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Wie sieht die Zukunft der Impfzentren aus?


Berlin. Die Hausarztpraxen verimpfen inzwischen mehr Corona-Vakzindosen als die Impfzentren. Den Arztpraxen würden derzeit rund drei Millionen Impfdosen von Biontech und Astrazeneca pro Woche zur Verfügung stehen, sagte ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Ab Juni wird sich diese Menge voraussichtlich erheblich steigern.“

In der letzten Maiwoche kommen nach Angaben des Gesundheitsministeriums 540.000 Dosen des Johnson-&-Johnson-Vakzins für die Betriebs- und Hausarztpraxen hinzu. Die Impfzentren erhalten bundesweit aktuell wöchentlich nur noch 2,25 Millionen Impfstoffdosen.

Bund und Länder planen dem Ministeriumssprecher zufolge, weiterhin die Impfzentren in Betrieb zu halten. Wegen der bisherigen Priorisierung von Zielgruppen und der zunächst weiter begrenzten Anzahl an Impfstoffdosen sei die Durchführung der Impfungen in Impfzentren und mit mobilen Teams weiterhin sinnvoll sowie ein zentraler Bestandteil der nationalen Impfstrategie. Wegen des Beratungsbedarfs soll der Astrazeneca-Impfstoff zunehmend in den Hausarztpraxen verimpft werden, während die Impfstoffe von Biontech und Moderna noch mehr als bisher in den Impfzentren genutzt werden sollen.

Impfzentren noch bis mindestens September

Auch der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen rechnet damit, dass die Impfzentren weiter geöffnet bleiben. „Ich gehe fest davon aus, dass wir die Impfzentren noch bis mindestens September benötigen werden“, sagte der Bundestagsabgeordnete dem RND. „Wir hatten über die letzten Wochen einen sehr starken Anstieg der Erstimpfungszahlen, seit die Hausarztpraxen in die Impfkampagne eingestiegen sind.“ Jetzt würde man hierzulande in eine Plateauphase einbiegen, weil sämtlicher Impfstoff sowie die Kapazitäten der Termine bei den Hausärzten und Hausärztinnen benötigt werden, um alle Zweitimpfungen durchzuführen.

„Es wird dazu kommen, dass wir zusätzliche Kapazitäten in Impfzentren sowie bei Betriebs- und Fachärzten nutzen müssen, um in der Impfkampagne voranzukommen“, fügte Dahmen hinzu, der auch Mediziner ist. Sobald die Impfzentren nicht mehr für die aktuelle Kampagne genutzt würden, sollten sie aber nicht geschlossen werden, fordert Dahmen. „Ich plädiere dafür, die Struktur der Impfzentren – auch wenn wir sie irgendwann nicht mehr benötigen – in einem Stand-by-Modus beizubehalten.“

Zur Begründung sagte Dahmen: „Erstens für den Fall, dass wir Auffrischungsimpfungen benötigen und zweitens, falls es zu Mutationen kommt, die gegen bestimmte Impfstoffe resistent sind und sehr viele Menschen plötzlich wieder andere Impfstoffe benötigen“, sagte der Grünen-Politiker. „In diesen Fällen wäre es gut, wenn wir mit der Impfstruktur nicht wieder bei null anfangen müssten, sondern die Impfzentren reaktivieren könnten.“

Unter den Medizinerinnen und Medizinern herrscht Uneinigkeit

Der Kassenärztechef Andreas Gassen hat sich dagegen ausgesprochen, die Impfzentrenstruktur beizubehalten. „Warum ein Vorschlag aus der Politik kommt, (…) Impfzentren dauerhaft am Netz zu halten, erschließt sich uns nicht wirklich“, teilte der Mediziner in einer Pressekonferenz bereits am Mittwoch mit. „Die personellen Ressourcen haben wir gar nicht.“ Viele der Kollegen, die in Impfzentren arbeiten, seien niedergelassene Ärzte, die das nebenberuflich machen würden.

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RKI: Anteil der Corona-Variante B.1.617 liegt bei zwei Prozent.

Bei der Verbreitung der als besorgniserregend eingestuften Coronavirus-Varianten in Deutschland hat es leichte Verschiebungen gegeben.  © dpa

Doch mitunter gibt es Ärztinnen und Ärzte, die den Ansturm aktuell bereits nicht bewältigen können. „Zahlreiche Hausarztpraxen melden sich vom Impfsystem wieder ab“, berichtete der Vorsitzende des Hausärzteverbandes Nordrhein, Oliver Funken, der „Rheinischen Post“. Schon jetzt liefen die Telefone in den Praxen heiß, sodass die Hausärztinnen und Hausärzte zunehmend Schwierigkeiten bei der Regelversorgung hätten.

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