Start day-news Auf diese Wahlkreise blickte Deutschland: Lauterbach triumphiert, Maaßen scheitert

Auf diese Wahlkreise blickte Deutschland: Lauterbach triumphiert, Maaßen scheitert


Berlin. 299 Wahlkreise gibt es bei der Bundestagswahl 2021 – einige davon lagen ganz besonders im Blickpunkt des Interesses. Wer tritt künftig Merkels Erbe im Wahlkreis 15 an? Wer gewinnt im direkten Aufeinandertreffen von Olaf Scholz (SPD) und Annalena Baerbock (Grüne)? Das RedaktionsNetzwerk (RND) zeigt Ergebnisse aus den Kreisen, auf die Deutschland am Sonntag besonders aufmerksam schaute.

Wahlkreis 1 – Flensburg-Schleswig

Seit 2009 gewinnt die CDU regelmäßig im Wahlkreis I. Sowohl bei den Erst- als auch bei den Zweitstimmen lag die Partei im Norden in den vergangenen zwölf Jahren bei den Bundestagswahlen vorn. In diesem Jahr muss sie das Direktmandat an die Grünen abtreten. Grünen-Chef Robert Habeck holte 28,1 Prozent der Erststimmen – und lag damit deutlich vor Unions-Kandidatin Petra Nicolaisen (23,4 Prozent).

Wahlkreis 7 – Pinneberg

Ex-SPD-Bundesvize Ralf Stegner zieht als Direktkandidat im Wahlkreis Pinneberg in den Bundestag ein. Der 61-Jährige setzte sich bei der Bundestagswahl nach Angaben des Kreises mit 31,27 Prozent gegen den CDU-Bundestags-Abgeordneten Michael von Abercron durch. Dieser hatte dort 2017 die Nase vorn gehabt, kam am Sonntag auf 26,07 Prozent der Erststimmen.

Die Partei, die bei Bundestagswahlen den Wahlkreis Pinneberg gewinnt, hat über Jahrzehnte auch den Bundeskanzler gestellt. Stegner hatte im Vorfeld erklärt: „Der einzige Wahlkreis in Deutschland mit einer Hochseeinsel, dem roten Felsen von Helgoland, und eben der einzige, für den seit 1953 gilt: Wer den Wahlkreis gewinnt, dessen Partei erobert auch das Kanzleramt.“

Wahlkreis 14 – Rostock – Landkreis Rostock II

Der Spitzenkandidat der Linken für die Bundestagswahl, Dietmar Bartsch, hat im Wahlkreis 14 Rostock – Landkreis Rostock II das Direktmandat verpasst. Der bisherige Fraktionschef seiner Partei im Bundestag erhielt 18,2 Prozent der Erststimmen, wie am frühen Montagmorgen auf der Homepage der Landeswahlleiterin veröffentlicht wurde. Seine SPD-Konkurrentin Katrin Zschau kam auf 27,0 Prozent und löste damit das Ticket für Berlin. Sie ist Geschäftsführerin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Mecklenburg-Vorpommern. Der CDU-Politiker Peter Stein, 2017 noch Gewinner im Wahlkreis und damit per Direktmandat im Bundestag, kam dieses Mal nur auf 17,0 Prozent.

Wahlkreis 15 – Vorpommern-Rügen – Vorpommern-Greifswald I

Die CDU tritt im Wahlkreis 15 nicht das Erbe von Angela Merkel an, sondern hat schwere Verluste einfahren müssen. Der Unionskandidat Georg Günther lag bei den Erststimmen mit 20,4 Prozent deutlich hinter SPD-Kandidatin Anna Kassautzki (24,3 Prozent) und nur knapp vor AfD-Kandidat Leif-Erik Holm (19,9 Prozent). Die CDU holt bei den Erststimmen damit über 20 Prozentpunkte weniger als noch vor vier Jahren, als Merkel für die Union auf dem Wahlzettel stand.

Wahlkreis 16 – Mecklenburgische Seenplatte I – Vorpommern-Greifswald II

CDU-Kandidat Philipp Amthor muss im Kampf um das Direktmandat im Wahlkreis Mecklenburgische Seenplatte I – Vorpommern-Greifswald II gleich zwei anderen Bewerbern den Vortritt lassen. Der 28-Jährige landete mit 20,7 Prozent der Stimmen deutlich hinter den Kandidaten von AfD und SPD. Enrico Komning (AfD) kam demnach auf 24,3 Prozent der Stimmen, SPD-Bewerber Eric von Malottki auf 24,8 Prozent.

Amthor war froh, dass der Wahlkreis nicht an die AfD ging, wie die „Ostsee Zeitung“ am Abend berichtete. „Das wäre nicht nur ein schlechtes Aushängeschild für die Region, sondern auch ein echter Ballast für konkrete Sachpolitik“, sagte er.

Wahlkreis 61 – Potsdam – Potsdam-Mittelmark II – Teltow-Fläming II

Olaf Scholz gegen Annalena Baerbock – auf dieses Duell richteten sich die Blicke im Wahlkreis 61 – am Ende entschied es der SPD-Kanzlerkandidat deutlich für sich, er zieht als Abgeordneter für den Wahlkreis Potsdam – Potsdam-Mittelmark II – Teltow-Fläming II in den Bundestag ein. Scholz kam auf 34,0 Prozent der Erststimmen, wie der Landeswahlleiter Brandenburg im Internet mitteilte. Auf dem zweiten Platz in dem Promi-Wahlkreis lag Baerbock mit 18,8 Prozent. Die frühere CDU-Landeschefin Saskia Ludwig, die Abgeordnete im Bundestag und im Landtag ist, erreichte mit 13,8 Prozent den dritten Platz.

Wahlkreis 100 – Rheinisch-Bergischer Kreis

Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner hat bei der Bundestagswahl erneut ein Direktmandat deutlich verfehlt. Der 42-Jährige kam am Sonntag im Rheinisch-Bergischen Kreis (Nordrhein-Westfalen) nach Auszählung von 308 von 309 Stimmbezirken auf 16,8 Prozent – und landete damit auf dem vierten Platz. Als Spitzenkandidat seiner Partei zieht er über die Landesliste dennoch in den Bundestag ein.

Das Direktmandat in dem Wahlkreis nahe Köln gewann erneut der CDU-Politiker Hermann-Josef Tebroke mit 30,0 Prozent. SPD-Kandidat Kastriot Krasniqi kam auf 22,7 Prozent, Grünen-Kandidat Maik Außendorf erlangte 18,0 Prozent. Das Unwetter mit andauerndem Starkregen hatte im Juli auch im Gebiet des Rheinisch-Bergischen Kreises erhebliche Schäden verursacht.

Wahlkreis 101 – Leverkusen – Köln IV

Der SPD-Politiker Karl Lauterbach holt sich das Direktmandat für den Wahlkreis Leverkusen – Köln IV mehr als deutlich und bleibt damit im Bundestag. Der Gesundheitsexperte, der durch die Corona-Pandemie deutschlandweit präsent ist, erreichte bei der Bundestagswahl 45,6 Prozent der Erststimmen. Die CDU-Kandidatin, die nordrhein-westfälische Integrations-Staatssekretärin Serap Güler, kam auf 20,4 Prozent. Lauterbach war bei der SPD auf einem hinteren Listenplatz gelandet, er bleibt durch sein Direktmandat aber im Bundestag. Er hatte vor der Wahl bereits Interesse daran bekundet, der nächste Bundesgesundheitsminister zu werden. Güler hatte Lauterbach bereits kurz vor Mitternacht via Twitter beglückwünscht: „Es war ein fairer Wahlkampf, den er klar gewonnen hat.“

Wahlkreis 157 – Görlitz

AfD-Bundeschef Tino Chrupalla hat sein Direktmandat bei der Bundestagswahl im Wahlkreis Görlitz verteidigt. Nach Angaben der Landeswahlleitung bekam der 46-Jährige am Sonntag 35,8 Prozent der Erststimmen. Absolut waren es 53 971 Stimmen für den Malermeister. 2017 hatte er für eine Überraschung gesorgt, als er dem heutigen sächsischen Regierungschef Michael Kretschmer (CDU) sein Direktmandat entriss. Chrupalla bekam damals 49 834 Stimmen (32,4 Prozent), Kretschmer 48 256 (31,4).

Wahlkreis 182 – Frankfurt am Main I

Linken-Co-Parteichefin Janine Wissler ist Wahlkreis Frankfurt am Main I bei den Erststimmen auf dem fünften Platz gelandet. Das Direktmandat gewann der SPD-Kandidat Armand Zorn.

Wahlkreis 196 – Suhl – Schmalkalden-Meiningen – Hildburghausen – Sonneberg

Ex-Bundesverfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen (CDU) ist mit seiner Kandidatur für ein Direktmandat im Bundestag deutlich gescheitert. Der umstrittene CDU-Politiker kam nach Auszählung aller Stimmen im südthüringer Wahlkreis 196 Suhl – Schmalkalden-Meiningen – Hildburghausen – Sonneberg auf 22,3 Prozent der Erststimmen, sein SPD-Kontrahent, der Olympiasieger und Ex-Biathlon-Bundestrainer, Frank Ullrich, holte das Direktmandat mit 33,6 Prozent der Erststimmen.

Maaßen war in Südthüringen zum CDU-Kandidaten gewählt worden, nachdem der bisherige CDU-Bundestagsabgeordnete Mark Hauptmann im Zuge der sogenannten Maskenaffäre seine Ämter niederlegen musste. Gegen Hauptmann ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Bestechlichkeit.

Wahlkreis 244 – Nürnberg Nord

Die Transgender-Frau Tessa Ganserer hat über die Liste der bayerischen Grünen aller Voraussicht nach den Einzug in den Bundestag geschafft. Sie stand auf Listenplatz 13 der bayerischen Grünen, die nach Hochrechnungen 13,9 Prozent eingefahren haben. Ganserer sitzt seit 2013 im bayerischen Landtag. Im November 2018 outete sie sich öffentlich als transsexuell.

Im Wahlkreis Nürnberg-Nord lieferte sich Ganserer am Sonntag ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der SPD-Kandidatin Gabriela Heinrich um Platz zwei hinter Sebastian Brehm (CSU). Ganserer kam schließlich auf 22,6 Prozent der Erststimmen, Heinrich auf 21,9 Prozent. Ganserer sagte dem BR, sie habe ein „super Ergebnis“ eingefahren, das sei ein Zeichen für eine offene und tolerante Gesellschaft.

Wahlkreis 293 – Bodensee

Die AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel hat bei der Bundestagswahl nach Auszählung aller Stimmen in ihrem Wahlkreis ein einstelliges Ergebnis erzielt. Die 42-Jährige holte am Sonntagabend im Wahlkreis Bodensee 8,96 Prozent. Als Erstplatzierte der AfD-Landesliste kann Weidel erneut in den Bundestag einziehen.

Das Direktmandat in dem Wahlkreis sicherte sich der CDU-Kandidat Volker Mayer-Lay mit 30,21 Prozent der Stimmen. Leon Hahn (SPD) erreichte 21,15 Prozent, Maria Heubuch (Grüne) 17,35 Prozent und Christian Steffen-Stiehl (FDP) 12,25 Prozent.

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