürgermeister Andreas Wieneke. Denn auch wenn die Gemeinde ebenfalls vom Tourismus profitiere, dürfe man nicht zulassen, dass die eigenen Einwohner von den Touristen verdrängt werden.

Von Anja Krüger

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