Start day-news Baustelle an Ecke Anklamer/Walther-Rathenau-Straße: Bauherr hofft auf Fertigstellung

Baustelle an Ecke Anklamer/Walther-Rathenau-Straße: Bauherr hofft auf Fertigstellung


Wenn nur das Geld da wäre, könnte Steffen Gerstmann sein Langzeitprojekt in wenigen Monaten abschließen. Das Wohn- und Geschäftshaus an der Ecke Anklamer/Walther-Rathenau-Straße dürfte viele interessierte Mieter finden, sobald es denn fertig wird. Acht Jahre dauert der Bau mit Unterbrechungen mittlerweile. Gerstmanns Freizeit und eigenes Geld fließen in Greifswalds langsamste und wohl auch mutigste Baustelle.

Der Fortschritt ist in Anbetracht der Hintergrundgeschichte beachtlich. Steffen Gerstmann ist Fliesenleger, wohnt in der Nähe von Jarmen und übernahm die Baustelle 2014, ohne zu wissen, worauf genau er sich einlässt. Das hat mit der Geschichte des ursprünglichen Investors zu tun, der das Projekt auf wackeligen Füßen ins Leben gerufen hatte.

Unternehmer Werner Riedelsheimer ging das Geld aus

Werner Riedelsheimer kündigte 2009 den Bau des Wohn- und Geschäftshauses auf dem Eckgrundstück Anklamer Straße an. Für die Finanzierung setzte er auf mehrere Geldgeber, die Wohnungen bereits kauften, bevor der erste Kran sich drehte. Er überzeugte Menschen wie Steffen Gerstmann, die auf eine gute Wertanlage hofften. Doch letztlich wurden alle Investoren enttäuscht.

Wäre Riedelsheimer kein sympathischer Mann gewesen, wäre er nie so weit gekommen, schätzt Gerstmann ein. „Der konnte reden. Riedelsheimer konnte auch einem Mann einen BH verkaufen“, beschreibt er überspitzt dessen Vermögen, andere zu überzeugen. Eine andere gern erzählte Geschichte ist die, dass ein Gerichtsvollzieher bei Riedelsheimer Geld eintreiben wollte. Am Ende des Gesprächs habe der Gerichtsvollzieher Riedelsheimer Geld geliehen, sagt Gerstmann.

Das Wohn- und Geschäftshaus an der Ecke Anklamer/Walther-Rathenau-Straße befindet sich seit 2013 im Bau.
Quelle: Christopher Gottschalk

2013, vier Jahre nach der ersten Ankündigung, ging der Bau tatsächlich los. Doch aus den von Riedelsheimer behaupteten sieben Monaten Bauzeit sind mittlerweile acht Jahre geworden. Nach wenigen Wochen stoppte die Arbeit. Riedelsheimer sprang 2014 trotz Ankündigungen, den Bau voranzutreiben, ab, als das Geld ausging. Vorher waren bereits mehrere seiner Firmen pleite gegangen. Ein Insolvenzverfahren gegen ihn wurde vom Amtsgericht in Stralsund abgelehnt, weil bei Riedelsheimer nichts zu holen war. Heute soll der Mann in Kanada leben. Fliesenleger Gerstmann wollte sich 2014 nicht damit abfinden, seine Investition abzuschreiben und übernahm den unfertigen Rohbau.

Sechsstellige Summe fehlt für Fertigstellung

Doch es geht voran: Die Kabel sind verlegt, Schallschutzfenster auf vier Etagen des fünfgeschossigen Hauses mit Staffelgeschoss eingesetzt. Nur im Erdgeschoss fehlen die Fenster noch. Das Haus ist trocken, das Dach dicht, doch es stehen einige Arbeiten an. Es muss gemalert werden. Die Fassade muss verputzt und ein Fahrstuhl eingebaut werden, Klempnerarbeiten stehen noch aus. Wann all das geschieht und womöglich erste Mieter einziehen, das ist offen. Eine sechsstellige Summe brauche Gerstmann, um alle Arbeiten finanzieren zu können, sagt der 54-Jährige.

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Gerstmann ist von der Qualität und der Zukunft des Hauses überzeugt. „Hören Sie mal“, sagt er beim Gespräch in der ersten Etage. Draußen rauscht der Verkehr vorbei, doch durch die Schallschutzfenster dringt kaum ein Laut herein. Be- und Entlüftungsanlagen sowie Klimaanlagen wolle er in die insgesamt zehn Wohnungen einbauen. Die Wände sind mit Kalksandstein ausgestattet, der gute Schallschutzeigenschaften hat. „Ich baue hier nicht 08/15“, sagt Gerstmann. Doch im Erdgeschoss liegen Geschäftsräume, die einem anderen Unternehmer gehören. Wie es dort mit den Arbeiten weitergeht, werde sich zeigen und ist derzeit unklar, so Gerstmann. Er und der Mann seien in Gesprächen.

Steffen Gerstmann will nicht aufgeben

Der Gedanke, das Projekt einfach sein zu lassen, käme zwar manchmal, sagt er. „Aber ich gebe doch nicht auf. Ich will das fertig haben – das ist meine Rente.“ Verkaufen? „Das wäre doch jetzt in diesem Zustand Quatsch“, erwidert Gerstmann. Er will den Kopf nicht hängen lassen. Eine Bank habe ihm Bedingungen aufgezeigt, die er für einen Kredit erfüllen müsste. Ob tatsächlich Geld fließt, weiß Gerstmann nicht. Fest steht nur, dass er weitermachen will.

Autor: Christopher Gottschalk

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