Start day-news Wie viel Einzelhandel verträgt Wismar? Diese Veränderungen sind geplant

Wie viel Einzelhandel verträgt Wismar? Diese Veränderungen sind geplant


Das Thema Einzelhandel spaltet die Wismarer Bürgerschaft. Verträgt die Stadt weitere Verkaufsflächen oder gibt es zu viele? Die Politik hat nach langer Debatte und mit vielen Pro- und Contra-Argumenten der Fortschreibung des regionalen Einzelhandelskonzeptes aus dem Jahr 2012 nicht zugestimmt. Am Donnerstag gab es 14 Nein-Stimmen aus den Reihen von Linken, FDP, Grünen, Für Wismar, Piraten und Freie Wähler. 13 Ja-Stimmen kamen von SPD und CDU, vier Enthaltungen von AfD (3) und Die Linke.

Die Verwaltung hatte das Konzept im Vorfeld mit den Umlandgemeinden abgestimmt. Bürgermeister Thomas Beyer (SPD): „Das Konzept ist in allererster Linie ein Schutzkonzept für die Kernstadt Wismar.“ Es soll, so CDU-Fraktionschef Tom Brüggert, Wildwuchs verhindern. Jetzt herrscht Rätselraten, welche Konsequenzen die Ablehnung hat.

Die Knackpunkte

Im Mittelpunkt der Debatte standen die neuen Einzelhandelsstandorte in Dargetzow und auf dem früheren Gaswerkgelände an der Schweriner Straße sowie mögliche Ergänzungsbereiche am Bahnhof, am Alten Hafen und am Schiffbauerdamm. Für den Stadtteil Dargetzow hat die Bürgerschaft den Weg längst geebnet, für das Areal am Dreweswäldchen fehlt (nur) noch der abschließende Abwägungs- und Satzungsbeschluss.

Verkaufsfläche über dem Durchschnitt

Klaus Tilsen (FDP und Bäcker) beklagt, dass Wismar schon jetzt bei der Verkaufsfläche pro Einwohner weit über dem Bundesdurchschnitt, bei der Kaufkraft aber unter dem Durchschnitt liegt. Tilsen: Das wird auf Dauer nicht funktionieren.“ Er befürchtet ein Ladensterben in der Altstadt. Mit Dargetzow und dem Gaswerkgelände kämen weitere 22 000 Quadratmeter Verkaufsfläche hinzu.

Strahlkraft für Touristen

Die Verwaltung sagt hingegen, dass ein Lebensmittelmarkt ein langer Wunsch der Dargetzower sei. Mit dem Gaswerkgelände werde ein Missstand beseitigt. Mit dem Parkplatz und dem Wohnmobilpark würden Leute von der grünen Wiese in die Stadt gezogen, so Michael Berkhahn (CDU). Der Bausenator ist wie Michael Tiedke (SPD) von der Strahlkraft Wismars als Kreisstadt mit überregionaler Funktion überzeugt. Berkhahn glaubt fest daran, dass nach der Corona-Pandemie der Tourismus wieder anziehen wird. Davor hatte Wismar 2,5 Millionen Tagesgäste und 400 000 Übernachtungen im Jahr.

Linke gegen Optionen am Altstadtrand

Doch die Argumente prallten ab. Die Linksfraktion wendet sich in erster Linie gegen die zusätzlichen Bereiche Bahnhof, Alter Hafen und Schiffbauerdamm. Drei mögliche Verkaufseinrichtungen am Altstadtrand seien nicht hinnehmbar, findet Reinhard Sieg. Allerdings wurden diese Bereiche auch schon im Einzelhandelskonzept von 2012 aufgeführt. Dennoch: Auch sein Fraktionskollege Horst Krumpen sieht mit dem Konzept die Innenstadtrelevanz zu wenig berücksichtigt.

Der Alte Hafen könnte sich um Läden und touristische Dienstleistungen erweitern, beim Bahnhof ist denkbar, dass nach dem Ende der Bauarbeiten Geschäfte in dem weißen Gebäude etabliert werden. Am Schiffbauerdamm geht es um eine Fläche, die jetzt Parkplatz ist. Die Stadt sei nicht gewillt, die Nutzung zu ändern, sagt der Bürgermeister.

Pläne in Dargetzow

Das Einzelhandelskonzept reagiert auf neue Entwicklungen. Zu den Veränderungen zählt die geplante Ansiedlung eines Möbelmarktes und eines Lebensmitteldiscounters in Dargetzow. Nach Angaben von Bausenator Michael Berkhahn ist die Baugenehmigung durch. Der Bürgermeister rechnet mit dem Baubeginn in diesem Jahr. Vorgesehen sind Netto (1150 Quadratmeter, ein zweigeschossiger Möbel-Boss-Markt (6000 Quadratmeter Verkaufsfläche und 3000 Quadratmeter Lager) sowie zwei Fachmärkte (jeweils 800 Quadratmeter) für Sanitär und Teppich/Fußböden.

„Immer mehr Flächen für den Einzelhandel – das wird auf Dauer nicht funktionieren.“ Klaus Tilsen, FDP-Fraktion
Quelle: Norbert Wiaterek

Märkte am Dreweswäldchen

Veränderungen gehen auch mit dem „Sondergebiet Einkaufszentrum, Sondergebiet Wohnmobilstellplatz, öffentlicher Parkplatz, Mischgebiet und Wohngebiet am Dreweswäldchen“ einher. Auf der Fläche des früheren Gaswerkes entsteht eine Verkaufsfläche von rund 10 000 Quadratmetern. Der Aldi von der Bürgermeister-Haupt-Straße und der Edeka vom Hansehof ziehen an den neuen Standort ebenso wie ein Drogeriemarkt, ein Biomarkt, eine Apotheke und ein Fachmarkt für regionale Produkte.

Eine weitere Änderung gibt es am Friedenshof. Hier entsteht an der Erich-Weinert-Promenade ein Markt für den Lebensmitteldiscounter Penny. Die Eröffnung soll am 21. April sein. Laut Konzept wollten die Stadt und das Infrastrukturministerium den Markt zum Schutz des Netto-Standortes an der Bürgermeister-Haupt-Straße verhindern. Per Gerichtsurteil lief das Ansinnen ins Leere. Doch auch Netto will attraktiver werden. Der Markt soll auf eine Verkaufsfläche von 890 Quadratmeter erweitert werden. Der Bauantrag liegt vor.

„Wismar hat eine überregionale Funktion. Nur auf Durchschnittswerte zu gucken, ist zu kurz gesprungen.“ Michael Tiedke, SPD-Fraktion
Quelle: privat

Was noch geplant ist

Weitere Änderungen sind geplant. Der Norma an der Tierparkpromenade, aktuell eine Brandruine, soll neu gebaut werden. Für den Markant-Markt am Platz des Friedens in Wismar-Wendorf sind 2021 der Abriss und Neubau geplant. Die Sparkasse soll integriert bleiben. Beim Lidl an der Lübschen Straße ist eine Erweiterung geplant. In Gägelow beabsichtigt Norma seinen Standort aus dem MEZ an die Klützer Straße (ehemalige Gewerbefläche nahe der Kreuzung in Richtung Proseken) zu verlegen. In Kritzow könnte ein Gartencenter entstehen.

Von Heiko Hoffmann

Must Read

Im Video: 96-Coach Zimmermann blickt auf die Aufgabe in Karlsruhe

Das torlose Unentschieden gegen Paderborn hat durchaus Hoffnung gemacht, allerdings nur einen Zähler. Es müssen...

Booster-Impfung: Wann sollten Genesene ihren Corona-Impfschutz auffrischen?

Aktualisiert: 26.11.202123:12VonLisa KleinschließenDie...

Bundesregierung hat keine Infos zur aktuellen Impfquote

Berlin. Das Bundesgesundheitsministerium hat nach eigenen Angaben keine Informationen darüber, wie hoch die Impfquote in medizinischen Berufen ist. Das...

Außenhandelspräsident Jandura warnt vor Reisebeschränkungen: „Wären eine Katastrophe“

Frankfurt/Berlin. Risk-off und Perfect Storm – das sind die zwei Buzz­­words, die die Lage an den Finanz­märkten gut beschreiben,...

VfB-Profi Borna Sosa erklärt Siegtor gegen Mainz 05: „Jeder denkt, ich wollte die Flanke machen…“

50 Bundesliga-Spiele lang musste Borna Sosa auf einen Treffer warten - im 51. Anlauf war...