Start day-news So reagiert das Gastgewerbe auf die 2G-plus-Regel

So reagiert das Gastgewerbe auf die 2G-plus-Regel


Die ganz große Stornierungswelle ist bisher ausgeblieben. Trotzdem spüren Gastgeber in Kühlungsborn, dass 2G-plus und Urlaub für viele nicht zusammenpasst.

„Normalerweise würde jetzt das Gedrängel um die letzten Plätze losgehen, aber es ist bis jetzt verhalten“, sagt Reiner Kukeit, Inhaber der Appartementvermittlung „Zimmer am Meer“. „Wir hatten zu Silvester einen Buchungsstand von 90 Prozent.“ Nun hätten schon die ersten Gäste storniert. Er verstehe das, sagt Reiner Kukeit. „Dann hätte man den Mut haben und die Bude gleich dichtmachen können.“ Bei den Gästen herrsche absolutes Unverständnis. „Sie verstehen die Logik nicht, dass sie abgesondert wohnen und trotz Impfung einen Test machen müssen.“

Mehr Aufwand für die Mitarbeiter

Für den Inhaber und seine Mitarbeiter bedeuten die strengeren Regeln auch mehr Arbeit. „Letztes Jahr haben wir mit eidesstattlichen Versicherungen gearbeitet, dass die Leute sich an die Regeln halten“, sagt er. „Jetzt müssen ja alle ihr Zertifikat hochhalten. Ich möchte mir nicht vorstellen, wie das Silvester aussieht, an einem Tag mit 40 bis 50 Anreisen. Denn ich muss mir ja auch den Ausweis zeigen lassen.“ Um digitale Impfpässe auszulesen gibt es im Büro des Unternehmens eine App. „Bei den anderen müssen wir alles aufschreiben.“ Reiner Kukeit würde sich wünschen, dass der digitale Impfpass verpflichtend wäre.

Anders als in den Hotels müssen seine Gäste nur bei der Anreise einen negativen Test vorlegen. „Wir bieten keine betreuten Übernachtungen.“ Mitarbeiter und Gäste kämen in der Regeln nicht in Kontakt, wenn die Gäste etwas benötigten, könnten sie sich das auch im Büro abholen. Dort gilt 3G.

Zu wenig Kapazität in Testzentren

Auch im Travel-Charme-Ostseehotel Kühlungsborn gab es schon Stornierungen, nach Angaben von Marketingleiterin Christine Bentz allerdings relativ wenige.

Die Gäste müssen zur Anreise einen tagesaktuellen Test vorlegen. Nach drei Tagen müssen sie den wiederholen und wieder an der Rezeption vorzeigen. „Für uns bedeutet das natürlich den Aufwand, dass wir das kontrollieren müssen. Aber das läuft eigentlich gut. Die Gäste sind sehr verständig.“ Die Einführung der 2G-plus-Regel sei ein wenig kurzfristig gewesen, „aber wir haben das gut hinbekommen“, sagt Christine Bentz. „Wir telefonieren die Gäste jetzt von uns aus an und sagen ihnen, wie der Stand ist.“ Die seien bemüht, sich an die Regeln zu halten. „Die Bereitschaft ist da. Sie müssen aber die Möglichkeit bekommen.“ Deshalb sei das Wichtigste, dass es in den Testzentren ausreichende Kapazitäten gebe.

Am Wochenende sei das Travel-Charme-Ostseehotel sehr gut gebucht. „Wir möchten die volle Auslastung im Moment aber auch gar nicht“, sagt die Marketingleiterin.

Campingplatz-Chef: „Schlechter als komplette Schließung“

Auf dem Campingplatz in Kühlungsborn gibt es mehr Absagen. „Wir haben die Gäste benachrichtigt, die bis 19. Dezember gebucht haben und nach einer halben Stunde kamen die ersten Stornierungen“, sagt Geschäftsführer Gunnar Lange. Er fürchte, dass das weitere Kreise ziehen werde. „Wir waren zwischen Weihnachten und Silvester zu 100 Prozent ausgebucht. Ich denke zwischen 30 und 40 Prozent werden das nicht mitmachen. Die Leute wollen ja auch essen gehen und was erleben und es wird alles abgesagt.“ Auch Spontanreisende würden vermutlich gar nicht erst losfahren.

„Für uns als Betrieb ist das schlechter als eine komplette Schließung.“ Denn wenn der Platz weiterhin geöffnet bleibt, habe man ja keine Handhabe und könne auch kein Kurzarbeitergeld bekommen. Zudem ist auch er der Meinung, dass die Entscheidung viel zu kurzfristig gefallen sei. „So schnell kann keiner reagieren. Auf der anderen Seite muss man natürlich irgendwas machen“, sagt der Geschäftsführer. „Ich schimpfe nicht auf die Politik, das ist höhere Gewalt.“

Gäste haben kein Recht auf Erstattung

Auch für den Gast sei die Situation schwierig. Weil er seinen Urlaub antreten könne, habe er kein Recht, Geld wiederzubekommen, wenn er unter diesen Bedingungen nicht kommen möchte. Auf der anderen Seite wolle man natürliche gerade Stammgäste auch nicht verlieren und sei um Kulanz bemüht. Auch Gunnar Lange sieht ein Problem in den mangelnden Testkapazitäten. „Wenn es keine Testzentren gibt, wo soll ich meine Gäste denn hinschicken?“ Er sieht auch die Stadt in der Pflicht, Möglichkeiten zu schaffen, da auch sie letztlich vom Tourismus profitiere. „Sonst bedeutet das für uns das Aus. Für mich muss das Mitte nächster Woche stehen, sonst wird es eng für uns.“

Von Cora Meyer

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