Start day-news Thüringen zahlt bis zu 100 Euro für die Handyreparatur

Thüringen zahlt bis zu 100 Euro für die Handyreparatur


Berlin. Reparieren statt Wegwerfen: An diesem Dienstag startet in Thüringen ein neues Förderprogramm zur Vermeidung von Elektroschrott. Der sogenannte „Reparaturbonus“ soll Menschen animieren, ihre Elektrogeräte zum Kundendienst zu bringen, statt sie zu entsorgen.

Wer das kaputte Handy, den Kühlschrank oder die Waschmaschine wieder in Stand setzen lässt, kann sich die Hälfte der Reparaturkosten (bis zu 100 Euro) vom Freistaat erstatten lassen. Das Projekt ist eine Initiative des thüringischen Umweltministeriums, das die Mittel zur Verfügung stellt, und der Landesverbraucherzentrale, die die Auszahlung übernimmt.

Katja Kipping: Modell sollte Schule machen

Ein solcher Vorstoß ist in Deutschland einmalig – bisher zumindest. Die Bundestagsabgeordnete Katja Kipping (Die Linke) kann sich eine solche Regelung jedoch auch bundesweit vorstellen. „Das Thüringer Modell ist ein wichtiger Beitrag zur Nachhaltigkeit und sollte in anderen Bundesländern Schule machen“, sagte Kipping dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Die Linken-Politikerin, die in den vergangenen Jahren immer wieder ein „Recht auf Reparatur“ und andere Maßnahmen gegen den „Wegwerfkapitalismus“ gefordert hatte, begrüßt den Thüringer Vorstoß. „Das knüpft an einem echten ökologischen Problem an“, so die ehemalige Parteivorsitzende. Gleichzeitig verbinde der Reparaturbonus die ökologische mit der sozialen Frage. Denn: „Manchmal ist es teurer, ein Elektrogerät zur Reparatur zu bringen, als sich ein neues zu kaufen“, sagte sie.

Ein Mann arbeitet in einem Badezimmer in Berlin an einer kaputten Waschmaschine, um sie zu reparieren. © Quelle: picture alliance / dpa Themendienst

„Knallharte Strafen“ für vorprogrammierten Verschleiß

Nun sollten auch andere Bundesländer nachziehen, fordert Kipping. Und nicht nur das: Geht es nach ihr, müssten Hersteller künftig stärker in die Pflicht genommen werden, Produkte so zu konzipieren, dass sie leichter reparierbar sind. Würden sie hingegen einen zeitnahen Verschleiß einprogrammieren oder einplanen, „versündigen sie sich an der Umwelt wie den Menschen, die Geld für neue Geräte ausgeben müssen“, so Kipping. Für die sogenannte „geplante Obsoleszenz“, also die gezielte Verkürzung der Lebensdauer von Geräten, müsste der Bundestag „knallharte Strafen“ beschließen, findet sie.

Nach Angaben des Thüringer Umweltministeriums nahm Deutschland 2019 eine unrühmliche weltweite Spitzenposition ein: 19,4 Kilogramm Elektroschrott seien pro Einwohner in dem Jahr zusammengekommen. Gleichzeitig habe eine Berechnung des Europäischen Umweltbüros ergeben, dass vier Millionen Tonnen CO₂ eingespart werden könnten, wenn die Lebensdauer aller Waschmaschinen, Notebooks, Staubsauger und Smartphones in der EU auch nur um ein Jahr verlängert würde. Das reduziert zudem den Verbrauch von Chemikalien, Metallen, Erden und Wasser.

Anja Siegesmund: Wichtiger Impuls für Umweltschutz

Der Thüringer Vorstoß soll nun Abhilfe schaffen. „Mit dem bundesweit einmaligen Projekt Reparaturbonus wollen wir einen wichtigen Impuls setzen“, sagt Landesumweltministerin Anja Siegesmund (Grüne). „Wer sich gut um seine defekten Geräte kümmert, wird belohnt. Die Verbraucherinnen und Verbraucher verlängern die Lebensdauer ihrer Elektrogeräte und schonen damit Ressourcen. Gemeinsam stärken wir den Umweltschutz.“

Ralph Walther von der Verbraucherzentrale Thüringen pflichtete bei, dass sich eine Reparatur für den Einzelnen oftmals gar nicht lohne – mit dem Reparaturbonus werde nachhaltiges Handeln nun jedoch auch „finanziell sinnvoll“.

Elektroreparatur: Rechnung geht an die Verbraucherzentrale

Ab dem 15. Juni können sich Interessierte unter www.reparaturbonus-thueringen.de ein Antragsformular herunterladen. Wer Kaffeemaschine oder Computer in die Reparatur gebracht hat, kann die Rechnung bis zu drei Monate später gemeinsam mit dem Antragsdokument an die Verbraucherzentrale schicken – die wiederum überweist den Bonus in Höhe von 50 Prozent des Rechnungsbetrages dann wieder zurück. Die Obergrenze beträgt dabei allerdings 100 Euro pro Person und Jahr. Ebenfalls wichtig: Es gibt eine „Bagatellgrenze“; die Bruttorechnungssumme muss mindestens 50 Euro betragen.

Nach Angaben des Umweltministeriums wurden für das Förderprogramm zunächst 150.000 Euro für das laufende Jahr veranschlagt.

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