Start day-news Steine und Flaschen fliegen: Polizei löst pro-palästinensische Demo in Berlin auf

Steine und Flaschen fliegen: Polizei löst pro-palästinensische Demo in Berlin auf


Berlin. In Berlin ist am Samstag eine pro-palästinensische Demonstration aufgelöst worden. Die Polizei forderte am Nachmittag mehrere hundert Teilnehmer im Bezirk Neukölln auf, den Ort zu verlassen. Als Grund nannte sie die Nichteinhaltung der Corona-Distanzregeln.

Die Polizei schritt gegen Demonstranten ein, die den Ort nicht verlassen wollten. Dabei wurden aus den Reihen der Demonstranten Steine und Flaschen auf die Polizei geschleudert. Auch Feuerwerkskörper flogen gegen die Sicherheitskräfte. Zuvor war eine andere Demonstration mit rund 120 Teilnehmern zum Rathaus Neukölln friedlich verlaufen.

Die Demonstranten forderten „Freiheit für Palästina“ und erinnerten an die „Nakba“ (deutsch: Katastrophe). Am 15. Mai gedenken die Palästinenser damit der Vertreibung und Flucht Hunderttausender im Zuge der israelischen Staatsgründung 1948. Für den späten Nachmittag waren weitere Demonstrationen angekündigt.

Demonstrationen in Hamburg

Auch in Hamburg solidarisierten sich rund 120 Demonstranten mit den Palästinensern. Auf Transparenten wurden Parolen und die Landkarte Palästinas gezeigt, Palästina-Flaggen wurden geschwenkt. Die Polizei war mit starken Kräften am Gänsemarkt im Einsatz, um mögliche Konflikte zu verhindern. Die Kundgebung verlief am Nachmittag ebenfalls friedlich.

Die evangelische und die katholische Kirche in Berlin und Brandenburg verurteilten unterdessen Angriffe auf jüdische Einrichtungen in Deutschland als „unerträglich“. Es sei nicht hinnehmbar, dass Synagogen und jüdische Einrichtungen bedroht, verunglimpft und angegriffen würden, erklärten der evangelische Landesbischof Christian Stäblein und der katholische Erzbischof Heiner Koch gemeinsam.

Nach der gewaltsamen Eskalation des Konflikts zwischen Israel und der palästinensischen Hamas hatte es in mehreren Städten in Deutschland antisemitische und anti-israelische Demonstrationen gegeben. Dabei wurden Israel-Flaggen angezündet, in Gelsenkirchen marschierten 180 Menschen vom Bahnhofsvorplatz in Richtung Synagoge und skandierten antisemitische Parolen.

Internationale Proteste

Auch international gibt es weiter Proteste: Tausende Menschen haben am Samstag in London gegen die Luftangriffe der israelischen Armee auf Gaza demonstriert. Organisiert wurde der Protestmarsch durch den Hyde-Park in der Londoner Innenstadt von verschiedenen pro-palästinensischen Organisationen wie der „Palestine Solidarity Campaign“, „Friends of Al-Aqsa“, der „Stop The War Coalition“ und der „Muslim Association of Britain“.

Viele Teilnehmer trugen Palästina-Fahnen und „Free Palestine“-Banner. Ein Sprecher der Gruppe forderte die britische Regierung auf, ihre militärische, diplomatische und finanzielle Unterstützung für Israel umgehend einzustellen.

Gastredner ist ehemaliger Labour-Chef

Als Redner wurde unter anderen der ehemalige Chef der Labour-Partei, Jeremy Corbyn, erwartet. Der 71-Jährige, der für den Londoner Wahlkreis North Islington im Parlament sitzt, ist derzeit aus der Fraktion seiner Partei ausgeschlossen, während eine Untersuchung zu Antisemitismus in der Partei unter seiner Führung (2015 bis 2020) läuft.

Corbyn war wegen seiner als einseitig wahrgenommenen Unterstützung für die Palästinenser in der Vergangenheit auch selbst antisemitischer Tendenzen bezichtigt worden, hatte die Vorwürfe aber stets bestritten.

RND/dpa

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