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ein monumentaler Tempel der Kunst


Paris. Kunsttempel – wenn der Ausdruck für einen Ort passt, dann für diesen. Die einstige Handelsbörse von Paris mit ihrer runden Glaskuppel im bebend schlagenden Herzen der französischen Hauptstadt, direkt neben der größten Metrostation Châtelet, ist zum neuesten Kunstzentrum der Stadt geworden. Der Louvre ist in Gehnähe, das Centre Pompidou mit seinen bunten Röhren von Weitem zu sehen. Schon aus architektonischer Sicht lohnt sich der Besuch. Aber nicht nur.

Einer der reichsten Männer Frankreichs, der Großindustrielle François Pinault, präsentiert hier Teile seiner privaten Samm­lung, die er über Jahrzehnte hinweg aufgebaut hat. Ihr Wert wird insgesamt auf rund 1,2 Milliarden Euro geschätzt. Dazu gehören Werke etablierter Künstler wie Jeff Koons oder David Hammons ebenso wie von Nachwuchstalenten – etwa dem jungen Deutschen Florian Krewer, dessen Bilder Jugendszenen voller Bewegung zeigen.

Renovierung der Handelsbörse kostete 160 Millionen Euro

Gleichzeitig mit der Wiedereröffnung der Kultureinrichtungen in Frankreich am Wochenende nach der monatelangen pandemiebedingten Schließung begann der Betrieb der Pinault Collection. Damit wird Paris nach der Fondation Cartier und der Fondation Louis Vuitton von Pinaults Erzrivale, dem Multimilliardär Bernard Arnault, um eine weitere Privatsammlung reicher – und bereichert.

Das neue Pariser Museum des französischen Milliardärs François Pinault liegt zwischen dem Louvre und dem Centre Pompidou. © Quelle: Sabine Glaubitz/dpa

Gründete Pinault den Luxuskonzern Kering mit Marken wie Gucci oder Saint Laurent, so gehören Arnault über seinen LVMH-Konzern (Louis Vuitton Moët Hennessy) Modehäuser wie Louis Vuitton und Givenchy. Nun verfügen beide über einen Ort in der französischen Metropole, um ihre Kunstschätze zu zeigen. Das denkmalgeschützte Gebäude der Handelsbörse hat die Stadt für 50 Jahre an Pinault vermietet. Er trug auch die Kosten für die mehrjährige Renovierung in Höhe von rund 160 Millionen Euro.

Wie schon bei Pinaults Kunstzentren in Venedig, dem Palazzo Grassi und der Punta della Dogana, beauftragte er erneut den japanischen Architekten Tadao Ando mit der behutsamen Umgestaltung des Bauwerks aus dem 18. Jahrhundert. Andos Hauptidee ist spektakulär und minimalistisch zugleich: Er setzte einen Betonzylinder von neun Metern Höhe und mit einem Durchmesser von 30 Metern unter die Glaskuppel, der den Ausstellungsort strukturiert. Es handelt sich um einen Kreis in dem Rondell „wie bei einem Baum, bei dem in jedem Wachstumsjahr ein neuer Ring hinzukommt“, sagt Martin Bethenod, Generaldirektor der Pinault-Museen. Die beeindruckende, 140 Meter lange Freske an der Decke blieb bestehen.

Im Museum werden 50 Werke von 32 Künstlern gezeigt. © Quelle: imago images/IP3press

Werk des Schweizers Urs Fischer schmilzt langsam

Ein besonderes Verhältnis zur Zeit hat auch das monumentale Werk des Schweizers Urs Fischer im Hauptsaal der Eröffnungsausstellung. Seine Replik von Giambolognas „Raub der Sabinerinnen“ besteht aus Wachs und wird durch angebrachte Dochte langsam schmelzen, bis sie in sechs Monaten verschwunden ist – in diesem „Prozess der kreativen Zerstörung“, wie Bethenod ihn nennt, ist die Kunst so vergänglich wie das Leben. Das gilt auch für die anderen Ausstellungsstücke im Raum, darunter ein Gartenstuhl, eines der meistverkauften Modelle weltweit als Symbol der Standardisierung des Geschmacks, Flugzeugsitze, die für die Globalisierung stehen, und eine lebensgroße Nachbildung des Malers Rudolf Stingel, von dem großformatige Porträtbilder in einem der anderen Ausstellungssäle zu sehen sind.

Besitzt Pinault insgesamt mehr als 10.000 Werke von fast 600 Künstlern, so werden zunächst rund 150 Werke von 32 Künstlern gezeigt und von Zeit zu Zeit ausgetauscht. Erkennbar ist das Bemühen des 84-jährigen Sammlers, eingetretene Wege zu verlassen, mit einer sehr persönlichen und zugleich originellen Auswahl zu erstaunen. aufzurütteln. Dass das gelingt, liegt nicht zuletzt an der hervorragenden Wahl des Ausstellungsortes.

Bourse de Commerce – Pinault Collection. 2 Rue de Viarmes, Metro Châtelet – Les halles. Geöffnet täglich von 11 bis 19 Uhr, freitags 11 bis 21 Uhr, dienstags geschlossen. Gratis am ersten Samstag im Monat von 17 bis 21 Uhr. Eintritt: 14 Euro, ermäßigt 10 Euro.

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