Start day-news SPD feiert im XXL-Format – CDU klatscht für Verlierer

SPD feiert im XXL-Format – CDU klatscht für Verlierer


Frenetischer Jubel bricht los, als auf die ersten Zahlen auf der riesigen Leinwand bei der SPD-Wahlparty aufploppen. Die Partei von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig feiert ihren erwarteten Erdrutschsieg im XXL-Format mit Hunderten Anhängern im Restaurant „Brinkamas“, das große Freiflächen hat. Neben der Leinwand steht eine ebenfalls riesige Bühne.

Wenig später steht Schwesig darauf und hält eine sehr emotionale Rede. Sie selbst weint an einigen Stellen, viele Zuhörer im Publikum ebenfalls. Sie spricht auch über ihre Krebserkrankung, Ihr Ehemann und Kinder begleiten sie zu dem Auftritt, stehen aber nicht mit ihr auf der Bühne. Alle anderen Wahlpartys in Schwerin fallen zwei Nummern kleiner aus.

Fünf Minuten Klatschen für Verlierer Sack

Andere Stimmung bei der CDU. Als das Fernsehen um 18 Uhr die erste Prognose zeigt, wird es bei der Unions-Wahlparty in der Orangerie im Schweriner Schloss erst einmal still. Minus fünf Prozent im Vergleich zu 2017. „Eigentlich ist es keine Überraschung“, sagt Lars Schwarz, Dehoga- und Arbeitgeber-Präsident und CDU-Kommunalpolitiker als Bürgermeister in Gnoien (Landkreis Rostock). Die Umfragen der vergangenen Wochen sahen ja nicht viel anders aus.

Bei der CDU herrscht Schweigen, als die ersten Zahlen bekannt werden. Kein guter Tag für Justizministerin Katy Hoffmeister (Mitte) und ihre Parteifreunde.
Quelle: Dietmar Lilienthal

Weiße Tischdecken, unauffällige Servicekräfte, das Ambiente bei der CDU-Wahlparty ist gehoben. Plötzlich stehen alle auf und fangen an rhythmisch zu klatschen. Spitzenkandidat Michael Sack betritt mit Philipp Amthor im Schlepptau die Orangerie. Fünf Minuten lang stehen die beiden schweigend nebeneinander auf der kleinen Bühne. Der feine Saal hat sich in Fußballstadion verwandelt, in dem die Fans nach dem Abstieg ihre Mannschaft trotzdem anfeuern.

Natürlich ist das Ergebnis eine Katastrophe, sagt Sack. Ein Satz, den viele Unionsgrößen aus MV an diesem Abend wiederholen werden. Eine Statement oder ein Foto? Viele der auffallend jungen Leute an den Tischen schütteln den Kopf. Erfahrene Politprofis wie Axel Hochheim aus Greifswald geben Interviews. Würde es der CDU guttun, noch einmal aus Juniorpartner in Schwerin mitzuregieren? Das muss ein Landesparteitag entscheiden, sagt Hochheim.

Swingende FDP

Stimmung und Location sind bei der FDP lockerer. Die Liberalen feiern im Seglerheim, direkt am Wasser. Eine Swingband spielt. Zu diesem Zeitpunkt sagt die Prognose: 6,5 Prozent. „Wir sind drin“, sagt ein verschwitzter Spitzenkandidat René Domke. Auch draußen auf der Terrasse möchte niemand von einer Zitterpartie sprechen.

„Man muss das Positive und die Chancen sehen, nicht die Risiken“, sagt Christoph Richter, FDP-Stadtrat aus Schwerin. Neben ihm steht ein junger Mann mit einem Colaglas: Der Pfälzer Daniel Djaziri koordinierte für den Bundesverband den MV-Wahlkampf. Was der dabei gelernt hat? „Das Land ist sehr unterschiedlich. Auf dem Lande sind andere Themen als in den Städten wichtig.“

Fünf-Prozent-Hürde geschafft, Jubel FDP-Spitzenkandidat Rene Domke (M). Rechts im Bild: FDP-Wahlkampfkoordinator Daniel Djaziri.
Quelle: Bernd Wüstneck/dpa

Vor genau zehn Jahre feierten die Grünen im Seglerheim ihren ersten Einzug in den Landtag. Das sei doch ein gutes Omen, findet Christoph Richter. Einen Tisch weiter guckt sich der Jungliberale Matthias Bucjara die Ergebnisse der Jugendwahl auf dem Handy an. „In meiner Klasse haben alle FDP gewählt“, sagt der 17-Jährige stolz. Er habe sie eben überzeugen können. Als er die Ergebnisse findet, guckt er enttäuscht: Grüne über 20 Prozent, FDP 12.

Grüner-Extra-Test

Während sich bei anderen Wahlpartys am Eingang oft niemand für Coronaimpfnachweise interessiert, wollen die Grünen auch von Geimpften und Genesen einen negativen Testnachweis sehen. Schon im Vorfeld hatte diese harte Regelung für viel Verwunderung gesorgt. Dafür ist die Stimmung in der Hyparschale, einem Kongresszentrum, wo die Grünen feiern, umso ausgelassener. Knapp drin, so sah es kurz nach 18 Uhr aus. Es ist so laut, das Spitzenkandidat Harald Terpe bei Interview kaum zu verstehen ist. Die Luft ist voller Euphorie, es wirkt wie eine riesengroße Kuschel-WG.

Laute Kuschel-WG: Spitzenkandidatin Anne Shepley bei der Feier von Bündnis 90/Die Grünen in der Hyparschale.
Quelle: Marcus Brandt/dpa

Das Kontrastprogramm wartet gleich auf der anderen Straßenseite, die AfD feiert in der Diskothek Achteck. In Grüppchen hocken die Mitglieder vor den Bildschirmen, jede neue Zahl wird kurz und kräftig bejubelt. Dazwischen – nichts. Es wirkt nicht so, als wären die Anwesenden gerne hier. Aber Ziel erreicht: „Hauptsache vor der CDU“, sagt der AfD-Landtagsabgeordnete Horst Förster.

Vor der CDU: Wahlziel erreicht, AfD-Landeschef Leif-Erik Holm ist zufrieden.
Quelle: Frank Söllner

Bei den Linken ist die Wahlparty um kurz vor 20 Uhr schon ein wenig ausgedünnt. Spitzenkandidatin Simone Oldenburg ist zur Fernsehrunde abgezogen, Parteivize Torsten Koplin ist auf dem Sprung. Die Stimmung ist trotz des mageren Ergebnisses leise aber harmonisch. „Der Trend ist kein Genosse“, sagt Horst Krumpen, Kreisvorsitzender aus Nordwestmecklenburg.

Wahlparty der Linken: Horst Krumpen und Jeannine Rösler hatten sich mehr erhofft.
Quelle: Dietmar Lilienthal

Die Linke hätten die richtigen Themen gehabt: Bildung, Gerechtigkeit. Aber keiner habe das bemerkt, weil alle nur auf Manuela Schwesig schauten, erklären im Cafe „Tisch“, wo die Linke feiert, viele die Niederlage. Es wird gerechnet: Wie viele schaffen es in den Landtag? Mit den zehn Prozent aus der Prognose wären es nur acht, drei weniger als bisher.

Von Gerald Kleine Wördemann und Moritz Naumann

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