Start day-news Neue Fußgängerzone am Brink – wie sie das Viertel spaltet

Neue Fußgängerzone am Brink – wie sie das Viertel spaltet


Die geplante autofreie Zone in der Kröpeliner-Tor-Vorstadt in Rostock spaltet die Betroffenen. Während Gastronomen sich über die Verkehrsberuhigung rund um den Brink freuen, sind Händler entsetzt über den Plan der Hansestadt. Die Betroffenen seien in ihren Augen nicht mitgenommen worden. Auch eine Umfrage der OZ zeigt: Die Rostocker sind uneins.

Bis Freitagmittag wurde bei der Online-Umfrage mehr als 2500 Mal abgestimmt. 49,6 Prozent der Teilnehmer wünschen sich eine autofreie KTV. 45,5 Prozent sind dagegen, 5 Prozent gaben an, sich nicht festlegen zu wollen.

Offener Brief von Händlern an Stadtverwaltung

Rostocks Bau- und Umweltsenator Holger Matthäus (Grüne) habe nach Meinung vieler Händler rund um den Brink einen Alleingang gemacht. Sie kritisieren in einem offenen Brief, dass eine Befragung der Öffentlichkeit zuvor abgelehnt wurde. Dazu gehören unter anderem Vanessa Stock vom Bekleidungsgeschäft „Haltstelle“, Antje Urban von der Adler-Apotheke und Familie Wöhlert vom Nähmaschinen-Geschäft.

Umfrage: Soll die Kröpeliner-Tor-Vorstadt in Rostock autofrei werden?

Sie befürchten zudem, dass auch der weitere Barnstorfer Weg und die Leonhardstraße autofrei werden sollen und schreiben sogar „stilllegen“. „Um so unverständlicher ist es für uns, dass wir als Unternehmer und auch Anwohner hintergangen werden, gerade jetzt, wo einige Läden sowieso schon nach monatelanger Schließung um jeden Kunden kämpfen müssen“, heißt es in dem Schreiben. Sie fordern den sofortigen Stopp der Maßnahme.

Rege Diskussion bei Facebook

Auch bei Facebook ist zum Thema eine rege Diskussion entbrannt. Karsten Weiß kommentiert unter anderem: „Das selektive Hören des Senators reagiert leider nur auf ‚autofrei‘, nicht jedoch auf die Forderung des Ortsbeirates nach Parkhäusern für die Pendler oder nach Bürgerbeteiligung vor der Umsetzung.“ Stattdessen werde ein Modellprojekt einer Fußgängerzone in der Hauptverkehrsachse Wismarsche–Doberaner gestartet, durch das die Fahrzeuge pünktlich zum Schulstart alle an der Margareten-Grundschule entlang fahren. „Ideologie auf Kosten der Kinder, richtig schlimm“, findet Karsten Weiß.

Anders sieht es Monika Schumacher: „Ich erinnere mich noch gut an das Geschrei und Gejammer vieler der Einzelhändler in Freiburg, als man beschloss, die Kaiser-Joseph-Straße für den Autoverkehr zu sperren. Ein Jahr später waren alle begeistert von dem Schritt, hat er ihnen doch erheblich mehr Umsatz gebracht. Einzig wichtig: Es muss im Außenbereich ausreichend Parkmöglichkeiten geben.“

Im rot markierten Bereich sollen künftig keine Autos mehr fahren dürfen.
Quelle: Arno Zill

Alexander Liebsch von der Jungen Union Rostock sieht zwar Potenzial, kommentiert aber: „Durch zentrale Parkhäuser und Ladezonen ist auf jeden Fall eine in Teilen autofreie KTV machbar. So ließen sich auf jeden Fall die Parkplätze aus den Straßen herausziehen, aber in den letzten Jahren wurden zentrale Parkhäuser ja immer wieder abgelehnt, wobei gerade konzentrierte Parkplätze vorteilhafter für den Wandel der Mobilität sind als Parkplätze auf jeder freien Fläche.“

Ab 1. Juli startet das autofreie Projekt rund um den Brink. Bis zum Herbst soll laut Verwaltung der Modellversuch laufen. Dann wolle man entscheiden, ob es eine dauerhafte Lösung sein kann oder die Autos zurückkehren.

Von Michaela Krohn

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