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Restaurants auf Rügen nach Coronapause eröffnet: Wo Probleme entstehen


Für gute Laune bei Gastronomen und Gästen gleichermaßen hat die Öffnung der Lokale auf Rügen am Pfingstsonntag gesorgt. Nach monatelanger Zwangspause durften die Restaurants und Cafés wieder Besucher empfangen, wenn auch unter Auflagen.

So werden laut Landesverordnung für den Besuch eine Reservierung und der Nachweis gefordert, dass die Gäste entweder gegen das Corona-Virus geimpft, von einer entsprechenden Erkrankung genesen oder negativ auf Corona getestet sind. Wer vor dem Lokal auf den Terrassen oder in Biergärten sitzt, braucht diesen Nachweis nicht, muss sich allerdings – wie schon im vergangenen Jahr – registrieren lassen.

Viele Insulaner scheinen nur auf diesen Zeitpunkt gewartet zu haben. Daniel Zepter zum Beispiel. Der gebürtige Rostocker hat schon im vergangenen Sommer den Pachtvertrag für das Lokal im Marstall unterschrieben. Er war zuvor unter anderem in Bayern, Berlin und zuletzt in Binz und Moritzdorf in der Gastronomie tätig. Bei der Messe LebensArt hatte er den Marstall kennengelernt und von da an mit dem Projekt geliebäugelt. Am 1. Dezember wollte er das Restaurant eröffnen. Doch kurz zuvor hatte der so genannte Lockdown alle Pläne vorerst zunichte gemacht. „Noch bevor wir loslegen konnten, musste ich die Leute in Kurzarbeit schicken.“

Eröffnung in zweierlei Hinsicht

Für Daniel Zepter und seine Kollegen war es am Sonntag in doppelter Hinsicht eine Eröffnung – für die es keinen Testlauf gab. Und so hatten er und das Team mit ein paar Startschwierigkeiten zu kämpfen, wie einer defekten Kasse. Auch die Abläufe in der Küche müsse man noch optimieren. Alles in allem war der Marstall-Gastronom aber zufrieden. „50 Reservierungen für den ersten Tag, das ist doch großartig!“, freute er sich.

Zepter hatte zuvor ein Lokal in Binz betrieben. Unter seinen Stammkunden sprach es sich schnell herum, dass er künftig das Restaurant im Marstall betreiben werde. Viele Gäste warteten offenbar sehnsüchtig auf den Neustart. „Eine Stunde, nachdem verkündet worden war, dass wir Pfingsten öffnen dürfen, klingelten die Telefone und die Ersten wollten Tische reservieren.“

Daniel Zepter startete am Pfingstsonntag ganz neu durch: Er eröffnete im Marstall sein Restaurant. Geplant war die Eröffnung ursprünglich am 1. Dezember.
Quelle: Maik Trettin

Letzter Restaurant-Besuch war im Herbst

Familie Strutz aus Garz gehört zu den Stammkunden von Daniel Zepter. Oma, Opa, Kinder, Schwiegerkinder und Enkel trafen sich am Sonntag zum Essen im Marstall. „Wir machen das eigentlich öfter, aber jetzt schon eine ganze Weile nicht mehr“, erzählen sie. Zuletzt hatten sie sich im Herbst in Sellin bewirten lassen. Bei Daniel Zepter lobten sie den Fischtopf, der vierjährige Lucas hingegen orderte ein Schnitzel. Er habe sich schon sehr aufs Essen gehen gefreut und auch ordentlich Appetit, erzählte der junge Mann, bevor er es sich schmecken ließ.

Der vierjährige Lucas Frank (links) war am Pfingstsonntag mit seiner ganzen Familie ins neu eröffnete Restaurant im Putbusser Marstall gekommen und ließ sich ein Schnitzel schmecken.
Quelle: Maik Trettin

Viele Stammkunden waren es auch, die zur Wiedereröffnung nach der Zwangspause einen Platz im Restaurant „Rasender Roland“ in Binz reserviert hatten. „Es war eine Stimmung fast wie bei einem Familientreffen“, erzählt die Inhaberin Anett Pitzler-Vetters. Wohl noch nie seien frisch gezapfte Biere auf den Tischen so oft fotografiert worden wie an diesem Pfingstsonntag. Zu der Atmosphäre trug sicher auch die weitgehende Abwesenheit von Urlaubern bei.

„Was die Gästezahlen angeht, sind wir aus der Vergangenheit ganz andere Pfingsten gewöhnt“, erinnert sich die Gastronomin. Wenn jetzt die Lokale öffneten, dann aus Freude an der Arbeit und Spaß an der Sache. „Gastronomie ohne Touristen wäre auf Rügen auf die Dauer fast überall unwirtschaftlich.“ Deshalb haben noch nicht alle Lokale geöffnet. Andere, wie der „Rasende Roland“, schränken die Öffnungszeiten so lange ein, bis auch wieder Übernachtungsgäste auf die Insel kommen dürfen.

Dank guter Vorjahres-Saison gut über die Runden gekommen

Dann aber dürfte es sich umso mehr lohnen. Viele Rügener Gastronomen haben im vergangenen Jahr gute Geschäfte gemacht. „Wir sind damals am 25. Mai gestartet und haben bis zum November durchgezogen. In der gesamten Zeit hatten wir Umsätze wie in anderen Jahren in der Hochsaison“, erinnert sich Mathias Burwitz. Er betreibt in Lohme das Restaurant „Daheim“.

Die guten Zahlen aus dem Jahr 2020 haben offenbar viele Gastronomen der Insel über die monatelange Durststrecke gerettet. „Dazu kam auch noch die Unterstützung des Bundes. Dadurch sind wir relativ gut über die Runden gekommen.“ Trotzdem: Nicht nur die Gäste haben auf die Wiedereröffnung gewartet, auch vielen Mitarbeitern fiel zu Hause offenbar die Decke auf den Kopf. „Endlich wieder arbeiten“, freute sich am Sonntag Gabriele Hoffmann, Mitarbeiterin im „Daheim“, nachdem das Mittagsgeschäft vorüber war.

Lieferschwierigkeiten beim Großhandel

Auf den Neustart war Mathias Burwitz diesmal besser vorbereitet als im vergangenen Jahr. Er hatte rechtzeitig Kontakt zu Lieferanten wie dem Fischhändler und den Brauereien aufgenommen. Der Großhandel sei zum Teil nicht so fix gewesen und konnte nicht immer so schnell reagieren, wie es die Kunden gerne hätten. „Einiges war jetzt nicht sofort lieferbar.“

Das machte aber nur kleine Änderungen auf der Karte erforderlich. Die werde ohnehin Stück für Stück regionaler; viele Rohstoffe werden dann nicht mehr über den Großhandel, sondern direkt von den Produzenten aus der Region bezogen. Das, sagt Burwitz, habe nicht vordergründig mit kurzfristigen Lieferschwierigkeiten zu tun, sondern sei ohnehin Philosophie des Unternehmens.

Wohin mit Terrassen-Gästen bei Regenschauer?

Dass es zu Pfingsten in den Lokalen noch nicht so rappelvoll war wie sonst, wenn die Insel voller Übernachtungsgäste ist, war für den Start in gewisser Hinsicht auch ein Vorteil. Denn wie bei voller Auslastung in den Restaurants die Corona-Schutzmaßnahmen eingehalten werden sollen, kann sich kaum einer der Betreiber vorstellen. Zu Pfingsten lief es noch ganz nach Vorschrift.

Familie Strutz aus Garz zum Beispiel hatte im Putbusser Marstall die vollständige Impfung der Familienmitglieder beziehungsweise negative Corona-Tests nachgewiesen. Auch in den anderen befragten Lokalen funktionierte das. „Aber im Sommer ist das kaum zu leisten“, befürchtet Mathias Burwitz. „Dann müssten wir zusätzlich jemanden einstellen, der am Eingang die Nachweise kontrolliert.“ Ungeklärt sei auch, wohin die Terrassen-Gäste flüchten sollen, wenn es plötzlich heftig regnet. „Theoretisch dürften die dann nicht ins Restaurant ohne den Impfausweis oder den Test.“

Auch Anett Pitzler-Vetters sieht darin noch ein Problem. Grundsätzlich seien die Vorsichtsmaßnahmen zu begrüßen und würden von ihr auch in vollem Umfang unterstützt. „Aber einen Corona-Test können wir mit den Gästen nicht am Lokal-Eingang machen.“ Um das entsprechende Papier vorlegen zu können, müssten Restaurant-Besucher die Möglichkeit bekommen, sich auch am Wochenende oder abends testen zu lassen, gerade in der Touristen-Hochburg Binz. Die meisten Testzentren der Insel seien dann aber geschlossen. „Das ist aktuell nicht gerade ausgeh-freundlich.“

Von Maik Trettin

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