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Kampfzone Amazon (nd aktuell)


Werbung für eine starke Gewerkschaft vor dem Amazon-Standort in Bessemer, US-Bundesstaat Alabama

Werbung für eine starke Gewerkschaft vor dem Amazon-Standort in Bessemer, US-Bundesstaat Alabama

Berlin. Mit 800 000 Angestellten ist Amazon nach der Einzelhandelskette Walmart der zweitgrößte Arbeitgeber in den Vereinigten Staaten. Doch eine Gewerkschaftsvertretung gibt es – anders als hierzulande – in der Heimat des Onlineriesen noch nicht. Während es den technischen Mitarbeiter*innen noch relativ gut geht, ist die Lage der Beschäftigten in den Warenhäusern miserabel, weil sie leicht zu ersetzen sind. »In den USA sind sie besonders schwach, denn das arbeitsrechtliche Klima ist sehr gegen Gewerkschaften eingestellt, und die Krankenversicherung hängt von ihrem Arbeitsplatz ab«, sagt Tim Bray im nd-Interview. Bray war Vizepräsident von Amazon Web Services, der Cloudsparte des Onlinekonzerns, bis er vor einem Jahr kündigte. Der Anlass waren Kündigungen von Lagerangestellten.

Seitdem werde er im Konzern wohl als »Feind« angesehen, erzählt Bray. Er habe aber auch erstaunlich große Unterstützung bekommen. »Die Reaktionen waren zu 99,5 Prozent positiv. Das ist sehr interessant, denn es zeigt, dass die Menschen unzufrieden mit Amazon sind und generell mit ›Big Tech‹«, so Bray.

Unzufrieden sind die Amazon-Beschäftigten auch hierzulande. Am Sonntagabend rief die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi zu einem viertägigen Streik vor Ostern auf. Insgesamt rund 2000 Angestellte ließen Gewerkschaftsangaben zufolge ihre Arbeit ruhen. Von Protestaktionen an den Amazon-Standorten sah die Gewerkschaft angesichts der Pandemie ab, stattdessen riefen sie die Beschäftigten auf, zu Hause zu bleiben. Bestreikt werden sechs Standorten – darunter in Leipzig, Rheinberg und Bad Hersfeld.»Amazon verdient sich in der Coronakrise weiter eine goldene Nase. Schon deshalb muss die Tarifflucht dort beendet werden«, erklärt Orhan Akman von Verdi. Seine Gewerkschaft kämpft seit acht Jahren dafür, dass der weltweit größte Versandhändler die Flächentarifverträge des Einzel- und Versandhandels anerkennt.

Unterdessen scheint sich die Situation zu Ungunsten des Konzerns zu verändern. »Die öffentliche Meinung gegenüber den großen Technologieunternehmen hat sich in den vergangenen zehn Jahren dramatisch verändert«, berichtet der ehemalige Amazon-Manager Bray. Dies dürfte der Konzern dieser Tage vermutlich auch im US-Bundesstaat Alabama zu spüren bekommen. In einem dort angesiedelten Warenhaus fand eine Abstimmung über die Gründung einer Gewerkschaftsvertretung statt, deren Auszählung am Dienstag beginnt. Stimmen die 5800 Angestellten mehrheitlich für die Vertretung, endet damit die gewerkschaftsfreie Zeit von Amazon in den USA. nd Seite 15



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