Start day-news So voll war es in Neukloster und Grevesmühlen

So voll war es in Neukloster und Grevesmühlen


Die Nachfrage steigt, und zwar deutlich. „Am Mittwoch vor einer Woche hatten wir 160 Impfungen“, sagt Louanne Nieny. „Jetzt rechnen wir mit rund 300.“ Mindestens. Die Mitarbeiterin der Kreisverwaltung Nordwestmecklenburgs gehört eigentlich zur Kernverwaltung. Aufgrund von Corona unterstützt sie seit Monaten die Impfteams. Zwei sind es an diesem Tag im Foyer der Mehrzweckhalle in Grevesmühlen. „Normalerweise sind wir mit einem Team vor Ort, aber weil die Nachfrage inzwischen so groß ist, haben wir zwei Teams mit zwei Ärzten, die impfen“, erklärt die junge Frau.

Louanne Nieny, Mitarbeiterin der Kreisverwaltung, und Marjana Mahncke (rechts) bei der Anmeldung für die Impfung.
Quelle: Michael Prochnow

Von 10 bis 18 Uhr wird jeden Mittwoch im Foyer der Sporthalle geimpft. Weil direkt vor der Tür der neue Schulcampus für Grevesmühlen entsteht, ist der Ort des Geschehens nur umständlich über die Baustelle zu erreichen. Parkplätze sind Mangelware. „Aber die Leute finden trotzdem zu uns“, sagt Louanne Nieny. Und wenn es noch mehr als 300 an diesem Tag werden? „Dann schaffen wir auch das.“ Genügend Impfstoff jedenfalls sei vorhanden.

Zwei Impforte, zwei Teams

Tatsächlich sitzen eine Stunde nach Beginn der Impfaktion mehr als 20 Frauen und Männer auf den Stühlen im Foyer. Nachdem sie die Unterlagen ausgefüllt haben, geht die eine Hälfte zum Impfen in den Nebenraum, die andere Hälfte in den umgebauten Rettungswagen, der vor der Tür steht. So schaffen die Teams deutlich mehr Impfungen.

Eine, die sich an diesem Tag für die Booster-Impfung angemeldet hat, ist Marjana Mahncke aus Boltenhagen. Die Mitarbeiterin der Boltenhagener Appartement und Immobilien-Gesellschaft hat sich bewusst für die dritte Impfung entschieden. Nicht jeder, der an diesem Tag mit Mund-Nasen-Schutz auf seine Impfung wartet, möchte seinen Namen in der Zeitung lesen. Marjana Mahncke hat damit kein Problem. „Meine Tochter ist 15 Jahre alt und hat sich impfen lassen, mein Mann und meine Söhne auch.“ Aber es ist ein schwieriges Thema angesichts der unterschiedlichen Meinungen. Sie selbst hatte nach den Impfungen keine Nebenwirkungen, dafür aber das sichere Gefühl, etwas für den Schutz getan zu haben.

Ein paar Meter weiter wartet ein Rentner auf seine dritte Impfung. Seinen Namen möchte der 80-Jährige nicht sagen. Aber, warum er sich impfen lasse. „Ich halte es für richtig. Das können Sie ruhig schreiben.“

Umzug in die Touristeninformation

Ruhig schreiben darf die OZ auch die Meinung von Gudrun Müller. Sie nimmt am Donnerstag das Impfangebot in der Touristeninformation in Neukloster wahr. „Den Impfgegnern geht es nicht um die Impfung selbst, die sie ablehnen.“ Gruppengehabe sei es eher, meint die Psychologin. „Gemeinsam stellen sie sich dagegen“, umschreibt sie. Vielfach sei das bereits im Psychologenverband diskutiert worden. „Es ist ähnlich wie bei einem Kleinkind, das seinen Keks nicht bekommt. Dann schmeißt es sich auf den Boden.“ Allein aus Prinzip würden auch Impfgegner „bocken“ – Menschen, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen können, mal ausgenommen. Ein vernünftiges Argumentieren hilft nicht, meint sie. „Es ist erschreckend, dass auch gebildete Leute, darunter Ärzte, Corona-Impfungen negieren.“

Gudrun Müller, Psychologin: „Es ist erschreckend, dass gebildete Leute, darunter Ärzte, Corona-Impfungen negieren. Argumentieren mit ihnen ist nicht möglich.“
Quelle: Jana Franke

Die Touristeninformation in Neukloster wird seit vergangener Woche donnerstags von 14 bis 18 Uhr zum „Impfzentrum“ umfunktioniert. Zuvor war das mobile Impfteam des Landkreises an der Stadthalle aktiv. „Mit Einzug des Herbstes sind die Bedingungen dort nicht mehr optimal“, begründet Neuklosters Bürgermeister Frank Meier den Umzug. Das mobile Angebot werde sehr gut angenommen. Das bestätigt auch Dr. Sven Andresen, der das Impfen vor Ort vornimmt. „In der vergangenen Wochen haben wir 62 Dosen verteilt, heute haben wir 72 dabei“, rechnet er vor.

215 367 Menschen sind bereits geimpft

Bereits kurz vor 14 Uhr bildet sich eine Menschenschlange auf dem Hinterhof der Touristeninformation. Geduldig warten die Frauen und Männer im Nieselregen darauf, dass ihnen Einlass gewährt wird. Philipp Schröder und Sebastian Baum vom mobilen Impfteam haben alle Hände voll zu tun, die Anwesenden zu registrieren und Impfnachweise auszustellen. Die meisten, die am Donnerstag vor Ort sind, lassen sich das dritte Mal impfen. Es sind aber auch Menschen dabei, die sich den ersten Piks holen. Ja, die Impfbereitschaft auch bei „Neulingen“ steige, bestätigt Kreissprecher Christoph Wohlleben. Bisher sind im Landkreis 215 367 Menschen gegen Corona geimpft, darunter 6546 Minderjährige, 110 809 Frauen und Männer im Alter von 18 bis 59 Jahren und 98 012 Menschen älter als 60 Jahre. 8208 Bürger haben bereits die dritte Impfung, 106 190 sind zweimal geimpft und 100 969 einmal.

Manfred Juschkat, Bürgermeister der Gemeinde Züsow, hat sich am Donnerstag die sogenannte Booster-Impfung geholt. Philipp Schröder vom mobilen Impfteam nimmt seine Daten auf.
Quelle: Jana Franke

Unter den Bereitwilligen in Neukloster ist auch Züsows Bürgermeister Manfred Juschkat. Er hat sich die Booster-Impfung verabreichen lassen. „Ich bin chronisch krank, mache es für mich und meine Gesundheit“, erklärt er, schiebt aber hinterher, dass er eine Impfpflicht befürwortet. Als Kommunalpolitiker wünsche er sich ein geraderes Handeln der Bundes- und Landesregierung. „Die Zahlen der Neuinfektionen sind erschreckend. Die Bevölkerung braucht klare Entscheidungen und einen Leitfaden“, ist er der Meinung.

Haben sich am Donnerstag die dritte Impfung geholt: Beate (68) und Wilfried Horey (75).
Quelle: Jana Franke

Überzeugt, dass die Impfungen helfen, sind auch Beate (68) und Wilfried Horey (75) aus Neukloster. „Wir hoffen, dass der Verlauf, wenn wir an Corona erkranken sollten, mit der Impfung nicht ganz so schlimm wird“, begründet Beate Horey. Die dritte hat sich das Ehepaar am Donnerstag geholt. „Für uns ist das selbstverständlich“, ergänzt sie. Die Argumente der Impfgegner können beide nicht nachvollziehen. „Wir sind früher auch geimpft worden, da hat kein Mensch etwas gesagt.“

Von Jana Frank und Michael Prochnow

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