Start day-news Neuer Landrat in Nordwestmecklenburg zu seinem Sieg: Das war Teamarbeit

Neuer Landrat in Nordwestmecklenburg zu seinem Sieg: Das war Teamarbeit


Viele Glückwünsche erreichen Tino Schomann nach seinem Wahlsieg gegen Kerstin Weiss (SPD). „Ich kann es kaum glauben und eine große Last fällt von mir ab“, sagt er erleichtert kurz nach 20 Uhr. Da steht fest: Den Sieg kann ihm keiner mehr nehmen.

Der Wahlkampf sei anstrengend gewesen, der Erfolg seinen Helfern zu verdanken. „Meiner Familie und meinem großartigen Wahlteam, man ist nur so gut wie sein Team“, betont der neue Landrat von Nordwestmecklenburg. Bislang führt er seinen eigenen Landwirtschaftsbetrieb. Das wird er künftig nicht mehr tun, auch Bürgermeister der Gemeinde Blowatz kann er nicht mehr bleiben. „Das tut mir weh, weil wir viel erreicht haben, aber als Landrat setze ich mich für alle Gemeinden im Kreis – also auch für Blowatz.“

Siegessicher ist Tino Schomann nicht gewesen, obwohl er beim ersten Wahlgang die meisten Stimmen geholt hat. Am Tag der Stichwahl war er wie immer früh auf den Beinen und musste viele Stunden zittern – während der Wahltag so ablief:

„Das war die 100. Stimme“, berichtet Wahlhelferin Martina Glöde um 11 Uhr in der Sporthalle des Gerhart-Hauptmann-Gymnasiums in Wismar und macht für eine junge Dame einen Strich auf ihrer Liste. 100 Wähler in drei Stunden – das ist nicht viel. Aber: Es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen. Trotz Muttertag und Sonntagssonnenwetter.

Wahlen bedeuten Demokratie

„Zu DDR-Zeiten sind wir zur Wahl gezwungen worden, da war es Pflicht“, erzählt Brunhilde Wilinski (62) nach ihrer Wahlentscheidung. „Jetzt haben wir wirklich die Wahl und sollten sie auch nutzen! Das Wahlrecht ist ein hohes Gut, was wir verteidigen sollten.“ Gerade am Tag nach dem 8. Mai, dem Tag der Befreiung, sollte den Menschen das besonders bewusst sein, wie wichtig und schützenswert die Demokratie ist. „Seit der Wende habe ich keine Wahl verpasst!“, ergänzt Brunhilde Wilinski.

Wenn man nicht wählt, kann man sich nachher nicht beschweren, dass die Falschen an der Macht sind. Andy Mischke (37) aus Wismar
Quelle: Nicole Hollatz

Auch für Familie Theiner ist der Wahlsonntag wichtig. „Mit meiner Stimme entscheide ich, was ich politisch richtig finde und welche Änderungen es geben soll“, begründet Jens Theiner (56) den Gang zum Wahllokal. „Damit der Mensch in das Amt kommt, den wir haben möchten“, ergänzt Veronika Theiner (52). Andy Mischke (37) ist mit seinem Töchterchen unterwegs, um seine Stimme abzugeben: „Damit man sich nachher nicht beschweren kann, dass die Falschen an der Macht sind, während man selbst nicht wählen war!“

Unruhe hat gestört

Elisabeth Meinhardt aus Grevesmühlen verrät nicht, wem sie ihre Stimme gegeben hat. „Aber ich weiß aus den Gesprächen mit Freunden und Bekannten, dass doch einige einen Neuanfang wollen. Ob es dann anders wird, das werden wir sehen“, ergänzt sie und sagt weiter: „Was mich gestört hat, war diese Unruhe in den vergangenen Wochen.“ Die Berichte über die Landrätin, auch die angeblichen Korruptionsvorwürfe, habe sie alle gelesen. Doch: „Mir wäre es lieber gewesen, wenn man sich über andere Dinge öffentlich geäußert hätte.“

In der Tankstelle der Stadt gibt es derweil eine Diskussion, ob der junge CDU-Politiker es am Ende besser machen würde als Kerstin Weiss. Das sei die große Frage, so einer der Kunden. Es sei schon etwas anderes, als Bürgermeister einer Gemeinde zu sein. Auf der anderen Seite habe die Landrätin in den vergangenen Wochen nicht gerade eine gute Figur in der Öffentlichkeit abgegeben.

Kommentar: An den Vorwürfen lag es nicht – Leute wollten Neuanfang

Blick ins Kandidaten-Amt

Angela Lange, Gemeindewahlleiterin und Leitende Verwaltungsbeamtin vom Amt Neuburg-Steinhausen
Quelle: Kerstin Erz

In den Wahllokalen der Gemeinde Neuburg ist die Wahlbeteiligung etwas niedriger als zur Hauptwahl. „Das war schon an der Briefwahl zu erkennen“, berichtet die leitende Verwaltungschefin und Gemeindewahlleiterin Angela Lange. „926 Briefe wurden verschickt, bis zum späten Sonntagvormittag waren 783 zurück.“ Vor zwei Wochen seien es mehr als 800 gewesen. „Wir haben Wahlbezirke mit hoher und andere mit niedriger Beteiligung. Das ist hier jedes Mal so, auch zu den Bundestagswahlen“, sagt Angela Lange. Während zur Bundestagswahlen 50 bis 60 Prozent der Wähler kommen würden, würden diesmal mehr als 30 Prozent sein. „Damit sind wir gut, zumal der Landtagskandidat aus unserem Amtsbereich kommt.“ Und: In diesem Jahr sei der Anteil der Briefwähler coronabedingt mit etwa 15 Prozent sehr hoch.

Mehr Briefwähler wegen Corona

Doris und Manfred Perten sowie Mutter Hannelore Koschmieder (85) sehen Wählen als ihre Bürgerpflicht an.
Quelle: Kerstin Erz

Eine Briefwählerin ist Janet Kuss (53). Sie springt mal eben aus dem laufenden Auto und steckt ihre Dokumente in den Briefkasten neben dem Eingang zum Amt Neuburg. „Ich habe die Briefwahl wegen Corona vorgezogen. Das hat sicher bedeutend mehr gekostet, all die vielen Briefe rauszuschicken. Aber wenn die Möglichkeit besteht, warum soll man sie nicht nutzen“, sagt sie und springt wieder in ihren Wagen.

Anica Kanz (41) hingegen ist mit ihrer ganzen Familie zur Wahl gekommen: „Ich habe eine Stimme und möchte sie auch nutzen“, sagt die junge Frau. „Sonst braucht man hinterher nicht mehr meckern.“ So denkt auch Frau Schmidt (70) aus Neuburg. Ehemann Siegbert (70) meint dazu: „Warum soll ich nicht wählen, ich ändere zwar sowieso nichts, aber ich verhindere vielleicht, dass die Falschen gewählt werden.“

Schön, dass sich junge Leute engagieren

Christine und Dierk Erpen (58 und 59 Jahre alt) finden es schön, dass sich auch junge Leute engagieren. Sie müsse man fördern. „Also gehen wir wählen, damit der Richtige unsere Stimme bekommt. Wir freuen uns, dass unser Kandidat in die Stichwahl gekommen ist“, betonen die Zwei.

Kerstin Minke (59) und Dietbert Elbe (65) aus Neuburg haben gewählt. „Wir leben erst seit zwei Jahren hier und mussten uns für die Wahl informieren. Die Schlammschlacht vorweg finden wir nicht fair. Deshalb wählen wir jetzt erst recht.“
Quelle: Kerstin Erz

„Man sollte Einfluss nehmen, wenn man die Möglichkeit hat“, meinen Doris und Manfred Perten. Auch für Kerstin Minke (59) und Dietbert Elbe (65) aus Neuburg ist es selbstverständlich, zur Wahl zu gehen. Sie wohnen erst seit zwei Jahren in Neuburg. „Wir finden es gut, wie hier regiert wird. Allerdings war die gesamte Art und Weise, wie die Amtsinhaberin vor der Wahl angekreidet wurde, absolut nicht in Ordnung. So etwas gehört in die normale Regierungsperiode. Vor der Wahl ist das unfair, aber leider sehr üblich, und deshalb wählen wir jetzt erst recht“, sagen sie. Alle vier Kandidaten hätten sie vorher nicht gekannt. „Deshalb mussten wir uns über sie belesen und hoffen, jetzt gut gewählt zu haben.“

Von Nicole Hollatz, Kerstin Erz, Michael Prochnow und Kerstin Schröder

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