Start day-news MV: E-Bike, Lastenrad, Gravel Bike

MV: E-Bike, Lastenrad, Gravel Bike


Alle fahren aufs Rad ab: Das Vehikel erlebt in der Corona-Krise einen regelrechten Boom. Auch in Mecklenburg-Vorpommern satteln immer mehr Menschen auf. Zu Freude der Fahrradhändler. Ihnen beschert die große Nachfrage gute Geschäfte.

Erste Adresse in MV für alle, die sich ein neues Rad kaufen wollen, ist Bike Market. Der größte Radanbieter im Land betreibt einen Online-Shop und drei Läden – das Stammhaus in Rostock-Schutow sowie je einen Cube-Store in der Rostocker Innenstadt und in Schwerin. Viele Fahrräder seien schon verkauft, bevor sie überhaupt in den Laden gelangen, sagt Vertriebsleiter Jan-Philipp Boccacci. „Auf manche Modelle warten unsere Kunden bis zu zwölf Monate. Das Fahrrad ist ein heiß begehrtes Gut geworden.“ Er weiß, welche Trends in diesem Jahr besonders angesagt sind.

Hybrid für Radreisen

Zu den Rennern der Saison gehören demnach Gravel Bikes. Die „Schotter-Räder“ vereinen Sportlichkeit und Komfort, weil sie mit Extras wie griffigem Lenker und optional nachrüstbarem Gepäckträger sowohl fürs Gelände als auch für längere Strecken auf Asphalt geeignet sind. „Sie sind eine Mischung aus Renn- und Trekking-Rad und besonders beliebt bei Radreisenden“, erklärt Boccacci, „Der Trend ist aus den USA zu uns nach Deutschland geschwappt. In dem Segment verzeichnet der Markt gut 150 Prozent Steigerung.“

Gravel Bikes bringen zwar mehr Masse als ein klassisches Rennrad auf die Straße, fallen aber dennoch in die Kategorie Leichtgewicht. Und die ist schwer angesagt, so Boccacci. Beim Kundenliebling allerdings werden Extrakilos gern in Kauf genommen. „Lastenräder sind begehrt. Die Nachfrage geht förmlich durch die Decke. Sie sind auch als Leasingräder sehr beliebt“, sagt Boccacci.

Wiegt kaum mehr als acht Kilo. Cube-Store-Vertriebsleiter Jan-Philipp Boccacci zeigt ein sehr leichtes Cycle-Cross-Bike. Leichte Räder sind angesagt. Auch die beliebten Gravel Bikes gehören in diese Kategorie.
Quelle: Ove Arscholl

E-Bikes auf der Überholspur

Radtouren an der Ostsee statt Mittelmeer-Urlaub, und die Angst vor Ansteckungen im öffentlichen Nahverkehr – die Gründe für den Fahrradboom in Deutschland liegen in Corona-Zeiten auf der Hand. Auch das wachsende Umweltbewusstsein mache sich bemerkbar, sagt Rad-Experte Boccacci. Bei aller Liebe zur Natur: Bequem muss es dennoch sein. Die meisten Käuferinnen und Käufer entscheiden sich für ein E-Bike, auch wenn Herstellung der Akkus die Ökobilanz schmälert.

Ob Hobbyradler oder Berufsfahrer: Die meisten setzen auf Batterieantrieb. Selbst einstige Selbstläufer wie das Hollandrad lassen sich nur noch verkaufen, wenn sie motorisiert daherkommen, weiß Boccacci. Das Image des „Altherren-Untersatzes“ hätten E-Bikes hinter sich gelassen. „Alle Generationen fahren darauf ab.“ Die Vorteile liegen auf der Hand, meint er: Man komme bequem und ohne zu schwitzen von A nach B. „Perfekt für die Fahrt ins Büro.“ Dass sie sich mangels Power doch selbst abstramplen müssen, brauchen aber auch Langstreckenradlerinnen und -radler kaum befürchten. Die Akku-Reichweite habe sich in den vergangenen Jahren auf nunmehr gut 150 Kilometer verdoppelt, sagt Boccacci. „Und da wird künftig noch mehr gehen.“

Der Renner, nicht nur bei Familien mit Kleinkindern: Lastenräder seien auch als Leasingvehikel bei Firmen beliebt, sagt Jan-Philipp Boccacci.
Quelle: Ove Arscholl

Kundschaft lässt sich Komfort viel kosten

Mit E-Bikes haben Handel und Hersteller 2020 Rekordzahlen eingefahren. Nach Erhebungen des Zweirad-Industrieverbandes hatten von den verkauften 5,04 Millionen Rädern 1,95 Millionen einen E-Antrieb. Mittelfristig rechnet die Branche damit, dass jedes zweite neue Fahrrad einen Motor haben wird. Der Gesamtumsatz auf dem Radmarkt kletterte 2020 um 60,9 Prozent auf 6,44 Milliarden Euro. Während die Stückzahl der übrigen Fahrräder bei 3,1 Millionen nahezu stagnierte, erzielten die E-Bikes im Vergleich zum Vorjahr einen Zuwachs von 43 Prozent. Sie trieben auch den Durchschnittspreis für sämtliche Räder in der Jahresfrist um rund 300 Euro auf 1279 Euro. Im Handel wechselten E-Bikes zu einem Durchschnittspreis von fast 3000 Euro den Besitzer.

Ein neues Fahrrad, über alle Modellklassen hinweg, lassen sich Käuferinnen und Käufer im Schnitt 1000 Euro kosten, sagt Boccacci. Auch bei Extras zeigt sich die Kundschaft spendabel. Für Kleidung, Navis oder smarte Helme, deren integrierte Beleuchtung per App steuerbar ist, gehen Hunderte Euro über die Ladentheke.

Bahn frei für Radler

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) begrüßt zwar die „tolle Entwicklung“, dass im Krisenjahr 2020 so viele Menschen neu aufs Rad gestiegen seien. Die Infrastruktur könne da aber bei Weitem nicht mithalten, kritisierte Verkehrsexpertin Stephanie Krone: „Die Radwegenetze waren schon vor der Krise katastrophal, deshalb verschärfen sich jetzt die Probleme bei zunehmendem Radverkehr.“ Die Städte müssten jetzt das Fenster der Gelegenheit für den Ausbau der Radinfrastruktur nutzen. „Es ist so viel Geld wie noch nie vom Bund dafür da – und die Menschen gieren förmlich danach, mehr Rad zu fahren“, sagte Krone. Das werde auch mit der Corona-Pandemie nicht enden.

Rad wird zum Lifestyle-Objekt

Das Fahrrad hat sich vom praktischen Fortbewegungsmittel längst zum Lifestyle-Objekt gemausert. Auf Retro-Bikes und Co. zu cruisen ist angesagt, auf Instagram teilen stolze Radbesitzer Bilder ihrer oft individuell aufgemotzten Schätzchen. Vielen ist ein Rad allein nicht genug. Für die City, für die Berge, für die Landpartie – für jede Gelegenheit schaffen sie sich das passende Bike an. Auch Jan-Philipp Boccacci hat einen kleinen Privatfuhrpark. „Ich habe mir gerade mein fünftes Fahrrad gekauft.“ Wer bei der Vielfalt an Angeboten das richtige Rad für sich finden möchte, sollte in den Fachhandel gehen, rät er.

Der bevorstehende Frühling treibt die Verkaufszahlen weiter in die Höhe und beschert zugleich Werkstätten reichlich Arbeit. Viele holen nach der Winterpause jetzt ihre Räder aus den Kellern und wollen sie für die Saison flottmachen lassen, sagt Boccacci.

In vielen Werkstätten kann es zu langen Wartezeiten kommen. Auch im Bike Market müssten sich Kunden bis zu fünf Wochen gedulden, bevor die Profis reparaturbedürftige Räder saisontauglich gemacht haben, sagt Boccacci. Dafür geht’s anschließend umso schneller voran, das weiß auch der Radfachmann zu schätzen. „Bewegung an der frischen Luft ist gesund. Und ich habe immer ein Grinsen im Gesicht, wenn ich an Autofahrern, die im Stau stehen müssen, entspannt vorbeiradeln kann.“

Von Antje Bernstein

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