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Werkhallen mit Wow-Effekt: Musk will erste Teslas aus Grünheide noch in diesem Jahr ausliefern – Berlin



Jetzt hämmern die Techno-Bässe und die Fabrik taucht in buntes Laserlicht. Die Sonne ist lange untergegangen. Als sich Elon Musk gegen 18:30 Uhr mit einem „Dankeschön“ verabschiedet, brandet noch einmal Jubel unter den rund eineinhalbtausend Zuschauern vor der Bühne auf. „Macht Rambazamba! Berlin-Brandenburg rocks!“, hatte Musk der Menge zugerufen und „den Befürwortern der Gigafactory“ gedankt: „Die Party ist für Euch!“ Kreischen, Pfiffe, Jubel. 

Mit seinem halbstündigen Auftritt zum Abschluss des „Gigafestes“, für das Tesla am Samstag erstmals seine Fabrik in Grünheide öffnete, stellte sich Musk auch Fragen der Gäste. Die hatten sie über Twitter senden können. Wann hier die Produktion beginnt? Er hoffe, dass im November, Dezember die ersten Fahrzeuge aus Grünheide ausgeliefert werden können, „schwieriger wird es, die Produktion hochzufahren“, antwortete Musk, Konzernchef, Entertainer, E-Missionar, der schon mal in gebrochenem Deutsch die Botschaften des Tesla-Werbefilms vorlas, der auf der Leinwand hinter ihm eingespielt wurde. 

Er kündigte an, dass das Werk nächstes Jahr ein Solardach erhalten soll, Ziel sei es, 100 Prozent autark zu sein, sagte er. Wird es einen Kindergarten in der Fabrik geben? Da antwortete Musk mit einem klaren „Ja!“ Ein Tesla-Manager ergänzte, Tesla wolle die „besten Leute“ für die Fabrik haben.

Mit dem Musk-Auftritt ging ein bemerkenswerter Tag der offenen Tür zu Ende, den der bisher eher verschlossene US-Konzern am Sonnabend auf der Baustelle seiner künftigen Gigafactory veranstaltete, die ganz Europa mit dem aktuellen Model Y versorgen soll. Seit dem Morgen hatten Tausende die Gelegenheit ergriffen, erstmals einen Blick ins Innere der fast fertigen Fabrik zu werfen. Tesla hatte 9000 Tickets vergeben. 

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Wie viele leer ausgingen, ist nicht bekannt. Es soll einige Hunderttausend Anfragen gegeben haben. Die meisten Besucher kamen aus Brandenburg, aus der näheren Umgebung und aus Berlin. Es waren aber einige eingefleischte Tesla-Fans dabei, angereist aus Griechenland, Rumänien oder Norwegen. Die Atmosphäre erinnerte etwas an das Deutsch-Amerikanische Volksfest, samt Riesenrad und Foodtrucks, Tesla hatte jedem Gast drei Verzehrgutscheine spendiert. 

Das Highlight für die meisten war aber das Werk selbst, mit dem zu beobachtenden Wow-Effekt, wie weit und wie modern die Fabrik gebaut wird. So ging es etwa Dieter Paulus, einem Rentner aus Fürstenwalde. „Es war extrem beeindruckend“, sagte der 67-Jährige. „Am meisten hat mich beeindruckt, dass so viel mit Robotern gemacht wird. Ich hätte auch nicht gedacht, wie viel vor Ort hergestellt wird, die Sitze, die Karroserieteile.“ 

Teslas Mission stößt an märkische Grenzen

Und die Bedenken wegen der Umwelt? Tesla müsse doch „alle Vorgaben einhalten“, sagte Paulus. Es werde Zeit, dass das Ding endlich genehmigt werde. Natürlich habe man sich auch in einen Tesla gesetzt, ergänzte seine Frau Gabriele. Der sei aber nichts für sie, „da ist ja nichts mehr drin, nur noch ein Bildschirm. Da bleiben wir lieber bei unserem Benziner.“ Nun ja, zumindest bei den beiden war Teslas Mission an märkische Grenzen gestoßen. 

Der Rundgang selbst ging über eine Strecke von zwei Kilometern durch die Mega-Halle, 700 Meter lang, 300 Meter breit, entlang der Produktionslinien, wo man immer wieder Roboter in Betrieb sah, im Probebetrieb. Denn Tesla darf wegen der ausstehenden finalen Genehmigung nicht produzieren, über Voraberlaubnisse aber schon mal Anlagen testen. 

Einer der Mitarbeiter erzählte, er sei vorher Karosseriebauer in einer kleinen freien Werkstatt gewesen, „es ist ein cooler Job bei Tesla“. Es ging vorbei an der „Gigapress“, der größten in Europa, in der Karrosserieteile aus Aluminium oder Stahl gepresst werden, mit bis zu 2500 Tonnen Druck. Man konnte auch sehen, wo die Fabrik noch nicht fertig ist. In der Endmontage etwa, wo immerhin einmal 5000 Leute arbeiten sollen, herrschte Leere – wie vor wenigen Monaten noch in anderen Hallen. 

Nach dem Anteil der Flächen ohne Maschinen müsste das Werk etwa zu 90 Prozent produktionsbereit sein. Klar, dass auch die Kritiker und Gegner angesichts des Spektakels nicht zu Hause geblieben waren. Gegenüber dem Haupteingang demonstrierten ein Dutzend Naturschützer und Vertreter der Bürgerinitiative Grünheide, warnten vor negativen Auswirkungen auf die Umwelt, die Wasserversorgung. 

„Diese Fabrik darf so nicht in Betrieb gehen“, sagte Sprecher Steffen Schorcht. Die Verkehrsfeuertaufe hat die Gigafactory, in der 12 000 Leute arbeiten sollen, schon mal bestanden – ohne den befürchtete Gigastau auf dem Berliner Ring. Nach dem Tag der offenen Tür lief es dort auf eine lange Techno-Nacht hinaus. Da war Elon Musk allerdings bereits auf dem Rückflug.

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