Start day-news Umweltschützer veranstalten großen Klimatag in Bad Doberan

Umweltschützer veranstalten großen Klimatag in Bad Doberan


Ganz persönliches Engagement für den Klimaschutz – inklusive einer Verringerung des eigenen CO2-Fußabdrucks. „Das geht“, sagt Wolfgang Conrad vom Klimanetz Bad Doberan. „Auch im Kleinen.“ Ein möglicher erster Schritt: „Man kann sich über die Verbraucherzentrale einen Energieberater ins Haus holen“, erklärt Conrad, der sich während seines Berufslebens vor allem mit dem Ausbau der Windenergie beschäftigt hat. „Der Experte guckt sich die Gegebenheiten vor Ort an und erstellt dann mit Blick auf künftige Maßnahmen ein geeignetes Energiekonzept.“ Dabei könnten etwa Themen wie eine bessere Hausdämmung oder auch eine eigene Stromversorgung ins Blickfeld rücken.

Apropos Blickfeld: Um diese und weitere theoretische Fragen ganz praktisch zu beantworten, planen das Klimanetz und die Stadt Bad Doberan am 2. Oktober einen großen Klimatag. Unter dem Motto „Anpacken und Mitwirken für den Klimaschutz“ stellen am kommenden Samstag ab 12 Uhr rund um das Kornhaus insgesamt 20 Firmen, Projektgruppen, Initiativen und Schulen ihre Ideen und Konzepte vor.

„Wir wollen die Leute ins Grübeln bringen“, erklärt Mit-Initiatorin Jutta Hoch. „Viele Menschen reagieren immer erst, wenn sie Dinge persönlich betreffen – deshalb zeigen wir auf, was man mit Blick auf den Natur- und Umweltschutz ganz persönlich machen kann.“

Kleine Projekte mit großer Wirkung

Ein Beispiel aus ihrem eigenen Lebensumfeld: „Ich habe vor einigen Jahren einen naturnahen, klimafreundlichen Garten gestaltet“, sagt Hoch. So ist auf ihrem Grundstück am Kollbruchweg nach und nach eine große, blühende Anlage entstanden – mit Blumen-, Nutz- und Japangarten, Rhododendronbüschen, Fischteich und Buchsbaum. Darüber hinaus hat Hoch vor knapp einem Jahr mit weiteren Mitstreitern am Althöfer Bach eine Wildblumenwiese angelegt. Um ihr Herzensprojekt in die Tat umzusetzen, hatte sie das 3700 Quadratmeter große Grundstück unweit des Kollbruchweges vor einiger Zeit von der Stadt gepachtet.

Rund um das Kornhaus in Bad Doberan findet am Samstag der Klimatag statt.
Quelle: Sabine Hügelland

„Dabei braucht es gar keinen riesigen Garten“, stellt die 68-Jährige klar. „Man kann auch auf zwei Quadratmetern schon so viel machen – es geht einfach um Artenvielfalt unter dem Aspekt der Biodiversität.“ Das Klima zu verändern koste viel Geld und sei deshalb nur schwierig umsetzbar – „mit diesen falschen Ängsten wird immer wieder gespielt“, ärgert sich Wolfgang Conrad. „Das muss aufhören.“

Beim Doberaner Klimatag, der bereits um 9.30 Uhr mit einer großen Müllsammelaktion rund um den Kamp gestartet wird, ist unter anderem der „Bauraum MV“ mit dabei – ein Netzwerk aus Handwerkern, Händlern, Herstellern, Planungsbüros, öffentlichen Einrichtungen und Verbraucherorganisationen mit Sitz auf der Insel Rügen, das sich als Informationszentrum für energetische Sanierung, ökologisches Bauen und Klimaschutz versteht: „Darüber hinaus erklären etwa Vertreter von Bauernöfen wie dem Gut Vorder Bollhagen die Vorzüge des ökologischen Landbaus und der Direktvermarktung, dazu präsentieren sich neben dem Naturschutzbund auch Firmen, die Photovoltaik- und Windkraftanlagen bauen, und die Besucher können ihren ganz eigenen persönlichen CO2-Abdruck berechnen lassen.“

Vorträge im Viertelstundentakt

Was in diesem Zusammenhang auch wichtig sei: „Es gibt hier so viele Fördermöglichkeiten“, betont Conrad. „Auch darüber wollen wir an unserem Klimatag informieren.“ Im Viertelstundentakt sind zudem Vorträge zu unterschiedlichen Themenbereichen geplant: „Beispielsweise, was es eigentlich bedeutet, das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen“, erklärt der 65-Jährige und macht deutlich: „Nach Berechnungen des UN-Klimaberichtes steuern wir mit der jetzigen Politik bis zum Jahr 2100 auf eine Erderwärmung um 2,7 bis 3,1 Grad zu.“ Um auch die Jüngsten mit ins Klimaboot zu holen, wird es ein Ökoquiz und -basteln geben.

Ein besonderer Programmpunkt erwartet die Besucher um 14 Uhr: Dann wird im Münster die Fotoausstellung „Bedrohte Schöpfung – unser Planet, unsere Zukunft“ mit einer Klimaandacht der Münstergemeinde eröffnet. Viele Menschen und Organisationen würden sich auch in Bad Doberan schon jetzt für den Klimaschutz engagieren, betont Jutta Hoch: „Unser Verein Klimanetz hat aktuell 14 Mitglieder. Das dürfen gern noch mehr werden – wir wollen vor allem auch junge Leute motivieren, künftig bei uns mitzumachen.“

Von Lennart Plottke

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