Start day-news Gartenkünstler in Vorpommern für Pflanzung von Blutbuchen

Gartenkünstler in Vorpommern für Pflanzung von Blutbuchen


Herrenhäuser sind dank ihrer großen Zahl in Vorpommern geradezu ein Markenzeichen der Region. Zu ihnen gehören Wirtschaftsgebäude sowie Parks und Gärten als Teil der Denkmalensembles. Ihre Erhaltung steht häufig weit weniger im Fokus.

Zu Unrecht, gerade das 19. Jahrhundert war nicht nur eine Blütezeit des Herrenhausbaus, sondern auch der Parkkultur. Es entstanden neue Anlagen, ältere wurden zu Landschaftsparks umgestaltet und erweitert. Im Vorpommern des 19. Jahrhunderts waren bedeutende preußische Gartenbaukünstler wie Peter Joseph Lenné (1789–1866), Ferdinand Jühlke (1815–1893) und Johann Heinrich Gustav Meyer (1816–1877) tätig.

Parks wurden nach dem Krieg teilweise zerstört

Die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg haben den meisten Anlagen zugesetzt, von manchen blieben nur Reste. Es wurden Bäume zur Brennholzgewinnung gefällt, später Kleingärten, Sportplätze, Freilichtbühnen angelegt oder sogar Häuser gebaut. In den letzten Jahren erhalten die Parks glücklicherweise mehr Aufmerksamkeit. Es gibt Anstrengungen zur Wiederherstellung und Erhaltung.

Es ist ein Zeichen dieser Wertschätzung, dass das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege „Blutbuchen – Gartenkunst im Zeichen des Klimawandels“ als Thema des Denkmals des Monats März ausgewählt hat. Blutbuchen sind eine Mutation der Rotbuche. Im Frühjahr ist ihr Laub feurig rot. In Vorpommern gibt es stattliche alte Bäume. Im Gutspark von Wietzow bei Jarmen etwa steht eine Blutbuche mit einem Stammumfang von über fünf Metern. Sie rangiert damit in der Liste der Rekordbäume der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft ganz oben.

Joseph Peter Lenné ließ Blutbuchen pflanzen

Im Raum Jarmen stehen ferner in Plötz, Kartlow und Neetzow stattliche Blutbuchen, die ab Mitte des 19. Jahrhunderts gepflanzt wurden. Die Gestaltung der Parks in Neetzow und Kartlow erfolgte nach Planungen Joseph Peter Lennés. Dieser Gartenkünstler zeichnete auch für den Gutspark Behrenhoff bei Greifswald verantwortlich, in dem ebenfalls Blutbuchen stehen. Auch in den Rügener Gutsparks Streu und Pansevitz gibt es über 150 Jahre alte Blutbuchen.

Lehrbuch der schönen Gartenkunst vorbildlich

Laut Caroline Rolka, Professorin für Geschichte der Gartenkunst und Gartendenkmalpflege in Neubrandenburg, wurden die Gärten dieser Zeit in landschaftlich sehr reizvollen Lagen angelegt. Um das in der Regel erhöht stehende Gutshaus breitete sich der Garten wie ein „unregelmäßig geformter Teppich aus …, es gab geschwungene Wegeverläufe, kleinere Parkarchitekturen in den Parks, naturhaft geformte Teiche und eine üppige Vegetation.“ Die Anlagen folgen vielfach Gestaltungsvorstellungen des 1860 erstmals erschienen Lehrbuches der schönen Gartenkunst von Gustav Meyer.

Semlow zeigt Gestaltungsvorstellungen Gustav Meyers

Die Pflanzung einer Buche, oft auch Blutbuche „purpuea“, war demnach ein wichtiges Gestaltungsmerkmal. Sie wurde wie etwa in Broock im Tollensetal direkt am Herrenhaus (nicht mehr vorhanden) gepflanzt. Meyer begründete die Wahl dieser Bäume mit ihren weit ausladenden Kronen, deren Blätter im Herbst verschiedene brillante Färbungen durchmachten. Die Buchen dienten als zusätzliche Markierung des Gutshauses.

Blutbuchen sollten selbstständig und wohlgeordnet gepflanzt werden, regte Gustav Meyer an. Einer der wenigen bis heute gut erhaltenen Parks dieses Gartenkünstlers befindet sich in Semlow. Er wurde 1851 bis 1855 angelegt und ist etwa 22 Hektar groß. Die genannten Gestaltungsmerkmale lassen sich beim Besuch in Semlow gut nachvollziehen, auch eine Blutbuche ließ Meyer pflanzen.

Stralsunder Brunnenaue mit größter Blutbuche der Stadt

Im 19. Jahrhundert gepflanzte Blutbuchen stehen indes nicht nur in Gutsparks. Auch der Pfarrer von Schmarsow nahe Jarmen wertete sein Wohnhaus gewissermaßen durch eine Blutbuche auf. Bei der Gestaltung der Stralsunder Brunnenaue nach 1847 unter Leitung des Kaufmanns Ernst Billich zur Park- und Gartenanlage wurden ebenfalls Blutbuchen verwendet. Diese Bäume waren laut der Gartenhistorikerin und Gründerin der Stralsunder Akademie für Gartenbau und Landschaftskultur, Angela Pfennig, wie Trauerbuchen, Säuleneichen und Trauerweiden charakteristische Gestaltungselemente dieser Zeit. Die alte Blutbuche in der Brunnenaue gehört zu den prägenden Gehölzen der Anlage und ist mit 3,90 Meter Umfang eines der stärksten Stralsunder Bäume.

In Greifswald steht das schönste Exemplar im Botanischen Garten

„Die mit Abstand schönste Blutbuche steht im Botanischen Garten“, schätzt Thoralf Weiß für Greifswald ein, der für das Arboretum der Universität verantwortlich ist. „Sie gehört wahrscheinlich noch zur Gartenanlage des Aktiengartens und wurde um 1863 gepflanzt.“ Der Botanische Garten wurde erst 20 Jahre später in die Fettenvorstadt verlegt. Dafür kaufte die Universität ein Ausflugslokal, den Aktiengarten. 1884 begannen Rodungen und Neupflanzungen, wenige Bäume – wie offenbar die Blutbuche – blieben stehen. Sie ist ein Zeuge, dass Meyers Anregungen auch in Gärten von Gaststätten befolgt wurden.

Prof. Schütt mit Gesellschaft unter der Blutbuche im Botanischen Garten in Greifswald. Die Auifnahme entstand um 1910.
Quelle: Institut für Botanik und Landschaftsökologie

Für Greifswald verweist Thoralf Weiß auf zwei weitere alte, große Blutbuchen, erstens auf dem Gelände der früheren Baumschule Eldena aus den 1880er-Jahren (heute Kindergarten) und eine weitere auf dem Gelände des sowjetischen Friedhofs Ecke Fleischerstraße/Bahnhofstraße nahe dem 1870 eingeweihten Gymnasium. Sie könnte aus einer Spende Ferdinand Jühlkes 1877 an den Greifswalder Verschönerungsverein stammen, so Weiß. Die Zahl der Blutbuchen in der Universitätsstadt habe in den letzten Jahren abgenommen. „Während früher in fast jedem Garten eine Blutbuche gepflanzt wurde, wird sie heute kaum noch gepflanzt“, schätzt Weiß ein.

Denkmalpflege fordert Anstrengungen für Erhalt

Um die eindrucksvollen Bäume zu retten, ist Hilfe nötig. Denn den Buchen macht der Klimawandel zu schaffen. „Damit ergeben sich neue Herausforderungen bezüglich der Bewahrung dieser Denkmalsubstanz, die es als Zeugnisse unserer Zivilisation in ihrer Materialität und Bildwirkung zu erhalten gilt, denn besonders die oftmals sehr alten Buchen verweisen auf den hohen authentischen Originalwert in den vielen historischen Gärten des Bundeslandes“ sagt Caroline Rolka. Nachzupflanzen sei schwierig, weil junge Gehölze kaum noch anwachsen.

Von Eckhard Oberdörfer

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