Start day-news Wölfe in der Hauptstadt? Rudel tobt sich einen Kilometer vor Berlin aus

Wölfe in der Hauptstadt? Rudel tobt sich einen Kilometer vor Berlin aus



Ein Wolfsrudel lebt vor Berlin und das so nah wie nie zuvor, sagen Experten. Doch eigentlich sind die Bedingungen dafür gar nicht Mal so gut.

Berlin – „Das Revier ist eigentlich viel zu klein für ein Wölf in der 4500 Hektar großen Döberitzer Heide direkt vor den Toren Berlins“, sagt Nora Künkler, Sprecherin der Heinz Sielmann Stiftung. Und dennoch machte ein Fotograf vor rund zwei Wochen eine erstaunliche Entdeckung: Ein Wolfsrudel hat sich am Rande des Berliners Bezirk Spandau niedergelassen, insgesamt ist von sechs Tieren die Rede.

Naturpark Döberitzer Heide
Landschaftseinheit Nauener Platte
Eingerichtet 1997
Größe 4500 Hektar

Rund 10 Kilometer Luftlinie zum Berliner Olympiastadion oder 20 Kilometer zum Brandenburger Tor, die Entfernung zum Großstadt-Leben ist verschwindend gering. Die zwei Elterntiere und vier Welpen seien seit der Begegnung mit dem Fotografen immer wieder gesichtet worden. Am Dienstag bestätigte das Landesumweltamt das. Laut der Heinz Sielmann Stiftung ist es das erste Mal, dass Wölfe so nah an Berlin leben. Vielerorts in Deutschland siedeln sich wieder immer mehr Wölfe an, so zum Beispiel auch im Landkreis Diepholz.

Wolfsrudel vor Berlin lebt unweit der A20 und keine 30 Kilometer vom Alexanderplatz entfernt

Aber auch von schnell befahrenden Straßen leben die Wölfe vor Berlin nicht fern. Für Schutz sei jedoch gesorgt – denn in Niedersachsen sind 2021 beispielsweise mehr Wölfe gestorben als noch im Vorjahr. In der Döberitzer Heide könnten die Wildtiere demnach weitgehend ungestört von Menschen sein – denn zu Begegnungen zwischen Wolf und Mensch kommt es immer wieder. Das Areal, in dem sich die Tiere niedergelassen hätten, sei ein umzäuntes Gebiet mit einer Größe von rund 1800 Hektar. In den Zäunen seien Wildklappen, die dafür sorgen, dass Tiere nicht auf die umliegende Autobahn 10 und die Bundesstraßen 2 und 5 laufen.

Hirsch und Wolf in der Döberitzer Heide: Immer mehr Wildtiere siedeln sich vor Berlin an.

© dpa/Ingolf König-Jablonski

Auf die Wölfe reagierte das Landesnatur Amt mit mehreren Maßnahmen. Zum einen habe man den Zaun auf Schlupflöcher überprüft. Zudem habe man auf Zäune mehr Storm gegeben und die Wildklappen seien überprüft worden. Das hat man wohl auch in Staffhorst getan, aber dort kam es zu einem mutmaßlichen Wolfsangriff am helllichten Tag.

Wolf eher geringes Problem für Landwirte

Landwirte mussten bereits einige Wildrisse durch den Wolf in der Region hinnehmen, überwiegend stelle der Wolf jedoch kein Problem für die Tierbestände dar, weil genug Nahrung durch Wildtiere für den Wolf im Gebiet der Döberitzer Heide vorhanden sei. Zudem hätten bereits viele Landwirte ein ausreichendes Zaunsystem in der Region.

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Heinz Sielmann Stiftung: Schäfer respektieren Schutz des Wolfes

Doch Schäferinnen und Schäfer reagieren ohnehin gelassen auf die Wölfe in der Region: „Die Schäfer respektieren den Schutz des Wolfes und versuchen sich auf die neue Situation einzustellen“, sagte Künkler von der Heinz Sielmann Stiftung. In Niedersachsen hingegen schlagen viele Schäfer Alarm in Sachen Wolfs-Rückkehr. Bereits jedes zehnte Tier wird bereits illegal getötet.

Die Stiftung schreibt: „Der Wolf gehört in Deutschland als Baustein zum ökologischen Gesamtsystem. Unter anderem sorgt er für einen gesunden Wildbestand“. Die Rückkehr des Wolfes sei demnach ein Erfolg für den Artenschutz. Einige Politikerinnen und Politiker hingegen fordern sogar Obergrenzen für Wölfe. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © dpa/Ingolf König-Jablonski

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