Start day-news Licht-Aus-Aktion Earth Hour trotz Corona – aber Vorsicht: Kerze als Klimakiller

Licht-Aus-Aktion Earth Hour trotz Corona – aber Vorsicht: Kerze als Klimakiller


Waren das noch Zeiten, als Ende März rund um den Erdball in jeder Zeitzone jeweils um 20.30 Uhr die Lichter ausgingen und die Menschen sich vor den dunklen Bauwerken versammelten. Dann war Earth Hour, die Stunde der Erde – eine Aktion, die seit 2007 Millionen Menschen in aller Welt darin einte, ein Zeichen für mehr Klima- und Naturschutz zu setzen.

Hunderttausende trafen sich an berühmten Gebäuden und bestaunten, wie diese plötzlich dunkel wurden: etwa das Brandenburger Tor in Berlin, der Chrysler-Wolkenkratzer in New York, der Shanghai Tower in China oder die Pyramiden von Gizeh in Ägypten. Massenansammlungen sind wegen der Corona-Pandemie nun erneut Folge tabu. Bereits im März 2020 wurden alle öffentlichen Veranstaltungen zu der Aktion abgesagt. Die Klima-Aktion gibt es aber trotzdem – dieses Jahr am 27. März.

An vielen Gebäuden wie dem Brandenburger Tor in Berlin wird auch dieses Jahr das Licht ausgeknipst, aber wegen der Corona-Maßnahmen ist das über Webcams im Fernsehen oder Online-Medien am besten zu verfolgen. „Wenn Sie planen, rauszugehen, halten sie sich bitte an die Regeln, tragen sie Masken und halten sie Abstand zu anderen“, bitten die Organisatoren auf ihrer Webseite.

So gewinnen private Aktionen wie heimische Dämmerstunden mehr Bedeutung. Der WWF schlägt etwa Dinner bei Kerzenlicht vor, warnt aber gleichzeitig vor dem möglichen Klimakiller Kerze. Die meisten handelsüblichen Exemplare seien aus dem Erdölprodukt Paraffin oder aus Stearinwachs, das Palmöl von einer Plantage enthalten kann, für die Regenwald abgeholzt wurde. Der WWF schlägt deshalb Kerzen aus Bienenwachs, Sojawachs oder Raps vor.

Die Idee zur Earh Hour wurde vor 14 Jahren in Australien von der Umweltstiftung WWF geboren. Heute sei die Earth Hour die größte weltweite Klima- und Umweltschutzaktion der Welt, sagt die Stiftung. Die Licht-Aus-Aktion könne ein Zeichen für die Energiewende, mehr Klimagerechtigkeit oder eine Zukunft ohne Klimakrise sein. In Deutschland beteiligen sich laut WWF mehr als 500 Städte. Da geht das Licht zum Beispiel an Rathäusern aus, an Kirchen, Museen und Schlössern – und in Flensburg auch an den Faultürmen des Klärwerks.

Die Organisatoren wollen zudem möglichst viele Interessierte an dem Abend auf ihre Kanäle in sozialen Medien locken. Sie haben unter anderem ein spektakuläres Video angekündigt, das dort gepostet werden soll, und hoffen, dass möglichst viele Menschen dies über ihre eigenen Kanäle teilen, damit es das meistgesehene Video der Welt wird. Das heißt, Handy und Computer abschalten gehört nicht zu den Empfehlungen.

Das Vergleichsportal Check24 verweist zur Earth Hour auf die Sparmöglichkeiten durch das komplette Abschalten von allen Elektrogeräten im Vergleich zum Ruhemodus. Das Vermeiden von Stand-by etwa bei Handys, Fernsehern oder Stereoanlagen könne viel Strom sparen, klimaschädliche CO2-Emissionen reduzieren und so den Planeten und das eigene Budget schonen. Nach einer Berechnung von Check24 verursachen Elektrogeräte im Ruhemodus jede Stunde etwa 1,2 Millionen Kilowattstunden.

Das komplette Abschalten der Geräte spart nach Angaben von Check24 Stromkosten von etwa 350.000 Euro pro Stunde und einen CO2-Ausstoß von 465 000 Kilogramm – oder vier Millionen Tonnen CO2 im Jahr.

„Im Jahr verschwenden Deutsche etwa zehn Milliarden Kilowattstunden Strom, um ihre Elektrogeräte im Stand-by-Modus zu betreiben“, teilt das Portal mit. „Das entspricht in etwa der Jahresleistung eines mittleren Kernkraftwerks. Dadurch entstehen vermeidbare Kosten in Höhe von drei Milliarden Euro.“


(tiw)

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