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Zwillinge aus ganz Deutschland treffen sich in Rostock


Selbst stocknüchterne Passanten sahen am Wochenende in der Rostocker Innenstadt doppelt. Dutzende Doppelgänger-Paare mit gleicher Kleidung, Frisur und Aussehen bummelten am 9. Oktober durch die Kröpeliner Straße. Grund für den außergewöhnlichen Auflauf war keine optische Täuschung, sondern ein Zwillingstreffen mit insgesamt 80 eineiigen Geschwister-Duos aus ganz Deutschland.

Schwager-Geschwister: Doris und Hans Rahm (v. l.) mit Heidi und Peter Rahm aus der Nähe von Zürich.
Quelle: Ove Arscholl

Auch aus Österreich war ein Geschwisterpaar angereist und aus der Schweiz kam sogar ein Doppelpack: Heidi und Doris Rahm mit ihren Männern Hans und Peter. Die beiden Zwillingsschwestern (57) aus der Nähe von Zürich hatten vor 35 Jahren die beiden neun Jahre älteren Zwillingsbrüder kennengelernt – bei einem Zwillingstreffen. Liebe auf den ersten Blick sei es nicht gewesen, „wir haben uns das erarbeitet“, sagt Hans Rahm mit einem Lächeln. Geheiratet wurde selbstverständlich im Doppelpack. Seitdem nehmen die vier jährlich an einem halben Dutzend Treffen teil, Hans und Peter reisten dazu sogar schon in die USA. Beim Rostocker Treffen, dass seit 2007 alle zwei Jahre stattfindet, sind die Schweizer immer dabei.

Wie eine zweite Familie

„Es ist wie eine zweite Familie“, sagt Astrid Gotthard von der Insel Rügen. Von ihrer Schwester Martina Ullrich, die in Schwerin lebt, unterscheidet sie äußerlich so gut wie nichts – gleiche Frisur, gleiche Brille, gleiche Kleidung, gleicher Schmuck. Die beiden 58-jährigen Verkäuferinnen wuchsen zusammen in Parchim auf, mit 21 Jahren gingen sie eigene Wege, heirateten und zogen weg. Aber der enge Draht blieb erhalten. Es sei wichtig, die andere immer in der Nähe zu wissen, sagt Martina Ullrich. „Wegziehen aus MV kommt nicht in Frage.“

Gründer des dreitägigen Events sind die Schwestern Traudi Ruch aus Bentwisch bei Rostock und Rosi Denzien (beide 69) aus Rostock. Zwillinge verbinde mehr als die äußere Ähnlichkeit, erklärt Traudi Ruch. Untereinander herrsche eine große Offenheit. „Wenn ich andere Zwillinge kennenlerne, ist man sich meistens sofort sympathisch“, sagt sie. Diese Gemeinsamkeit schaffe eine lockere Atmosphäre. Als der DJ am ersten Abend des Treffens erst mal entspannte Musik auflegen wollte, protestierten die Geschwisterpaare. Schließlich spielte er doch etwas Schnelleres. „Die Tanzfläche war sofort voll“, sagt die Bentwischerin.

Telepathische Fähigkeiten bei Zwillingen? Blödsinn.

Zwillinge aus dem deutschsprachigen Raum trafen sich am Wochenende in Rostock.
Quelle: Ove Arscholl

Dass Zwillinge telepathische Fähigkeiten haben, es beispielsweise körperlich spüren, wenn der oder die andere einen Unfall hat, „ist kompletter Blödsinn“, meint die Schwerinerin Martina Ulrich. Allerdings gebe es eine sehr starke, innere Nähe, wie zu kaum einem anderem Menschen. Deswegen sei es ihr wichtig, getrennt zu wohnen und ein eigenes Leben zu führen.

Der Zwilling wird mitgeheiratet

„Für Ehepartner ist das nicht immer einfach“, sagt Trude Ruch. Denn irgendwie ist der Zwilling immer ein bisschen präsent, der werde quasi mitgeheiratet. Manche Ehen scheitern, weil die Partner mit dieser Situation nicht zurechtkommen. Sie und ihre Schwester, deren Mann vor drei Jahre starb, hatten damit nie Probleme. Sie fuhren stets alle gemeinsam in den Urlaub und jetzt zu dritt. „Mein Mann bekommt dann die Aufbettung“, sagt Trude Ruch und lacht. Die Schwestern telefonieren täglich miteinander, länger währenden Streit gebe es nie. Kleidung kaufen sie stets gemeinsam ein. Was dazu führt, dass sie manchmal das Gleiche anhaben, wenn sie sich treffen, ohne das vorher geplant zu haben.

Rosi Denzien arbeitet noch drei Tage die Woche bei einem Bürotechnikhandel, vor allem um unter Leute zu kommen. Die nächsten drei Rostocker Zwillingstreffen wollen sie auf jeden Fall noch organisieren. „Dann sind wir 75“, sagt Rosi Denzien. Vielleicht machen sie danach noch weiter. Das werden die Schwestern gemeinsam entscheiden – sehr wahrscheinlich ohne vorher lange diskutieren zu müssen.

Von Gerald Kleine Wördemann

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