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So lief die erste Corona-Impfung beim Hausarzt


Als Manja Dannenberg vor dem Haus ihrer Patienten hielt und mit einer kleinen Kühltasche aus dem Auto stieg, machte sie keinen Hehl daraus, dass es für sie ein ganz besonderer Anlass war, der sie nach Krempin in der Gemeinde Carinerland geführt hatte.

„Ich muss zugeben, dass ich tatsächlich ein bisschen aufgeregt bin. Immerhin impfe ich heute das erste Mal Patienten mit einem Wirkstoff gegen das Coronavirus“, erzählte die Ärztin. Erst wenige Minuten zuvor war ihr der Impfstoff vom Apotheken-Lieferdienst in die Neubukower Praxis geliefert worden. Dort bereitete sie gleich die ersten Spritzen für vier Patienten vor. Weitere Portionen des Impfstoffes teilte sie sich an diesem Tag mit Kollegen aus der Region.

Hausarzt erspart Weg ins Impfzentrum

„Die Hausbesuche bei meinen älteren Patienten waren ohnehin geplant. Da konnte ich die Termine gleich mit dem Impfen verbinden“, berichtete Manja Dannenberg. Ihre ersten beiden Patienten, Edeltraut und Herbert Schreiber, waren dagegen kein bisschen aufgeregt.

Freundlich und mit gewisser Gelassenheit begrüßte das Paar seine Hausärztin. Herbert Schreiber, setzte sich als Erster an den Tisch und ließ sich die 0,5 Milliliter Impfstoff in den linken Oberarm spritzen. Als die Ärztin nach ein paar Sekunden meinte „Das war’s schon“, fragte der 88-Jährige noch mal nach: „Was, Sie sind schon fertig?“. Den kleinen Piecks habe er kaum gemerkt, ließ er anschließend noch wissen.

Edeltraut Schreiber (82) bekommt ihre erste Impfdosis Astrazeneca gegen das Corona-Virus bei einem Hausbesuch von Hausärztin Manja Dannenberg gespritzt.
Quelle: Rolf Barkhorn

Genauso schnell ging es auch bei Edeltraut Schreiber. Die 82-Jährige erklärte anschließend: „Wir haben nie daran gezweifelt, uns gegen Corona impfen zu lassen. Andere Impfungen vorher haben uns auch nicht geschadet. Schließlich möchten wir auch gern mal unsere Urenkel wiedersehen, die weiter weg wohnen.“ Abschließend sagte die Rentnerin: „Außerdem vertrauen wir unserer Hausärztin und wir sind ihr dankbar, dass wir für den kleinen Piecks nicht extra bis nach Rostock in ein Impfzentrum fahren müssen.“

Ärztin Manja Dannenberg war aber auch sichtlich erleichtert, dass sich ihre Patienten haben impfen lassen und dass alles problemlos vonstatten ging. Sie hofft, in den kommenden Wochen noch viele weitere ihrer Patienten impfen zu können. „Da sind noch eine ganze Menge älterer Menschen, die noch in eigenen Haushalten leben, nicht mobil sind und gegen das Virus geschützt werden müssen“, meinte sie. Gerade für Hausärzte die richtige Aufgabe.

Impfdosen zunächst für Praxismitarbeiter

Das glaubt auch Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig. Sie besuchte am Freitag die Gemeinschaftspraxis von Manja Dannenberg und Stefan Zutz. „Es gibt höchstes Vertrauen in Hausärzte“, sagte sie. Deshalb seien sie eine gute Anlaufstelle. Insgesamt 1700 Praxen im Land hätten sich bereiterklärt, ihre Patienten zu impfen.

Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, im Gespräch mit dem Arzt Stefan Zutz in Neubukow
Quelle: Cora Meyer

In der Region Neubukow/Rerik/Kröpelin seien 50 Impfdosen angekommen, sagt Stefan Zutz. Damit sei zunächst das medizinische Personal geimpft worden. Anschließend habe jeder Hausarzt etwa drei bis vier Dosen für Patienten übrig behalten. Sie sind vor allem für diejenigen gedacht, die nicht im Pflegeheim wohnen, denen man aber auch den Weg ins Impfzentrum nicht zumuten wolle – wie Ehepaar Schreiber.

Mehr Impfstoff sehnlich erwartet

Wer infrage kommt, wird von den Praxismitarbeiterinnen angerufen und gefragt, ob Interesse an einer Impfung besteht. So erlebte es auch Dietrich Peters. Der 79-Jährige war sofort dabei. „Ich bin froh, dass man das beim Arzt machen kann. Man kennt sich eben“, sagt er. Einige andere hätten allerdings bereits einen Termin im Impfzentrum gehabt. „Es gibt keine Rückmeldung von dort“, kritisiert Stefan Zutz.

In Neubukow kam der Impfstoff von Astrazeneca zum Einsatz.
Quelle: Cora Meyer

Möglicherweise könne man die Impfung schneller für andere Bevölkerungsgruppen öffnen als geplant, sagt Manuela Schwesig. „Wenn ich von den Hausärzten die Rückmeldung bekomme, dass wir gut durch die Risikogruppen durch sind, würde ich mich dafür einsetzen. Bisher waren wir da zögerlich.“ Denn zunächst werde mehr Impfstoff benötigt. Ansonsten sei die Enttäuschung bei den Menschen groß, die bei der Impf-Hotline anrufen, aber keinen Termin bekommen.

Auch Stefan Zutz hofft, dass bald mehr Impfstoff zur Verfügung steht. „Wir würden gern mit der Impfung in die Breite gehen.“ Das will auch die Ministerpräsidentin: „Ohne Impfen werden wir nicht rauskommen aus der dritten Welle.“

Von Rolf Barkhorn

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