Start day-news Usedom: Erfurter campen seit 60 Jahren auf der Insel

Usedom: Erfurter campen seit 60 Jahren auf der Insel


Das Jahr 1961 war für viele Deutsche ein Meilenstein in ihrem Lebenslauf. Mit dem Bau der Mauer wurde Familien, Freunde und Bekannte im ganzen Land getrennt. Für das Ehepaar Haide und Herrmann Kriwitzki aus Erfurt war das Jahr 1961 in anderer Hinsicht ebenfalls sehr besonders. Seit dem Jahr sind die beiden Camper auf der Insel Usedom. Nach 60 Jahren Urlaub in der Natur ist für die beiden Rentner nun Schluss. Am 8. September reisen der 86-Jährige mit seiner 84 Jahre alten Frau zum letzten Mal in Lütow ab.

Für die beiden Thüringer war der Campingplatz in Lütow sechs Jahrzehnte ein Ort der Erholung, des Beisammenseins und der Freude. Unzählige andere Urlauber und Zeltnachbarn lernten die beiden, die früher durch das professionelle Tanzen ihr Geld verdienten, kennen. Der Abschied wird schwerfallen. „Eigentlich hatten wir im Vorjahr schon gemeint, dass wir aufhören wollten, doch wir hingen noch ein Jahr ran“, sagt Ehemann Herrmann.

Erste Zelte aus Planen und Stöckern

Zum ersten Mal lernte Hermann Kriwitzki die Insel Usedom Ende der 1950er Jahre kennen. „Wir waren zunächst mit einer Jugendgruppe auf dem Campingplatz in Ückeritz“, sagt er. Wenn es dort voll war, ging es nach Koserow.

Im Vergleich zu heute war der Urlaub relativ einfach gehalten. „Wir bastelten unsere Zelte aus Planen und Stöckern zusammen“, sagt er. Und wenn jemand mal „geschäftlich“ unterwegs war, musste eben vorher mit dem Spaten ein Loch gebuddelt werden. „Mit den heutigen Verhältnissen ist dies überhaupt nicht mehr zu vergleichen.“

Mit dem Urlaubsbus an die Ostsee

Die Ostseeseite kannten sie aus dem Effeff, dann kam auf Anraten eines Freundes im Jahr 1961 das Angebot, auf den Campingplatz nach Lütow zu ziehen. „Ich habe diesen Wald noch als kleine Schonung kennengelernt – sehr viel hat sich hier verändert“, sagt er. Auch die Anreise auf die Insel Usedom gestaltete sich vollkommen anders als heute. „Früher gab es noch Urlaubsbusse, die die Touristen aus ihren Heimatregionen abholten und an die Ostsee fuhren – es hatte ja nicht jeder ein Auto. Wir auch nicht. Der Bus startete in Erfurt und sammelte die Urlauber ein. Manchmal fuhr er die ganze Nacht durch und wir kamen morgens auf der Insel an“, erinnert sich Haide Kriwitzki.

Durch ihre Arbeit sahen die Kriwitzkis einen Großteil der Welt. „Wir waren nicht nur bis Russland unterwegs, sondern auch in Südamerika“, sagt sie. Für ihre Arbeit erhielt sie sogar das Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. Sie war 20 Jahre lang bis 2008 Vorsitzende und künstlerische Leiterin des Vereins „Thüringer Folkloreensemble“. Mehr als tausend Kinder haben unter ihrer Anleitung das Tanzen erlernt.

Dauercamper seit 2003 in Lütow

Trotz drei Kinder und viel Arbeit zogen sie jedes Jahr nach Usedom mit ihrer Camping-Ausrüstung. Erst im Jahr 2003 kam das Angebot, einen Dauercampingplatz zu übernehmen. Jetzt leben sie so, wie richtige Dauercamper leben: mit festem Eingangstor, Kieselsteinen rund um den Wohnwagen, einem Vogelhaus und vielem mehr. Auf eines ist Herrmann Kriwitzki besonders stolz – die Birke im Vorgarten. „Als wir hierher kamen, war dies nur ein kleiner Halm – jetzt spendet sie uns viel Schatten“, sagt er.

Die sanitären Einrichtungen befinden sich unweit ihres Wohnwagens. „Aber es geht nun leider nicht mehr – gesundheitlich sind wir jetzt etwas angeschlagen. Mit Mitte 80 kann das aber schon mal vorkommen“, sagt er und lacht. Von April bis September waren die beiden in den vergangenen Jahren jeweils hier.

Ein Dank an die Tischtennis-Freunde

Einen besonderen Dank möchte Herrmann Kriwitzki zum Abschied von der Insel Usedom an seine Tischtennisspieler in Koserow richten. „Regelmäßig kamen wir zusammen, um an der Platte zu trainieren. Da habe ich viele Freunde kennengelernt. Die Zeit war sehr schön – vielen herzlichen Dank.“

Herrmann Kriwitzki mit einem Pokal vom Tischtennis.
Quelle: Hannes Ewert

Der Insel Usedom bleibt das Ehepaar auch nach dem Camping-Urlauben erhalten. „Wir haben Freunde, deren Türen für uns immer offen stehen – aber die Nächte im Wohnwagen sind vorbei“, sagt er.

Von Hannes Ewert

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