Start day-news Nürnbergs Vorstand Dieter Hecking über Ex-Klub 96: "Muss ihnen Zeit geben"

Nürnbergs Vorstand Dieter Hecking über Ex-Klub 96: „Muss ihnen Zeit geben“



Glückwunsch, Nürnberg hat in der 2. Liga nach acht Spielen noch nicht verloren. Aber dafür kann man sich ja bekanntlich nichts kaufen …

Anzeige

„…. das ist aber besser, als wenn wir noch kein Spiel gewonnen hätten. Wir nehmen das natürlich gerne an, das gibt Selbstvertrauen. Aber wir wissen auch, was wir können und was wir nicht können. Es waren Spiele dabei, die hätten auch andersherum ausgehen können.“


Welche?

„Zuletzt das 2:2 in Hamburg – da hätten wir hinten heraus noch verlieren können. Zuhause gegen Rostock haben wir nicht gut gespielt, das war ein glückliches 1:0. Wir wissen das schon ganz gut einzuordnen.“

Was kann Nürnberg also – und was noch nicht?

„Wir sind eine hungrige Mannschaft, sind sehr aggressiv, sehr bissig, sehr laufstark. Wenn alle ans Limit kommen, sind wir schwer zu schlagen.“

Hannover 96: Das sind die neuen Werte der 96-Profis in FIFA 22

Ron-Robert Zieler (73, TH)

©


Und was kann Nürnberg nicht?

„Eigentlich können wir alles. (lacht) Nein, ich glaube, in Hamburg hat man es gesehen: Wir treffen häufig noch falsche Entscheidungen in aussichtsreichen Situationen. Das ist das, was uns noch fehlt. Da sind wir oftmals zu hektisch, da wollen wir zu schnell zu viel.

Das ist auch dem Umstand geschuldet, dass wir gerade in vorderster Front viele junge Spieler haben. Tempelmann, Nürnberger, Shuranov oder Borkowski – die sind alle erst 22 Jahre alt oder jünger. Die müssen den nächsten Schritt machen, aber da geben wir ihnen auch Zeit, das lässt sich nicht erzwingen. Jede Minute, die die Jungen auf dem Platz stehen, wird ihnen weiterhelfen.“

Dafür ist Nürnberg hinten routinierter besetzt.

„Im Defensivverbund haben wir auf Erfahrung gesetzt, ähnlich wie 96 mit Franke und Börner. In diesem Bereich sind wir bis jetzt sehr stabil gewesen. Das ist auch ein Grund, warum wir noch ungeschlagen sind. Unser Torwart Chris Mathenia spielt bisher eine sehr gute Saison, Valentini hat jetzt auch im Offensivspiel auf sich aufmerksam gemacht. Die Defensive gewinnt Meisterschaften, hat mal einer gesagt – und der war schlauer als ich. (lacht)“

Welche Rolle spielen dabei die Ex-96er Florian Hübner und Konstantin Rausch?

„Flo ist leider seit Wochen verletzt, musste sich an der Schulter operieren lassen. Er wird uns wahrscheinlich noch einige Wochen fehlen. Und Koka Rausch haben wir noch dazugenommen, weil er in jede Mannschaft passt. Er hat jetzt seine zwei, drei Kurzeinsätze gehabt – das wird im Laufe der Saison sicher noch mehr werden. Man muss berücksichtigen, dass er die letzten sechs, sieben Monate, bevor wir ihn verpflichtet haben, kaum Mannschaftstraining hatte.“


Nach Platz elf in der vergangenen Saison mischt Nürnberg jetzt erst mal oben mit. Ist das die Entwicklung, die Sie sich so vorgestellt haben?

Anzeige

„Im letzten Jahr wollten wir eine sorgenfreie Saison spielen – und das ist auch so aufgegangen. Aber schon im Winter haben wir angefangen, den Kader umzugestalten, haben uns von Spielern getrennt, wo wir das Gefühl hatten, dass es sportlich nicht ganz reicht. Das haben wir durchgezogen, haben das Gleiche auch noch mal im Sommer gemacht. Da waren wir sehr konsequent in unserem Handeln.

Unser Saisonziel ist Platz fünf bis acht. Das ist ambitioniert. Aber wenn wir uns keine ambitionierten Ziele setzen, dann werden wir letztendlich eine graue Maus. Das wollen wir nicht, wir wollen irgendwann wieder in die Bundesliga zurück.“

Ist Nürnberg schon eine Zweitliga-Spitzenmannschaft?

„Unser Trainer hat gesagt: Es gibt zehn Spitzenmannschaften oder gar keine. Das kann man eigentlich so stehen lassen. Die Liga ist ganz eng zusammen. Es kann ganz schnell hoch oder runter gehen. Da ist es wichtig, dass wir gerade in der frühen Phase schon kontinuierlich punkten. Ja, es gibt die ganz Großen, damit meine ich Bremen, Schalke und Hamburg.

Dann gibt es die Traditionsvereine wie Düsseldorf, Hannover und Nürnberg. St. Pauli muss man auch dazunehmen. Und dann gibt es diese alteingesessenen Mannschaften wie Heidenheim, die wieder bis zuletzt oben dabei sein werden, weil sie Zweitligafußball können. Und schließlich hast du Teams wie Regensburg, die plötzlich und unerwartet vorne mitmarschieren. Das ist eine breite Masse an Vereinen, die sich was ausrechnen.“

Ihr Ex-Verein 96 hat ausnahmsweise auf die Ansage verzichtet, dass der Aufstieg alternativlos sei. Aber das Schlimmste wäre ja, sich mit Mittelmäßigkeit zu begnügen – oder?

„Ich spiele mit 96-Trainer Jan Zimmermann immer mal wieder eine Golfrunde und wir haben in der Vorbereitung auch mal telefoniert. Mit Marcus Mann hat 96 auch einen tüchtigen jungen Manager verpflichtet. Das scheint zwischen den beiden zu passen. Und trotzdem haben sie irgendwann gemerkt: So ganz klein darf der Umbruch doch nicht ausfallen.

An dem ein oder anderen Spieler, den Hannover verpflichtet hat, waren wir ja auch interessiert. Ich finde die Mannschaft von 96 spannend. Man muss diesen beiden jungen Leuten, die in der sportlichen Verantwortung stehen, jetzt einfach diese Zeit geben, ihre Vorstellungen umzusetzen. Das wäre der erste Schritt, um einer Mittelmäßigkeit zu entgehen.“

Die 96-Trainer seit 2002 – und ihr Punkteschnitt in der Liga (Stand: 15. April 2021)

Ralf Rangnick: 91 Spiele (40-22-29) – 142 Punkte (im Schnitt 1,56).

©


An welchen von 96 verpflichteten Spielern war Nürnberg auch interessiert?

„Belassen wir es dabei, dass wir uns mit dem ein oder anderen beschäftigt haben. (lacht)“

Und warum ist keiner gekommen?

„Wir haben für uns die Spieler taxiert und gesagt: Bis dahin gehen wir. Aber nicht weiter.“

Nürnberg gegen 96 ist ein Samstagabendspiel, das ist in dieser Saison neu. 20.30 Uhr im Free-TV. Eine gute Entscheidung?

„Ich finde es generell gut, dass wir weg vom Montagabend gekommen sind. Auch wenn es ein fester Sendeplatz war und die Leute vorm Fernseher das auch angenommen haben. Für die Protagonisten war der Montagabend aber immer eine Vollkatastrophe. Der Samstagabend hat jetzt auch ein Alleinstellungsmerkmal. Von daher glaube ich, dass sich dieser Termin etablieren wird.“

Ohne die Aufsteiger Bochum und Greuther Fürth abwerten zu wollen – ist die zweite Liga inzwischen attraktiver als die erste?

„Die Traditionsvereine, die in der zweiten Liga spielen, sollten sich bewusst sein: Sie haben in der Vergangenheit etwas falsch gemacht – und Bochum und Fürth haben es gut gemacht. Aber die Attraktivität der zweiten Liga ist schon höher, weil auch das riesige Fanpotenzial der Vereine diese Liga bunt und vielfältig macht. Und wenn du auch noch einen relativ ausgeglichenen Wettbewerb hast, den ich so in der ersten Liga nicht sehe, dann ist klar, dass sich die Leute vielleicht eher den spannenderen Zweitligafußball anschauen.“


Sie sind seit mehr als einem Jahr Sportvorstand in Nürnberg. Können Sie sich vorstellen, noch mal auf den Trainerposten zurückzukehren?

„Ich brauchte nach 20 Jahren Trainerdasein einfach einen neuen Impuls für mich. Und als die Anfrage aus Nürnberg kam, war das genau die Chance auf diese Veränderung. Und das nicht mit über 60, sondern mit Mitte 50, wo du dich noch fit genug fühlst, um diese Veränderung anzugehen. Jetzt muss ich sagen: Es macht mir sehr sehr viel Spaß. Ich habe einen großen Gestaltungsspielraum, habe sehr gute Mitstreiter wie Olaf Rebbe an meiner Seite, habe einen sehr talentierten Trainerstab gefunden. Ich würde es nie ausschließen, noch einmal auf der Trainerbank zu sitzen. Aber im Moment ist es nicht vorstellbar.“

Mit Ihrem Ex-Klub Hannover sind Sie noch nicht fertig, haben Sie mal gesagt.

(lacht) Ich glaube, in Nürnberg ist man sehr zufrieden mit mir. Wenn irgendwann mal die Zeit kommen sollte und ich frei wäre, dann kann man immer auf mich zugehen. Aber im Moment ist das sicherlich ausgeschlossen.“

Letzte Frage: Wie geht’s am Samstag aus?

„Ich glaube, dass es ein gutes Spiel werden wird, weil Hannover auch Fußballspielen will. 96 benötigt jeden Punkt, wir wollen unbedingt gewinnen. Es wird ein enges Spiel werden und ich hoffe einfach, dass wir unseren Weg weitergehen und auch dieses Spiel gewinnen.“



Must Read

Bundesregierung hat keine Infos zur aktuellen Impfquote

Berlin. Das Bundesgesundheitsministerium hat nach eigenen Angaben keine Informationen darüber, wie hoch die Impfquote in medizinischen Berufen ist. Das...

Außenhandelspräsident Jandura warnt vor Reisebeschränkungen: „Wären eine Katastrophe“

Frankfurt/Berlin. Risk-off und Perfect Storm – das sind die zwei Buzz­­words, die die Lage an den Finanz­märkten gut beschreiben,...

VfB-Profi Borna Sosa erklärt Siegtor gegen Mainz 05: „Jeder denkt, ich wollte die Flanke machen…“

50 Bundesliga-Spiele lang musste Borna Sosa auf einen Treffer warten - im 51. Anlauf war...

Darsteller der vier Beatles stehen fest

Los Angeles. Für den geplanten Spielfilm über den legendären Beatles-Manager Brian Epstein stehen laut einem Medienbericht die Darsteller der vier...

Das Kalenderblatt am 27. November – was ist heute passiert?

Berlin. Das aktuelle Kalenderblatt für Samstag, den 27. November 2021: Was geschah heute, wer wurde geboren, wer ist gestorben? Die Ereignisse in der...