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Wie gut ist Stralsund vorbereitet? 


Der Müllflut soll Einhalt geboten werden, zumindest etwas. Mehrere Einwegplastikprodukte werden ab dem 3. Juli in der Europäischen Union verboten: Trinkhalme, Rührstäbchen, Luftballonstäbe und Einweg-Geschirr aus konventionellem Plastik sowie aus sogenanntem Bioplastik. Das Verbot gilt auch für Getränkebecher zum Mitnehmen und Wegwerf-Behältern aus Styropor. All das darf in der EU nicht mehr produziert und in den Handel gebracht werden. Für die Hersteller, in Deutschland sind es mehr als 100, gibt es allerdings eine Übergangsfrist von zwei Jahren. Zudem darf der Handel abverkaufen, was er noch auf Lager hat.

Auch in Stralsund ist das Verbot ein Thema. Denn die Ausgabe von Einweg-Geschirr auf großen Veranstaltungen war der Stadt schon länger ein Dorn im Auge. Nun wollte Thomas Würdisch (SPD) auf der jüngsten Sitzung der Stralsunder Bürgerschaft von der Verwaltung wissen, wie die Alternativen zu den Wegwerf-Produkten aussehen. Als Leiterin des Amtes für Schule und Sport, bei dem auch das Klimaschutzmanagement der Stadt angesiedelt ist, übernahm Sonja Gelinek (SPD) das Antworten.

Wallensteintage mit Mehrweglösungen

„Bei städtischen Veranstaltungen werden Aussteller und Anbieter in den Vertragsbedingungen darauf hingewiesen, ausschließlich Mehrwegbehälter anzubieten.“ Zudem werde bei Veranstaltungen, die die Stadt in Auftrag gibt, wie etwa die Wallensteintage, der Veranstalter vertraglich ebenfalls auf den Einsatz von Mehrwegsystemen hingewiesen. Heißt: Teller, Tasse und Co. aus robustem Material anbieten, reinigen und erneut verwenden. In welcher Form – das können sich die Anbieter selbst überlegen.

Dass dahinter keine große Wissenschaft steckt, dürfte Gästen bereits von den Weihnachtsmärkten bekannt sein, bei denen Glühwein in Keramik-Tassen ausgeschenkt wird, für die ein Pfand bezahlt werden muss. Nicht nur dort hat sich das Mehrwegprinzip durchgesetzt. Die Hansestadt habe bereits im Jahr 2019 in Kooperation mit dem Tourismusverband Rügen und anderen über das Projekt „Weniger fürs Meer“ 13 Standorte in Stralsund bei der Einführung des Mehrwegbecherpfandsystems Recup unterstützt, führte Gelinek aus.

Pfandpflicht wird ausgeweitet

320 000 Einweg-Becher für Heißgetränke werden laut Angaben der Bundesregierung stündlich in Deutschland verbraucht. Allein 2017 hätten Einweg-Geschirr und To-go-Verpackungen fast 350 000 Tonnen Abfall ausgemacht. Mehrwegsysteme schonen hingegen die Umwelt. Beispielsweise können Mehrweg-Flaschen bis zu 50-mal verwendet werden.

Ab dem kommenden Jahr wird die Pfandpflicht ausgeweitet. Sie soll für Einweggetränkeflaschen aus Kunststoff mit bis zu drei Litern gelten, ab 2024 auch für Plastikflaschen mit Milchgetränken. Ab 2025 müssen PET-Einweg-Getränkeflaschen mindestens 25 Prozent Recycling-Plastik (Rezyklat) enthalten.

Recup und Rebowl im Angebot

Diese vielfach benutzbaren Becher gibt es deutschlandweit in Cafés, Bäckereien und McDonald’s-Filialen. Das Prinzip: Beim Kauf eines Coffee-to-go wird ein Euro Pfand für den Becher gezahlt. Dieser kann in jedem teilnehmenden Laden wieder abgegeben oder neu befüllt werden.

In Stralsund macht etwa das Geschäft Bio-Insel im Hauptbahnhof mit. „Der Recup-Becher wird sehr gut angenommen. Bei uns gibt es gar keine anderen mehr“, sagt Stephanie Enke. „Wir mussten sie schon mehrmals nachbestellen.“ Sie schätzt, dass zurzeit zehn bis 15 Stück täglich über den Tresen gehen. Als noch Touristen kommen durften, sei es ein Vielfaches mehr gewesen. „Wir finden das Prinzip so gut, dass wir nun auch Rebowls anbieten“, erzählt Enke. Also Mehrwegschalen für Suppen. Pfand: fünf Euro.

Noch ist Überzeugungsarbeit nötig

Die hätte gerne auch René Küther von der Backfactory Stralsund im Programm, denn auch er ist überzeugt vom Mehrwegsystem. In den Rebowls könnten die Kunden ihre Snacks transportieren und so auf Tüten verzichten. „Allerdings sind diese Schalen gerade nicht lieferbar“, sagt er. Also bleibe es vorerst bei den Bechern. Für die ist zum Teil noch Überzeugungsarbeit notwendig. „Wir haben Stammkunden, die sich jeden Morgen ihren Kaffee holen und dafür zum Einwegbecher greifen. Dabei könnten sie genauso gut den Mehrwegbecher nehmen und ihn am nächsten Tag wieder mitbringen. Sie bekämen dann einen neuen Becher und wir reinigen den benutzten.“

Neben Recup gibt es weitere Anbieter von Pfandbechern. Die Bäckerei Junge hat sich etwa für Fair Cup entschieden. „Da die Verordnung primär die Hersteller betrifft, sind die Unternehmen eigenständig für die Auswahl der Alternativen verantwortlich“, so Sonja Gelinek. „Eine ganzheitliche Einschätzung über die Vorbereitung der betroffenen Stralsunder Gastronomen etc. in Bezug auf die Verordnung lässt sich daher an dieser Stelle nicht vornehmen.“

Wie hoch werden die Bußgelder sein?

Stellt sich noch die Frage nach den Konsequenzen, wenn dem Verbot nicht nachgekommen wird. Bürgerschaftsmitglied Thomas Würdisch: „Sieht die Hansestadt Bußgelder vor und wenn ja, in welcher Höhe?“ Gelinek: „Verstöße gegen das Inverkehrsbringungsverbot gelten als Ordnungswidrigkeit und können mit Bußgeldern bis zu 100 000 Euro bewehrt sein.“ Dass diese maximale Höhe tatsächlich verhängt wird, ist aber wenig wahrscheinlich. Letztlich ist die Abfallbehörde des Landkreises zuständig. Über die Höhe der Bußgelder gibt es dort noch keine Festlegungen.

Von Kai Lachmann

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