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Theater in MV starten wieder durch


Im Rostocker Klostergarten laufen die Proben für Shakespeares „Romeo und Julia“. Doch während die Tragödie naturgemäß dramatisch endet, gibt es für Theaterschaffende im Land endlich wieder Hoffnung: Ab dem 21. Juni dürfen Theater, Opern- und Konzerthäuser sowie Livespielstätten mit beschränkter Besucherzahl wieder öffnen. Bereits ab heute sind Veranstaltungen mit bis zu 100 Personen in Innenräumen sowie maximal 250 Personen draußen erlaubt, wenn eine Genehmigung des Gesundheitsamtes vorliegt. Mit diversen Premieren starten die ersten Häuser in dieser Woche in die Sommersaison.

„Ich bin schon aufgeregt, wieder vor Publikum zu spielen“

„Ich bin schon total aufgeregt, wieder vor Publikum zu spielen“, sagt Marcus Möller, der in der Produktion der Compagnie de Comédie den leidenschaftlichen Liebhaber mimt. Genau ein Jahr ist es her, dass er in dem Stück „Katharina oder William Shakespeares Der Widerspenstigen Zähmung“ vor Besuchern auf der Bühne stand. Das Stück aus dem letzten Jahr ist es auch, das am 4. Juni die Klostergarten-Saison einläutet – das steht seit Montag fest. „Bis zum 20. Juni musste das Gesundheitsamt über jede unserer 13 Veranstaltungen einzeln entscheiden. Heute haben wir das Signal bekommen, dass wir spielen können“, freut sich Martina Witte, Leiterin der Rostocker Compagnie de Comédie. Damit kann auch die ursprünglich am 28. Mai geplante Premiere von „Romeo und Julia“ am 5. Juni stattfinden. Das Stück hatte die Compagnie de Comédie eigens für die 30. Jubiläumssaison konzipiert.

Die Theater starten wieder: Die Compagnie de Comédie feiert am 5. Juni 2021 im Rostocker Klostergarten Premiere mit William Shakespeares „Romeo und Julia“ (mit Marcus Möller und Larissa Sophia Farr).
Quelle: Dietmar Lilienthal

Insgesamt waren vom 28. Mai bis zum 4. September rund 80 Veranstaltungen im Klostergarten geplant, neben den Theaterstücken Konzerte und Gastspiele verschiedener Künstler. „Da wir am Wochenende starten können, wird es keine großen Unterschiede geben, was die Zahl der Veranstaltungen angeht“, so Witte. Ab dem 21. Juni gibt es weitere Lockerungen, die im Außenbereich bis zu 600 Besucher ohne Sondergenehmigung, aber mit Abstand, Maske und Tests vorsehen. „Das heißt, dass unser Programm ab dann planmäßig stattfinden kann“, so Witte. Rund 250 Besucher finden bei den Schauspielen im bestuhlten Klostergarten Platz. „Bei Gastspielen können das in der Spitze auch mal bis zu 500 Zuschauer sein, das ist aber eher die Ausnahme“, so Witte.

Volkstheatersommer in Halle 207 kann starten

Auch am Rostocker Volkstheater ist die Freude groß, dass der Volkstheatersommer in der Halle 207 endlich Fahrt aufnehmen kann. Die erste Veranstaltung ist am 5. Juni mit „Synth Happens“ geplant – einem Crossover von klassischer und elektronischer Musik mit der Norddeutschen Philharmonie. „Wir haben heute das Go vom Gesundheitsamt erhalten, so dass das Konzert am Wochenende über die Bühne gehen kann“, freut sich auch Intendant Ralph Reichel. Für die ursprünglich am 28. Mai geplante Premiere des Familienstücks „Pippi Langstrumpf“ sei man ebenfalls in Gesprächen mit dem Gesundheitsamt, damit diese am 20. Juni stattfinden könne. Auch an den drei Terminen für das 10. Philharmonische Konzert im Juni will das Theater festhalten. Mit den Lockerungen ab dem 21. Juni könnte „Pippi Langstrumpf“ am 25. und 26. Juni planmäßig aufgeführt werden. „Auch dem Volkstheatersommer im August steht nichts entgegen“, so Reichel. Dann sind in der Halle 207 die Operette „Die lustige Witwe“ und das Musical „Disco-Fieber“ zu sehen. Insgesamt fasst die Halle 207 rund 670 Sitzplätze. Diese könnten ab dem 21. Juni von 100 auf bis zu 160 aufgestockt werden, um den nötigen Abstand zu gewährleisten. Für alle Vorstellungen in allen Häusern gilt Abstand-, Masken- und Testpflicht.

Theater Vorpommern

Auch für Dirk Löschner, scheidender Intendant am Theater Vorpommern, sind die Lockerungen eine gute Nachricht, auch wenn sie für sein Team in letzter Minute kommen: Insgesamt neun fertiggestellte Produktionen will der Intendant seinem Publikum noch präsentieren, bevor das Haus ab 3. Juli in die Sommerpause geht und er sein Amt an Ralf Dörnen abtritt. „Bis Ende Juni werden wir alle neun Stücke mit insgesamt elf Premieren zeigen“, sagte Löschner am Montag. Diese umfassen fünf Inszenierungen für die große und vier für die kleine Bühne. Den Auftakt macht am 4. Juni die Ballettpremiere „Debussy/Gershwin“ in Greifswald, gefolgt von dem Musical „Dracula“ am 5. Juni in Stralsund und der Schauspielpremiere „Die Wiedervereinigung der beiden Koreas“ am 6. Juni in Greifswald. „Wir geben zunächst 50 Karten pro Vorstellung für den Verkauf frei und werden diese auf 100 Karten aufstocken, sobald wir die Genehmigung dafür haben“, so Löschner.

Auf dem Spielplan bis Ende Juni stehen zudem die Schauspielinszenierung „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ und die Oper „Drei Wasserspiele“ am 12. Juni sowie weitere Stücke für die kleine Bühne. Mit dem Monolog „Endlich Schluss“ von Peter Turrini, in dem Löschner selbst als Schauspieler agiert, verabschiedet sich der Intendant am 17. Juni in Greifswald von seinem Publikum. „Es wird ein wahrer Premierenreigen, bis wir uns am Wochenende des 26. und 27. Juni mit dem 3. Monodramen-Festival in Greifswald von der Bühne verabschieden“, so Löschner. Auch ein Philharmonisches Konzert sei noch geplant. Mit einer Festwoche rund um den 6. Juli soll das 2020 wegen Corona ausgefallene Festkonzert zum 200. Bestehen des Theaters Putbus nachgeholt werden.

Schlossfestspiele und Fritz-Reuter-Bühne

Im Rahmen von Modellprojekten hatte das Mecklenburgische Staatstheater bereits vorab eine Genehmigung für die Schlossfestspiele bekommen, die am 11. Juni mit dem Musical „Titanic“ auf dem Alten Garten und am 12. Juni mit dem Narrenspiel „Die Schildbürger“ im Schlossinnenhof starten. Dazu gehört auch die „Schweriner Jazznacht“, die im Rahmen der Schlossfestspiele am 15. Juni erstmals als Open Air stattfindet. „Im Rahmen der Lockerungen wollen wir nun noch einen Antrag auf Sondergenehmigung stellen, auch mit der Fritz-Reuter-Bühne im Freilichtmuseum Schwerin-Mueß zu spielen. Das gehört ebenfalls zur traditionellen Sommerbespielung, war aber vom Modellprojekt nicht erfasst“, so Lars Tietje, scheidender Intendant am Mecklenburgischen Staatstheater. Auch wenn dies ab dem 21. Juni ohne Sondergenehmigung möglich sei, wolle man versuchen, den am 18. Juni geplanten Premierentermin zu halten. „Damit wir im Sommer drei Wochen dort spielen können“, so Tietje.

Wegen der Abstandsregelungen sind für die Musical-Aufführung der Schlossfestspiele in diesem Jahr maximal 600 Besucher erlaubt, für das Narrenspiel im Schlossinnenhof 150. Dafür soll ab dieser Woche ein eigenes Testzentrum im Theater zur Verfügung stehen, in dem pro Stunde bis zu 120 Besucher getestet werden können. „Damit haben wir genug Kapazitäten, um allen Zuschauern einen Test anzubieten, wenn sie frühzeitig im Laufe des Tages kommen“, so Tietje.

An der Vorpommerschen Landesbühne soll ab dem 3. Juli das Vineta-Spektakel mit rund 250 Zuschauern über die Bühne gehen. Geplant sind zudem diverse Gastspiele.

Von Stefanie Büssing

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