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Ende des Jahres sollte in Kuba die Pandemie im Griff sein (nd aktuell)


Ende des Jahres sollte in Kuba die Pandemie im Griff sein

Wie unterstützt die Schweiz die kubanische Impfstoffentwicklung und die Impfkampagne?

Den kubanischen Gesundheitssektor unterstützen wir seit beinahe zwei Jahrzehnten über die Nichtregierungsorganisation Medi-Cuba. Für die Bekämpfung von Covid-19 haben wir 2020 Extramittel organisiert. Nachdem die ersten Studien für die kubanischen Impfstoffe jetzt erfolgreich waren, haben wir noch zusätzliche Mittel mobilisieren können: rund 700 000 US-Dollar öffentliche Mittel der Schweiz im Zeitraum 2020 bis 2021 und noch einmal 800 000 Dollar von Medi-Cuba auch aus Deutschland und anderen Ländern.

Wofür werden die Mittel verwendet?

Kuba plant, mit den Geldern vor allem Spritzen und die Nadeln für die Impfkampagne gegen Covid-19 zu kaufen. Sie sprechen von sechs Millionen Spritzen und Nadeln. Das heißt, rund ein Drittel der Bevölkerung könnte mit dieser Unterstützung geimpft werden. Die Mittel stehen bereit; sie müssen eigentlich nur noch ausgezahlt werden. Die Überweisung ist allerdings schwierig wegen der Blockade und des Wirtschaftsembargos durch die USA.

Wie schätzen Sie Impfstoffe und Impfkampagne in Kuba ein?

Vielleicht zuerst die gute Nachricht: Kuba hat tatsächlich ein gutes Know-how entwickelt. Eben weil sie aufgrund der Blockade und der Mangelwirtschaft immer wieder gezwungen waren, eigene Produkte zu entwickeln. Gerade auch Impfstoffe für andere übertragbare Krankheiten werden seit Jahrzehnten auf Kuba entwickelt. Dieses Grund-Know-how hat geholfen, auch Impfstoffe gegen Covid-19 zu entwickeln. Einer dieser Impfstoffe, Soberana 02, ist jetzt in der dritten Phase (klinischer Studien, d. Red.) und wird flächendeckend (in Havanna, d. Red.) ab Mai geimpft. Kuba spricht selbst von vergleichbarer Wirksamkeit wie bei Impfstoffen in Europa und der Welt. Also das ist sehr positiv.

Negativ ist, dass die Kubaner von der Versorgungslage – auf gut deutsch gesagt – auf dem letzten Loch pfeifen. Wenn sie jetzt breitflächig die ganze Nation impfen wollen, heißt das noch lange nicht, dass sie dafür genügend Inputs, genügend Zusatzmittel haben. Das wird ein wirklicher Kampf sein, diese Mittel bereitzustellen, um die ganze Nation zu impfen.

Kuba will 100 Millionen Dosen Impfstoff herstellen. Ist das vor dem Hintergrund der angesprochenen Engpässe realistisch?

Die Nadeln, Behälter und Spritzen sind erst mal für die nationale Impfkampagne von Bedeutung. Aber die Kubaner selbst brauchen ja keine 100 Millionen Impfdosen. Sie wollen die Impfstoffe exportieren, haben auch schon Vorbestellungen, beispielsweise aus Argentinien. Wenn der Impfstoff einmal entwickelt ist, braucht es relativ wenig Zutaten, um ihn herzustellen. Ich denke, die schaffen das, die 100 Millionen Dosen herzustellen.

Welche Rolle spielt die US-Blockade?

Sie ist grundsätzlich schon ein Hindernis. Gerade unter der vorherigen Administration Donald Trumps wurden die Einschränkungen noch einmal sehr verschärft, und das betrifft eben auch essenzielle Importe für die Impfungen. Von daher ist es ein zusätzliches Hindernis, aber es ist nicht so, dass es nicht zustande kommen wird. Die Herstellung der Impfstoffe wird etwas verlangsamt und geht vielleicht auch nicht so perfekt, aber sie wird zustande kommen, davon bin ich überzeugt.

Was bringt Kuba ein eigener Impfstoff?

Kuba wird fähig sein, die eigene Bevölkerung mit einem eigenen Impfstoff zu impfen. Ich will nicht zu optimistisch sein, aber bis Ende des Jahres sollte die Pandemie im Griff sein. Das ist sehr positiv. Dass Kuba die Impfstoffe auch exportieren will, finde ich sehr gut – nicht nur, weil das Land Einnahmen braucht, sondern auch, weil es damit gerade in Lateinamerika vielen etwas sehr Gutes erweisen kann. Das nächste Ziel ist natürlich, den Tourismus und den Impftourismus anzukurbeln. Und ich denke auch, da wird es eine Resonanz geben.

Sie haben den Impftourismus angesprochen: Wie realistisch ist dieses Szenario eigentlich? Kommt das angesichts der überall bereits laufenden Impfungen nicht zu spät?

Gerade Länder mit weniger Ressourcen bekommen derzeit noch fast keinen Impfstoff – auch von den internationalen Kampagnen nicht. Die kriegen nicht, was versprochen wurde, weil die Industrieländer eben doch zuerst an sich selbst denken. Und wie wir selber wissen: In Deutschland oder der Schweiz gibt es gegenwärtig noch nicht genügend Impfstoff. Und von daher kommt der kubanische noch zur »rechten« Zeit. Gerade in Lateinamerika wird es für viele Länder ein sehr willkommener Impfstoff sein, aber auch für viele Länder in Afrika. Der Impftourismus ist für mich eher ein Nebenprodukt. Es macht vielleicht unter dem Strich Sinn, aber ist nicht matchentscheidend.



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