Start day-news Stadthafen Rostock - Leben kehrt zurück: "Darauf haben wir lange gewartet"

Stadthafen Rostock – Leben kehrt zurück: „Darauf haben wir lange gewartet“


Es fühlt sich fast wie Sommerurlaub an: Ein lauer Wind kräuselt das Wasser zu kleinen Wellen, die Sonne scheint und chillige Musik vom Band lässt vom Tag am Meer träumen. An der Kaikante des Rostocker Stadthafens haben es sich Friederike Seefeldt und Johanna Hackbarth mit einem Kaffee bequem gemacht. „Nachdem es jetzt lange so kalt war, wollen wir das schöne Wetter auskosten. Darauf haben wir so lange gewartet“, sagt Friederike Seefeldt.

Mit den Temperaturen steigt die Laune. Und die Lust auf einen Sprung in die Ostsee. „Morgen will ich anbaden“, sagt die Rostockerin. Johanna Hackbarth bibbert schon beim Gedanken daran. „Ich gönn’ mir lieber ein Glas Wein auf dem Balkon“, sagt sie und lacht. An den Strand wollen aber beide. Doch Warnemünde muss warten. Heute wollen die Freundinnen den Tag den Blick auf Warnow und Gehlsdorfer Ufer genießen.

„Rost Dock“ startet mit Drinks in die Saison

Der Stadthafen war am Wochenende ein beliebtes Ausflugsziel. Ob zum Spazieren, Bootfahren, Sporttreiben oder um entspannt zu faulenzen: Viele Rostockerinnen und Rostocker ließen sich von der Sonne ans Warnowufer locken.

Für Sascha Hofmann und Samuel Drews kommt das Sommerintermezzo genau richtig. Die beiden starten mit ihrer Seecontainerlonge „Rost Dock“ in die Freiluftsaison. Vorerst gibt’s Heiß- und Kaltegetränke hier nur zum Mitnehmen. Doch sobald die Corona-Regeln es erlauben, können sich die Gäste wieder auf der Holzterrasse sonnen. Liegen und Tische stehen aufklappbereit parat.

Samuel Drews (l.) und Sascha Hofmann starten mit dem „Rost Dock“ in die Sommersaison. Im Dachgarten auf einem der Seecontainer wachsen Kräuter für die Cocktails.
Quelle: Over Arscholl

Wie groß die Sehnsucht nach unbeschwertem Beisammensein bei Snacks und Schirmchendrinks ist, spüren die beiden Gastronomen, seit sie die Verkaufsluke ihrer Sommerbar eröffnet und die Musik angestellt haben. „Die Leute freuen sich tierisch, dass wir wieder loslegen und wir sind auch megahappy“, sagt Sascha Hofmann.

Dass das Geschäft vorerst auf Sparflamme laufen muss, lässt Freiraum für andere Projekte: Das „Rost Dock“-Team ist Teil der Hafengemeinschaft, einem Bündnis aus städtischem Hafenamt, Vereinen und Gastronomen, das den Stadthafen attraktiver für alle gestalten will. In der neuen Woche bekommt die Initiative prominente Verstärkung und Gelegenheit, bundesweit über die TV-Bildschirme zu flimmern: Schauspieler Frank Kessler hat sich angekündigt.

Der Rostocker dreht sonst mit Kollegen wie Uwe Ochsenknecht die ARD-Reihe „Die Drei von der Müllabfuhr“ und will nun einem Kamerateam zeigen, dass ihm eine saubere Umwelt auch privat am Herzen liegt. „Wir wollen unsere Starterkits mit Jutebeuteln und Strandaschern an die Kooperationspartner der Hafengemeinschaft verteilen und auf einem Blühstreifen Saatgut ausbringen“, sagt Sascha Hofmann.

Mehrwegbecher und Graffitikunst

Indes gedeiht ein weiteres Projekt. Samuel Drews und seine Mitstreiter von der Initiative „Plastikfreie Stadt“ wollen ein Pfandbechersystem etablieren und so den Verpackungsmüll in Rostock reduzieren. In Zusammenarbeit mit dem Radisson wird das Mehrweg-System Faircup getestet, das seit Kurzem auch die Bäckerei Junge nutzt. Im Hotel sollen sich Vereine die Becher kostenlos leihen und so zu einem umweltfreundlichen Rostock beitragen können, sagt Samuel Drews.

Neuer Lack für alten Seecontainer: Graffitikünstler Sebastian Volgmann verpasst dem „Rost Dock“ einen neuen Schriftzug.
Quelle: Ove Arscholl

Damit das Warnowufer noch schöner wird, lässt Sebastian Volgmann am Samstag seine Kreativität sprühen: Der Graffitikünstler verpasst dem „Rost Dock“ einen neuen XL-Schriftzug. Sascha Matthèe dagegen will sich von Altem trennen und pumpt zwei seiner Kites auf. „Die will ich verkaufen.“ Dafür sollen schöne Fotos her. Die Haedgehalbinsel bietet die perfekte Kulisse fürs Shooting.

Sascha Matthée (35) putzt seinen alten Kite – um ihn verkaufen zu können.
Quelle: Ove Arscholl

Einen Katzensprung entfernt raffen Angela Steinicke und Martin Kautz derweil die Segel. Sie sind gerade vom ersten Familientörn des Jahres mit ihren Kindern Martha, Karl, und Greta sowie deren Freund Benjamin Strubel zurück und machen im Museumshafen fest. „Wir sind einmal bis Warnemünde, raus auf die Ostsee und wieder zurück“, sagt Angela Steinicke. Von Bord gehts rauf auf’s Bike. „Morgen möchten wir eine Radtour machen.“ Weil die Kinder coronabedingt lange auf ihren Vereinssport verzichten mussten, will die Familie jede Gelegenheit für Unternehmungen nutzen.

Familie Steinicke hat ihren ersten Segeltörn des Jahres genossen: Martha (7, v. l.), Karls (11), die Eltern Angela Steinicke und Martin Kautz sowie Tochter Greta (18) und deren Freund Benjamin Strubelt (19).
Quelle: Ove Arscholl

Andere lassen’s dagegen ganz entspannt angehen: Am Kai reihen sich etliche Angler auf und hoffen, dass der Hering beißt. Tim wirft den Köder aus am Schnickmannkai aus. Sein Opa hat den Achtjährigen vor Kurzem zum Angeln gebracht. Mit Erfolg. „Beim letzten Mal hab’ ich sechs Fische gefangen.“ So viele müssten’s diesmal nicht sein, sagt er und grinst verschmitzt. „Einer würde mir schon reichen.“

Der achtjährige Tim aus Toitenwinkel will am Schnickmannkai Heringe fangen.
Quelle: Ove Arscholl

Auch alle urlaubsreifen Rostocker und Rostockerinnen müssen sich vorerst wohl mit wenig begnügen: In der neuen Woche soll es laut Wettervorhersage wieder kälter werden. Doch der Sommer kommt bestimmt.

Das „Rost Dock“ ist montags bis freitags ab 14 Uhr und am Wochenende ab 12 Uhr geöffnet.

Von Antje Bernstein

Must Read

Das hat der Sturm bei uns angerichtet

Glimpflicher als erwartet überstand der Landkreis Vorpommern-Rügen den am Donnerstag vorüberziehenden Sturm. Zwar registrierte die Rettungsleitstelle bis zum späten Nachmittag 39 Hilfsleistungen, verletzt...

Bäume und Äste blockieren Straßen

Sturm über der Stadt: Feuerwehr und Polizei mussten am Donnerstag zu mehreren Einsätzen ausrücken, weil starke Winde und Böen über Greifswald und das...

Pendlerin aus Vorpommern bezahlt nun 50 Euro mehr im Monat

Frühmorgens um 5.20 Uhr steigt Simone Rakow im heimischen Starkow nahe Barth (Vorpommern-Rügen) in ihr Auto, startet den Motor, dreht das Radio auf...

Erhöhung der Pendlerpauschale ist nicht sinnvoll

Der Experte für Energie- und Klimaschutzrecht, Simon Schäfer-Stradowsky, spricht sich für einen Paradigmenwechsel für Berufspendler aus. Der Jurist leitet das Institut für Klimaschutz,...

Wer zur Ampel-Koalition die Verhandlungsgruppen leitet

Berlin. Am Donnerstag sind SPD, Grüne und FDP in die Koalitionsverhandlungen zur Bildung einer künftigen Bundesregierung gestartet. In den...