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Schwestern sind an der Grenze der Belastbarkeit


Der Allgemeinmediziner Dr. Gero Kärst in Wolgast impft mit seinem Team, was das Zeug hält. Denn er findet, dass es nur mit Hilfe von Impfungen gelingt, die Pandemie zu besiegen. Doch was der erfahrene Arzt jetzt täglich an der Basis erleben muss, hat ihn veranlasst, seine Gedanken öffentlich zu machen.

Kärst nimmt kein Blatt vor den Mund und sagt deutlich: „Die Mitarbeiter in den Praxen sind am Limit, denn neben dem Impfen gibt es auch alle anderen Krankheiten weiterhin. Und die müssen wir behandeln. Wer nicht gleich einen Impftermin bekommt, reagiert derzeit oft mit Unverständnis. Dabei leisten Schwestern und Ärzte in den Praxen in der Pandemie schon viel.“

Grenze der gesundheitlichen Belastbarkeit überschritten

Der Arzt weiß auch durch seine eigenen Mitarbeiter, dass die meisten die Grenze der gesundheitlichen Belastbarkeit bereits überschritten haben. „Es droht ein Burnout Einzelner mit der Folge, dass andere diese Leistung mit erbringen müssen und der Dauerüberlastung dann auch nicht mehr standhalten. Dann fallen einzelne Praxen aus und in der Folge kann das gesamte System der medizinischen Grundbetreuung in unserer Region zusammenbrechen.“ Kärst sagt das nicht, um Ängste zu schüren, sondern um die Bürger für die wichtige Arbeit im Gesundheitswesen zu sensibilisieren. 

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Seit nunmehr gut einem Jahr versuchten die Haus- und Fachärzte mit ihren Teams, „unter den erschwerten Bedingungen weiter unsere Patienten mit ihren Erkrankungen zu begleiten, neue Erkrankungen zu erkennen, gefährliche Verläufe abzuwenden und wenn das nicht möglich ist, die Patienten auch dann zu begleiten.“ Nun wurde mit den Corona-Impfungen ein Teil der Gesundheitsvorsorgeaufgabe des Landes – das bezahlt den Impfstoff und die Impfleistung in den Impfzentren und indirekt auch in den Praxen – zusätzlich auf uns übertragen. 

Unterstützung vor Ort stimmt

Die Impfstoffzuteilung erfolgt bisher sporadisch und kurzfristig, eine Planung ist kaum möglich. Das zeigen die am 22. April angebotenen 300 Impfdosen, sie sind umgehend vergeben gewesen – auch wenn nicht 1800 Menschen damit geimpft werden können, wie zunächst irrtümlich behauptet.  Selbst 3000 Impfdosen wären sicher so schnell nachgefragt worden – und das ist gut so, dass die Impfung gegen Corona so begehrt ist.

„Der Bevölkerung sei versichert, jede Praxis in Wolgast und dem Umland sowie auf der Insel Usedom tut das ihr Mögliche in der Impfkampagne. Und wir tun noch mehr: Nebenbei arbeiten wir an praktikablen Lösungen und freuen uns, dass vor Ort die Unterstützung stimmt“, sagt Gero Kärst. So freue er sich, dass die Zusammenarbeit mit der Stadt Wolgast zustande gekommen ist.

Seit Montag koordiniert die Stadt zusätzliche Impftermine mit andernorts übrig gebliebenen Impfdosen unter der Telefonnummer der Tourismusinformation Wolgast, Tel. 03836/60 01 18, in der Zeit von 9 bis 12 Uhr und von 13 bis 15 Uhr. Den Vorrang haben dabei Impfwillige der Prioritätengruppe 2 (Menschen über 60 Jahre), die noch nicht dran waren, und der Prioritätengruppe 3 – etwa Lehrer/Lehrerinnen, Erzieher/Erzieherinnen, Mitarbeitende bei Pflegediensten, auch Polizisten/Polizistinnen und Verwaltungsmitarbeiter. Das alles sei erfreulich.

Aggressivität gegenüber Schwestern nicht hinnehmbar

Aber dem langjährigen Hausarzt Gero Kärst ist aufgefallen: „Ein Teil der Mitbürger geht unangebracht aggressiv mit den Schwestern in den Praxen um, die auch mental mehr geben, als sie können. Zudem sitzt am Telefon in der Tourismusinfo eine städtische Mitarbeiterin, denn es gibt nur diese Telefonnummer. Sie kann immer nur einen Anruf entgegennehmen. Und wenn sie gerade spricht, dann müssen andere Anrufer es eben erneut versuchen. Und wenn die Termine für den zusätzlichen Impfstoff einer Woche vergeben sind, muss man es am nächsten Tag, in der nächsten Woche wieder versuchen. Wir halten die Bevölkerung auf dem Laufenden was wo möglich ist. Aggressivität, Anfeindungen oder Beleidigungen gehen überhaupt nicht.“

Es bleibe das große Ziel, auch in Wolgast, 60 Prozent der Bevölkerung zu impfen. „Erst wenn das erreicht ist, wird die Inzidenz merklich sinken und dann sind die Voraussetzungen geschaffen, den Lockdown regional aufzuheben“, sagt Dr. Gero Kärst und fordert die Menschen dieser Region auf: „Machen Sie mit, aber haben Sie Verständnis und halten Sie uns den Rücken frei, damit wir weiter für Sie da sein können.“

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