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Jungs sammelten 312 Unterschriften für Skaterpark


Der 13-jährige Maximilian Bergmeier ist frustriert. Seit einem Jahr kann er wegen der Pandemie kein Fußball mehr spielen. Stand der Junge aus Kösterbeck sonst dreimal pro Woche auf dem Rasen, sitzt er jetzt fast nur noch zu Hause. Fünf Kilo hat der Schüler seit dem vorigen Jahr schon zugenommen.

Er hat allerdings noch ein zweites Hobby: Rollerfahren. Mit seinen Freunden Matthes Schuldt (13) und Pepe Maurice Rose (13) dreht er in Kösterbeck gern seine Runden. Aber das ist den Jugendlichen auf Dauer zu langweilig. „Ich bin dann einen Tag nach Hause gekommen und war richtig sauer, dass ich immer nur hier in der Gegend fahren kann und nicht in Rostock im Skaterpark“, erinnert sich Maximilian. Er wollte auch einen in der Nähe – am besten in Kösterbeck.

Am ersten Tag schon 100 Unterschriften zusammen

Seine Mutter Susanne Wunsch-Bergmeier (48) gibt ihm den Rat, sich mit einem Brief an den Roggentiner Bürgermeister zu wenden. „Wir haben dann überlegt, was wir machen können und hatten dann die Idee, Unterschriften zu sammeln“, sagt Pepe Maurice.

Am ersten Tag waren die drei Freunde vier Stunden in Kösterbeck unterwegs. Sie gingen von Tür zu Tür und baten die Anwohner um eine Unterschrift für einen Skatepark in der Gemeinde. Einhundert Unterschriften sind so zusammengekommen. „Einige haben uns auch nicht aufgemacht, weil sie Angst vor Corona haben oder wollten nicht unterschreiben, weil es wegen des Skaterparks zu laut werden könnte“, erinnert sich Maximilian.

Maximilian Bergmeier, Matthes Schuldt und Pepe Maurice Rose mit ihren Rollern.
Quelle: Stefanie Adomeit

Das Ergebnis sind 312 Unterschriften

Doch davon ließen sich die Schüler nicht abschrecken. Insgesamt waren sie zwei Wochen in Kösterbeck, Roggentin und Fresendorf unterwegs und haben so mehr als 300 Unterschriften gesammelt. „Welche, die unsicher waren, haben wir versucht zu überzeugen, dass das auch was für ihre Enkel wäre, wenn diese zu Besuch kommen“, erzählt Maximilian. Und so kamen letztlich insgesamt 312 Unterschriften zusammen.

Bisher waren die Jugendlichen im Skaterpark in Rostock. „Aber es ist blöd, dort hinzukommen, und mit dem Bus ist es auf Dauer auch zu teuer“, bedauert Maximilian. Und sein Kumpel Pepe Maurice sagt: „Wenn wir 14 Uhr erst Schulschluss haben, lohnt es auch nicht mehr, nach Rostock zu fahren.“ Der Park in der August-Bebel-Straße sei der Beste. „Wir waren auch schon in Dierkow, aber da haben wir uns nicht so sicher gefühlt“, erzählt Matthes. Und der im Barnstorfer Wald sei voller Scherben gewesen.

Gemeindevertreter stimmen für Skaterpark

Ihre gesammelten Unterschriften übergaben die drei dem Bürgermeister Henrik Holtz. „Wir haben das Vorhaben als sehr positiv empfunden. Da die Kinder den demokratischen Weg über die Unterschriften gegangen sind, haben sie eine gute Basis geschaffen, bei der die Gemeindevertretung mitgeht“, sagt das Gemeindeoberhaupt.

Und so befindet sich das Projekt „ein Skaterpark für Kösterbeck“ bereits in der Planung. Einen Standort gibt es auch schon. „Er wird neben der Tennishalle entstehen. Den Platz hatten die Jungs auch vorgeschlagen. Und er passt hervorragend in das Sportareal“, sagt Henrik Holtz. Dort sei ursprünglich sowieso eine Multifunktionssportanlage vorgesehen. Neben der Skateranlage sollen auch noch Basketballkörbe aufgestellt werden.

Nächstes Jahr soll die Anlage stehen

„Wie weit wir in diesem Jahr kommen, werden wir sehen“, sagt Bürgermeister Holtz. Er gehe aber davon aus, dass sie ab dem kommenden Jahr genutzt werden kann. Den drei Rollerfahrern ist die Skaterbahn so wichtig, dass sie schon überlegt hatten, wie sie finanziert werden kann. „Wir hatten überlegt, Geld zu sammeln, oder Schokoriegel zu verkaufen oder Gartenarbeit wie Rasenmähen anzubieten“, sagt Pepe Maurice. Auch Firmen wollten sie ansprechen, um Spenden oder Sponsoren zu bekommen. Darum brauchen sich die Jugendlichen aber erst einmal keine weiteren Gedanken machen. Für das gesamte ursprüngliche Projekt sind nach Angaben der Gemeindeverwaltung 250 000 Euro vorgesehen.

„Die Hoffnung war da, aber mit so einem Erfolg hätten wir nicht gerechnet“, sagen die drei glücklich. Im Sommer könne man dann endlich richtig lange draußen bleiben.

Von Stefanie Adomeit

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