Start day-news Störtebeker Brauerei in Stralsund zeigt weiße Halle erstmals von innen

Störtebeker Brauerei in Stralsund zeigt weiße Halle erstmals von innen


Tür auf. Ein paar Treppen nach oben. Und dann – wow! Ein spektakulärer und vor allem seltener Ausblick. Vor den Besuchern liegt zwar „nur“ eine Bierabfüllanlage, aber es soll eine der modernsten Europas sein und darauf ist die Stralsunder Brauerei stolz. Störtebeker gewährt am Mittwoch als Gastgeber eines Kongresses der Industrie- und Handelskammern MV den Teilnehmern vorab einen Blick in die neue weiße Halle, die die meisten Stralsunder Bürger bisher nur von außen kennen dürften. Die OZ darf nun erstmals hineinschauen.

Auf der einen Seite kommt das Leergut an. Flaschen und Kisten werden bei der Fahrt durch die Halle getrennt, sortiert, gereinigt, neu befüllt und verpackt. Alles automatisch. Eine Frage, die sich vermutlich jedem Besucher aufdrängt: Wie viel Bier wird hier abgefüllt? „Die Anlage schafft 40 000 Flaschen, aber da sind wir gerade noch nicht“, erklärt Projektmanager Roland Stange, der die Besucher herumführt. „Es gibt noch das ein oder andere Nadelöhr, sodass wir so zwischen 32 000 und 36 000 Flaschen sind.“ Er betont: „In der Stunde.“

In der neuen Produktionsanlage läuft fast alles automatisch ab.
Quelle: Christian Rödel

Hier sind fast gar keine Menschen zu sehen

Alles wirkt sehr aufgeräumt. Wo ist eigentlich das Bier? Es steht in den Tanks draußen vor der Tür und kommt über Rohrleitungen an den Wänden ins Gebäude und im „Füller“ in die Flaschen. Die komplexe Maschine verursacht dröhnende Geräusche, die Luft ist neutral und beim Blick von der Besucherbrücke fallen zwei Sachen sofort auf: 1. Ein relativ großer Teil der Halle ist noch leer. Und 2.: Hier sind fast keine Menschen zu sehen. Wie kommt’s?

50 Millionen Euro Umsatz im Blick

Die weiße AVL-Halle ist 160 Meter lang und 100 breit. AVL bedeutet Abfüllung, Verpackung und Logistik. Mitte 2017 wurde der Vertrag mit dem Generalunternehmer Krones aus Bayern geschlossen. 2018 begann der Bau des Fundaments. Mitte 2019 startete der Bau der neuen Abfüll-Linie. Im November 2019 wurde sie in Betrieb genommen. Der offizielle Start des gesamten Betriebs im Gebäude war am 29. Mai 2020.

Da die Anlage sehr leistungsfähig ist, gilt nun die Produktion als Nadelöhr. Um sie hochzufahren, hat die Brauerei mehrere neue Tanks errichtet und setzt die Bauarbeiten fort. Wenn diese abgeschlossen sind, sollen auch Besucherrundgänge durch die Halle angeboten werden.

2019 fuhr Störtebeker 48 Millionen Euro Umsatz ein, was ein Plus von elf Prozent bedeutete. Für 2020 wurde zwar mit mehr als 50 Millionen Euro gerechnet, allerdings könnte im Corona-Jahr aufgrund des Ausfalls vieler Veranstaltungen und geschlossener Gastronomie das Ziel verfehlt worden sein. Zahlen gab Störtebeker nicht heraus.

Stange antwortet, dass von den 8000 Quadratmetern ein Teil noch nicht genutzt wird, da hier eine weitere Abfüllanlage aufgebaut werden soll. Störtebeker betreibt noch eine in einem anderen Gebäude. Der Umzug sei gerade in Vorbereitung. Die Antwort, warum hier nur fünf Menschen tätig sind und die Maschinen kontrollieren, ist eine moderne: Die Prozesse werden von Computersystemen gesteuert. Deshalb ist die Halle auch ein passendes Anschauungsbeispiel für den IHK-Kongress, bei dem es um Digitalisierung in der Industrie geht.

3,5 Millionen Liter Bier im Hochregallager

Stange erklärt, wie es abläuft: Über ein System werden Aufträge für die Produktion geschrieben. Beispielsweise für zehn Paletten alkoholfreies Pils. Dieser Auftrag geht ans Linienmanagement, das sich das Pils aus einem weiteren System besorgt und die entsprechende Menge dann abfüllt. Die fertige Ware wird kontrolliert, freigegeben und kommt ins Hochregallager.

„Dort sind momentan an die 35 000 Hektoliter“, sagt Stange. Zum Verständnis: Ein Hektoliter sind 100 Liter. Insgesamt eine schier unglaubliche Menge. Würde eine Person jeden Abend einen Liter Bier trinken, bräuchte sie dafür mehr als 9500 Jahre. „Größere Brauereien haben mehr als eine Million Hektoliter im Lager“, merkt Stange an.

Spektakulär: das Hochregallager der Brauerei. Die roten Maschinen bewegen sich automatisch.
Quelle: Kai Lachmann

Lob für die Gabelstaplerfahrer

Der Anblick dieses Lagers ist noch imposanter als der in der Abfüllhalle: Hier stapeln sich Palette über Palette mit Bierkisten in riesigen Regalen, die aufgereiht nebeneinanderstehen. Dazwischen fahren schlanke, rote Maschinen hin und her und bringen neue Ware oder holen Paletten, die abtransportiert werden. Auch das läuft alles automatisch und ist nebenbei auch noch ganz schön klug: „Die Ware wird so aus dem Lager geholt und auf Ablaufbänder gestellt, wie sie dann nachher auf den Lkw verladen wird“, erzählt Stange. Außerdem werde die Ware zuerst genommen, deren Haltbarkeitsdatum am ehesten abläuft.

„Wir sind hier aber nicht zu 100 Prozent automatisiert“, führt er weiter aus. Sollten Paletten mit verschiedenen Sorten verlangt sein, werden diese im unteren Bereich des Gebäudes manuell zusammengestellt. Dort werde auch noch Gabelstapler gefahren. Bei aller Automatik freut sich Roland Stange auch über die Arbeit seiner menschlichen Kollegen: „Die Jungs sind schnell und flexibel.“

Von Kai Lachmann

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