Start day-news Groß Strömkendorfer wollen keine Surfer mehr: „Wir haben es satt“

Groß Strömkendorfer wollen keine Surfer mehr: „Wir haben es satt“


Ein Anlaufpunkt für den Wassersport – das möchte die Gemeinde Blowatz an einem Küstenabschnitt südwestlich von Groß Strömkendorf errichten. Aber: 87 Einwohner, und damit zwei Drittel der Dorfbewohner, wollen das Projekt nicht und haben ihren Protest mit einer Unterschriftenliste kundgetan. Die ist nun an Tino Schomann (CDU), den Noch-Bürgermeister der Gemeinde Blowatz und neuer Landrat von Nordwestmecklenburg, übergeben worden.

Beschlossen haben die Vertreter der Gemeinde Blowatz die Aufstellung des Bebauungsplanes mit dem Titel „Wassersportstelle Groß Strömkendorf“ im November 2020. Die Intention, so Schomann, sei es gewesen, den Wassersport auf dem circa einen Hektar großen Gebiet zu sichern. Denn der Abschnitt wird bereits seit vielen Jahren von Kitern und Surfern genutzt. Was für die Einwohner dagegen spricht? „Der Umwelt- und Naturschutz“, sagen sie.

Geschützte Arten und Lebensräume gefährdet?

Unterstützt werden die Menschen des Dorfes vom Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland. Dr. Andreas Schwienhorst ist Vorsitzender der zuständigen Ortsgruppe Salzhaff-Rerik und äußert seine Bedenken: „Die geplanten Anlagen und ihre Auswirkungen führen zu einer erheblichen Verschlechterung für viele geschützte Arten und ihre Lebensräume. Sie sind ohnehin schon in einem sehr schlechten Zustand.“ Seiner Meinung nach gebe es längst Alternativen für die Sportler, wie beispielsweise auf der Insel Poel bei Timmendorf.

„Wir haben genau an der Stelle, zwischen Redentin und dem Poeler Damm, eines der wichtigsten Rastareale im Winterhalbjahr. Das Surfen und Kiten verbietet sich genau an der Stelle eigentlich von allein“, findet Andreas Schwienhorst. Dem stimmen auch die 87 Dorfbewohner zu. „Wir haben es satt, dass die Surfer und Kiter die wichtigen lokalen Brut- und Rastvögel stören. Wir sind hier aufgewachsen und nehmen die Verantwortung für unsere Wat- und Seevögel sehr ernst“, betont er.

Einwohner sammeln Unterschriften

Auch in dem Aufstellungsbeschluss des Bebauungsplanes der Gemeinde Blowatz wird der Naturschutz thematisiert. Darin heißt es, dass es das Ziel sei, unter dem Aspekt des Küstenschutzes die Surfsportler an bestimmten Orten zu bündeln. Durch den geplanten Ausbau an dem vorhandenen Standort solle das im Sinne des Naturschutzes „ungeordnete“ Surfen an unter Naturschutz stehenden Küstenabschnitten unterbunden werden.

Aber außerdem steht dort: Vorgesehen sind ein Vereinsgebäude, Aufenthaltsraum und sanitäre Anlagen. Wie Tino Schomann betont, sollte nichts Neues gebaut werden, sondern dabei handele es sich um den Container, der dort bereits steht. „Es soll lediglich eine Parkgelegenheit geschaffen werden, damit die Surfer ihre Fahrzeuge nicht mehr oben im Dorf abstellen müssen.“ Versiegelt werden sollte die Fläche auch nicht.

Andreas Schwienhorst kennt das Gebiet gut und habe schon einige Erfahrungen mit den hiesigen Surfern gemacht: „Seit zehn Jahren heißt es, dass man die Sportler lenken will. Wir haben vieles probiert. Zeitweise das Gebiet sogar entgegen dem Naturschutz erweitert und es hat nie funktioniert. Die Surfer schauen, wie der Wind steht. Danach suchen sie sich die Spots aus und nicht danach, wo ein tolles Zentrum steht.“ Hinzu käme, dass ein Wassersportzentrum weitaus mehr Sportler anlocken würde als bislang. Und diese seien zumeist Urlauber und Ortsfremde.

Freiwillige Vereinbarung für Wismarbucht

Dabei wurden bereits vor mehr als 15 Jahren Regeln für einen umweltfreundlichen Wassersport in der Wismarbucht vereinbart. Zurückzuführen ist die „Freiwillige Vereinbarung Naturschutz, Wassersport und Angeln“ auf eine solidarische Einigung in den neunziger Jahren. Andreas Schwienhorst hat ausgiebig recherchiert und weiß, dass das Umweltministerium damals große Teile der Bucht als Naturschutzgebiet ausweisen wollte.

„Dagegen haben sich diverse Segelvereine mächtig gewehrt, weshalb diese freiwillige Vereinbarung getroffen worden ist“, so Schwienhorst. Deswegen sei die Vereinbarung zwischen 26 Wassersport- und Anglervereinen sowie dem Ministerium und dem Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt solidarisch getroffen worden. „Darin liegt auch das Problem. Es sind freiwillige Regeln, an die sich niemand halten muss“, sagt er.

Naturschutzgebiet und Regelwerk gefordert

Deshalb heißt die Forderung: Es soll keine Wassersportstelle entstehen und die Surfer sollen ganz weg. Stattdessen „muss man das Areal als Naturschutzgebiet ausweisen und dann muss die Landesregierung sich mit dem Bundesverkehrsministerium zusammensetzen und Befahrensregeln festlegen“, so Andreas Schwienhorst. Dennoch gehe er davon aus, dass das Projekt vorerst durchgehen könnte.

Tino Schomann nimmt die Sorgen der Anwohner ernst und sagt: „Noch ist nichts entschieden.“ Es seien erste Pläne gewesen, die nun von der Gemeindevertretung genau abgewogen werden. Im folgenden offiziellen Verfahren könnten Bedenken und Stellungnahmen eingereicht werden.

Von Lena-Marie Walter und Kerstin Schröder

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