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Warum Japan mit warmen Ohren besser schläft


Die Smartwatch am Handgelenk verbunden mit einer Schlaf-App, spezielle Ohrhörer für die schlaffördernde Berieselung mit Hintergrundrauschen – immer mehr Techkonzerne und Startups versprechen, Schlafprobleme zu lösen, die die allseitige Vernetzung noch verstärkt hat. Das Schlafinnovation auch ohne Elektronik und Software geht, zeigt nun das japanische Pharmaunternehmen Kobayashi Pharmaceutical.

Diesen Monat stellte der Konzern hochoffiziell ein neues Produkt vor, das für besonders raschen und tiefen Schlaf sorgen soll: „Night-min Mimi-Hogu Time“ („Nachtschlaf-Ohrentspannungszeit“) heißt es, ein wärmender Ohrstöpsel, der in Nächten, in denen das Einschlafen schwierig ist, einen guten Schlaf fördern soll.

Gegen den Lärm schicken die Forscher ein bewährtes Mittel ins Feld: einen Ohrstöpsel, der den Gehörgang verschließt. Die eigentlich zeitaufwändige Innovation ruht in einem kleinen knopfartigen Anhang, der sich in die Ohrmuschel schmiegt.

Dabei handelt es sich um ein kleines Heizkissen, das immerhin 20 Minuten Wärme abgibt. Die Idee ist, dass die Wärme entspannend auf Nervenbahnen des parasympathischen Nervensystems wirkt, die im Ohr verlaufen. Dies soll die Nutzer dann schneller in den Schlaf führen.

Damit greift der Konzern zwei Probleme an, die viele Japaner quälen. Eines ist Lärm. Wer Japan kennt, kann es ahnen: Viele Japaner wohnen extrem dicht in sehr schlecht schallisolierten Wohnungen und Häusern entlang von Hauptstraßen, Autobahnen oder Bahngleisen.

Das zweite Problem ist das vergebliche Warten auf den Schlaf. Laut einer Umfrage des Konzerns berichteten 47 Prozent der befragten 40000 Frauen und Männern zwischen 20 und 60 Jahren, mindestens einmal im Monat Probleme mit dem Einschlafen zu haben.

Japan probiert mit Elektronik seit jeher alles Mögliche aus – und oft auch das Unmögliche. Jeden Donnerstag berichtet unser Autor Martin Kölling an dieser Stelle über die neuesten Trends aus Tokio.

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Kobayashis Entwickler erwarten nun mit der Verbreitung digitaler Störenfriede wie Smartphones einen wachsenden Markt für Lösungen, die den Schlaf verbessern. „Viele Menschen leiden unter Schlafproblemen wie Einschlafschwierigkeiten und flachem Schlaf“, so die Forscher, „und angesichts des Stresses, der durch die Veränderungen des Lebensstils in den letzten Jahren entstanden ist, wird die Nachfrage nach Lösungen voraussichtlich steigen“.

Pharmakonzerne profitieren bereits von einer steigenden Nachfrage nach Schlafmitteln. Aber Kobayashi Pharma will Schlafprobleme auch mit nebenwirkungsfreier Low-Tech-Innovation angehen. Bereits 2017 brachten der Konzern ein erstes Produkt der „Night-min“-Serie auf den Markt, das „Nightmin-Durch-die-Nase-atmen-Pflaster“ gegen Schnarchen und trockenen Mund.

Dabei handelt es sich um ein kleines wellenförmiges Pflaster, das sich der Schnarcher über die Lippen klebt, um nachts nur durch die Nase zu atmen. Das Produkt wirbt mit hoher Klebekraft, Lavendelduft und schmerzfreier Entfernung, indem man die Vokale durchbuchstabiert.

Offenbar traf es den Zeitgeist. Laut dem Konzern wurde es seit seiner Einführung immerhin 200 Millionen Mal verkauft. Das Management nahm daher an, dass der Markt noch mehr Potenzial bietet und gründete ein interdisziplinäres Team, um weitere Schlafhilfen zu entwickeln.

„Nightmin Mimi-Hogu Time“ ist nun das zweite Produkt der Reihe. Ein Jahr und 50 Prototypen benötigte das Team, um den Ohrwärmer zur Marktreife zu entwickeln. Erstens mussten sie die Größe des Heizelements optimieren, so dass es in möglichst viele verschiedene Ohren passt. Zweitens mussten sie die Füllmenge des Elements mit einem Heizmittel, das auch in den in Japan üblichen Einweg-Handwärmern beim Kontakt mit Sauerstoff Wärme erzeugt, bestimmen.

Auch bei dem neuen Wärmer handelt es sich um ein Wegwerfprodukt, dass offenbar auf thermisches Recycling (vulgo: Müllverbrennung) setzt. Dennoch lässt sich der Konzern die Idee gut bezahlen: Rund sieben Euro kostet ein Paar der Basis-Stöpseleinheit mit fünf Paaren an Heizelementen derzeit im Onlinehandel.

Ab dem 7. Oktober kommt das Produkt auch in Drogerien auf den Markt. Dann muss sich zeigen, ob die Stöpsel besser abschneiden als ein anderes Ohrprodukt, das der Konzern vor mehr als zehn Jahren ebenfalls mit großen Hoffnungen gestartet hatte.

Damals brachte Kobayashi einen besenförmigen Ohrenreiniger unter dem Namen „Tenshi-no-Mimikaki“ („engelsgleicher Ohrenreiniger“) auf den Markt. Mimikaki heißen die traditionellen Ohrlöffelchen, die in Japan bis heute anstelle von Q-Tips zum Ohren auskratzen bevorzugt werden.

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(bsc)

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