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Sondierungen am Wochenende: Die Parteien im Speed-Dating


Stand: 01.10.2021 21:00 Uhr

Im Zuge der Sondierungen zeigen die beteiligten Parteien immer mehr Profil: Während FDP und Grüne betont optimistisch und selbstbewusst auftreten, halten sich SPD und CDU ungewohnt bedeckt.

Von Eva Ellermann, ARD-Hauptstadtstudio

Es ist wie beim Speed-Dating – immer zwei mögliche Koalitionspartner beschnuppern sich am Sonntag: Am Nachmittag kommen erst FDP und SPD zusammen, am Abend trifft sich die Union mit der FDP und die Grünen sprechen parallel mit der SPD.

Eva Ellermann

Eva Ellermann
ARD-Hauptstadtstudio

Die beiden Kanzlermacher-Parteien FDP und Grüne gehen selbstbewusst in die Gespräche. Nach zwei internen Treffen stellen beide Seiten klar: Wir sind der Aufbruch, und unser Stil ist neu.

„Wir spüren, dass alleine die Art und Weise, wie wir miteinander sprechen und wie wir uns um Lösungen in einer sehr vertrauensvollen Atmosphäre bemühen, für viele Menschen Anlass zur Hoffnung und Motivation ist“, sagt FDP-Chef Christian Lindner.

Grüne und FDP äußern sich positiv zum Verlauf ihrer Sondierungsgespräche

Christian Feld, ARD Berlin, tagesthemen 21:45 Uhr, 1.10.2021

Selfies und Handwerk

Zum neuen Stil von Grün-Gelb gehören nicht nur Selfies auf Instagram, sondern auch solides Handwerk. „Wichtig ist es ja, richtig in einen Prozess reinzukommen: Wenn man eine Schraube schräg einsetzt, dann wird sie nie wieder gerade“, sagt Heimwerker-Experte und Grünen-Parteichef Robert Habeck. „Diese Schraube ist jedenfalls in den ersten Tagen sehr gerade eingesetzt worden – insofern war es guter Start zur Bildung einer neuen Regierung.“

Läuft bei uns, so die Botschaft von Grünen und FDP. In welche Richtung, das lassen beide Seiten mehr oder weniger offen.

Ungewohnt still ist es bei SPD und CDU vor den Wochenend-Gesprächsrunden. SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz gibt sich im „Spiegel“ als Beziehungscoach. Er wird er mit dem Satz zitiert: „Echte Zuneigung entsteht, wenn man sich ernsthaft aufeinander einlässt.“

Union uneins über Jamaika

Aus der Union kommen unterschiedliche Signale zur Jamaika-Koalition mit FDP und Grünen. CSU-Generalsekretär Markus Blume flirtet jetzt doch aktiv: „Jamaika ist eine Chance, Jamaika hat auch eine Chance, Jamaika hat auch Charme“, sagt er. „Wir als CDU wollen jedenfalls alles dafür tun, dass die Möglichkeit, die besteht, genutzt wird.“

Die CDU ist im Moment so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass sie keine Zeit hat für eine Charme-Offensive vor den anstehenden Dates. Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet steht zunehmend unter Druck aus den eigenen Reihen. Frustrierte CDU-Politiker aus Ostdeutschland wollen, dass CSU-Chef Markus Söder Jamaika aushandelt. 

Merz stichelt wieder

Rücktrittsforderungen kommen inzwischen auch schon aus der Bundestagsfraktion. Und der Ruf nach interner Klärung wird immer lauter. Dauerrivale Friedrich Merz nennt seine eigene Partei „denkfaul“ und sät Zweifel am Projekt „Jamaika“ via Twitter – Zitat: „Die CDU hat sich lange auf den Regierungsapparat gestützt und das thematische Arbeiten verlernt. Wir haben den Kontakt zur Lebenswirklichkeit der Menschen nicht überall halten können. Das muss jetzt wieder erarbeitet werden – egal ob in der Regierung oder in der Opposition.“

Dazu kommt: Die Sticheleien aus Bayern gegen den gemeinsamen Kanzlerkandidaten Laschet hören nicht auf.

Das Ergebnis: Die umworbenen Grünen und Liberalen wirken gut sortiert, die Union konfus. Dabei wissen wir doch: Beim Speed-Dating zählt der erste Eindruck.

Speed-Dating möglicher Koalitionspartner

Eva Ellermann, ARD Berlin , 1.10.2021 · 20:06 Uhr

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Forfuture
01.10.2021 • 22:10 Uhr

Die Ampel ist der einzig erträgliche Kompromiss

FDP und Grüne treten auf, als wollten sie den bisherigen Volksparteien und den Wählern mal zeigen, wie man lösungsorientierte, landesdienliche Politik macht. Gut so, auch wenn es manchmal schon auch ein wenig Schmunzel-Potential hat. Die SPD blickt etwas überrascht und argwöhnisch darauf und die CDU/CSU naja, die die „blicken“ aktuell wohl eh nichts mehr. Selbst wenn die Ampel scheitern würde, welche Partei soll denn bitte ihren Wählern klar machen können und wollen, dass man mit DIESER CDU/CSU und dem so unfassbar abgewählten Laschet eine Regierung bilden will? Das große Teile der CDU/CSU dies überhaupt nur in Erwägung ziehen, zeigt schon wie völlig sie den Bezug zur Realität und – ganz besonders – zu den Bürgern verloren hat. Mein auch vorhandenes (nicht wirklich verdientes) Mitleid mit Herrn Laschet verbietet mir, in aller Deutlichkeit den Charakter und das Maß an Anstand und Vertrauenswürdigkeit dieses Mannes und erschreckend vieler seiner Parteimitglieder zu beschreiben.

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