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Verkehrssituation an Schulen: Elterntaxis werden zur Gefahrenquelle



Elterntaxis sind in Oldenburg vor den Schulen eine Gefahr. Verbände, Polizei und Schulen fordern: „Bitte bringen Sie ihre Kinder nicht mit dem Auto zur Schule!“

Oldenburg – Mit grimmigem Gesicht fährt der Vater einer Schülerin davon. Gerade eben hat er vor der Grundschule Staakenweg ein Knöllchen kassiert, weil er im absoluten Halteverbot geparkt hat, um als Elterntaxi seine Tochter abzuholen. Zwar nur für zehn Minuten, aber auch das gehört zu den Ordnungswidrigkeiten, die Polizeihauptkommissar Wilfried Spieker von der Polizei in Oldenburg immer wieder vor der Grundschule erlebt. In Visselhövede im Landkreis Diepholz wird inzwischen ein Verbot von Elterntaxis gefordert.

Stadt in Niedersachsen: Oldenburg
Fläche: 102,99 Quadratkilometer
Einwohner: 169.605 (Stand: 31. Dezember 2020)
Vorwahl: 0441
Oberbürgermeister: Jürgen Krogmann (SPD)

Teilweise kommt es hier durch die sogenannten Elterntaxis auch zu brenzligen Situation. „Viele Eltern haben wenig Verständnis und zeigen keine Einsicht“, sagte Spieker jetzt der Nordwest-Zeitung und macht damit auf das Problem aufmerksam, das sich bundesweit so fast täglich vor jeder Grundschule abspielt.

Elterntaxis werden in Oldenburg zur Gefahrenquelle: Beim Ausparken Auto übersehen

Seit Jahren gleichen sich die Szenen, die zu jedem Schuljahresbeginn zu sehen sind: Das Schuljahr geht los und mit ihm kommen auch die Elterntaxis. Es ist verständlich, wenn Eltern ihre Kleinsten gerade zu Beginn der Schulkarriere in die Schule bringen möchten. Wenn dabei aber andere Verkehrsteilnehmer – wie in den Fällen der Elterntaxis aber meistens kleine Kinder – stark gefährdet sind, dann fällt einem das Aufbringen von Verständnis schon recht schwer.

Denn es gibt durchaus Gründe, warum hierzulande das direkte Parken vor einer Schule verboten ist. Immer wieder kommt es vor den Bildungseinrichtungen zu gefährlichen Fahr- und Wendemanövern. Spieker weiß von vielen Unfällen zu berichten, die sich ereignen. Erst vor ein paar Wochen hatte eine Mutter, die im Halteverbot stand, beim Ausparken ein anderes Auto übersehen. Glücklicherweise wurde bei dem Unfall niemand verletz. Aber es kann auch anders kommen: Erst im Frühjahr ist vor einer Kindertagesstätte in Hannover ein Kleinkind vom Auto der eigenen Eltern überrollt* worden.

Elterntaxis sind in Oldenburg vor den Schulen eine Gefahr. Verbände, Polizei und Schulen fordern: „Bitte bringen Sie ihre Kinder nicht mit dem Auto zur Schule!“

© Frank Rumpenhorst/dpa

Das Problem ist auch bei der Stadtverwaltung bekannt. Wie Stadtsprecher Reinhard Schenke gegenüber der NWZ sagte, habe man jüngst etwa die Zone für Halteverbote an der Grundschule Bürgeresch ausgebaut. Die Stadt steht demnach in regelmäßigem Austausch mit den Schulleitungen – mit einer harten Regelung könne man aber nicht eingreifen. Letztendlich sei es eine Entscheidung der Eltern, zitiert die NWZ den Sprecher.

Elterntaxis werden in Oldenburg zur Gefahrenquelle: Polizei verteilt Flyer „Zu Fuß zur Schule“

Seit Jahren warnt die Polizei in Oldenburg vor den Gefahren und verteilt immer wieder den Flyer „Zu Fuß zur Schule“. Darin sind Hinweise zu finden, dass dadurch unter anderem die Selbständigkeit des Kindes gefördert und auch das Sozialverhalten des Nachwuchses dadurch positiv beeinflusst wird. Nur zu fruchten scheint dies bei den Eltern nicht. Darauf lässt jedenfalls die Ignoranz mancher Eltern rückschließen.

Und auch Kinder-, Lehrer- und Umweltverbände appellieren immer wieder, auf das Elterntaxi beim Schulweg möglichst zu verzichten. Es sei besser, zu Fuß, mit dem Roller oder dem Fahrrad zur Schule zu kommen, empfehlen das Deutsche Kinderhilfswerk, der Verband Bildung und Erziehung und der ökologische Verkehrsclub VCD nahezu jedes Jahr zum Schulstart.

Elterntaxis werden in Oldenburg zur Gefahrenquelle: Bewegung vor Unterricht fördert die Konzentration

Wer sich schon vor Unterrichtsbeginn bewegt habe, starte gut in den Schultag und könne sich besser konzentrieren, argumentieren die Verbände. Zudem verbessere sich die Orientierung im lokalen Umfeld, wenn man selbst zur Schule gelange. Das Selbstbewusstsein der Kinder und das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten wüchsen. Anfangs benötigten die Kleinsten dabei noch Begleitung.

An die anderen Verkehrsteilnehmer appellierten die Verbände, besonders aufmerksam zu sein. Nach den Sommerferien müssten die Regeln zum Verhalten im Straßenverkehr oftmals erst wieder eingeübt werden. „Gerade im Bereich von Kindertagesstätten und Schulen muss Tempo 30 unbedingt eingehalten und in ständiger Reaktionsbereitschaft gefahren werden.“ (mit Material der dpa) * kreiszeitung.de und hna.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Frank Rumpenhorst/dpa

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