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Sanierung abgeschlossen – Eröffnung im Juli


Um das ehemalige Untersuchungsgefängnis der DDR-Staatssicherheit in Rostock rankten sich nach der Wende zahlreiche Mythen und Legenden. Jetzt ist die Sanierung des Gebäudetraktes abgeschlossen. Und die Landeszentrale für politische Bildung als neue Betreiberin ist überzeugt: Die letzten Geheimnisse der heutigen Stasi-Gedenkstätte sind gelüftet.

Bei der Renovierung tauchten jedenfalls weder Hinweise auf mögliche weitere Untergeschosse noch auf andere verborgene Hinterlassenschaften auf. Am Montag war die offizielle Schlüsselübergabe. Die Sanierung kostete mit rund vier Millionen Euro etwa zehn Prozent mehr und dauerte knapp ein Jahr länger als geplant.

Neue Leiterin ist begeistert

Die künftige Leiterin der Gedenkstätte, Steffi Brüning, ist dennoch „total begeistert“ von ihrer frisch sanierten neuen Wirkungsstätte. „Der Hafttrakt ist sehr gelungen und der Kopfbau als Sitz der Verwaltung ist jetzt viel moderner.“

Steffi Brüning, Leiterin des Dokumentationszentrums in der ehemaligen Stasi-Untersuchungshaftanstalt in Rostock
Quelle: Danny Gohlke

Neu sei unter anderem, dass im Freihof, in dem die Gefangenen zeitweise frische Luft schnappen konnten, ein Teil der Mauern, die dort die einzelnen Boxen der Häftlinge abteilten, wieder aufgebaut wurde. So sollen Besucher einerseits einen besseren Eindruck bekommen, wie es dort tatsächlich aussah. Gleichzeitig sei aber deutlich zu erkennen, was noch original ist und was neu errichtet wurde, meint Brüning.

Blick von oben möglich

Besucher können jetzt auch vom ersten Obergeschoss des Zellentraktes auf den Freihof schauen, da ein Teil des ehemaligen Wachpostengangs, auf dem die Wächter die Gefangenen beobachteten, zugänglich gemacht wurde.

Auch der Direktor der Landeszentrale für politische Bildung, Jochen Schmidt, ist mit der Sanierung „mehr als zufrieden“, wie er betont. „Sie wurde sehr sensibel und in einer ernsthaften Auseinandersetzung mit dem historischen Ort umgesetzt“, lobt Schmidt.

Fingerspitzengefühl gezeigt

Der Hafttrakt wirke auf den ersten Blick so, als sei nicht viel passiert – für Schmidt ein gutes Zeichen. „Gleichzeitig wird er aber jetzt dank der verdeckt verlegten Leitungen den modernen Erfordernissen einer Gedenkstätte gerecht.“

Als Beispiel für das Fingerspitzengefühl bei der Renovierung nennt Schmidt den Fußboden aus Glasbausteinen, der nicht mehr tragfähig war. „Statt ihn komplett zu erneuern, konnte mithilfe von originalen Ersatzbausteinen, die im Keller gefunden wurden, ein Großteil des alten Bodens erhalten werden.“

Größtes Geheimnis bleibt

Ein weiterer positiver Aspekt der Sanierung ist für Schmidt, dass der Haupteingang von der Süd- auf die Westseite des Verwaltungstraktes verlegt wurde. „Dadurch können wir künftig Gruppen besser in Empfang nehmen.“ Vorher traten sich Gruppenmitglieder im engen Eingangsbereich regelrecht auf die Füße.

Das größte Geheimnis des ehemaligen Untersuchungsgefängnisses wird aber wohl für immer eines bleiben: Der frühere Häftling Karl Krüger war immer davon überzeugt, dass es unter den heute bekannten Anlagen noch einen Bunker gibt, in dem er 1978 selbst gefoltert worden sei. Tatsächlich wurde an der Stelle, wo Krüger einen Zugang zu dem Bunker vermutet, ein mit Schutt verfüllter Hohlraum gefunden – aber sonst nichts. „Es wurde getan, was möglich war“, versichert Schmidt. „Aber nach menschlichem Ermessen ist dort jetzt nichts mehr zu erwarten.“

Drei Ausstellungen geplant

Dafür gibt es an Veranstaltungen demnächst einiges in der Gedenkstätte zu erwarten: Am 2. Juli ist die offizielle Eröffnung. Bis dahin soll eine vorübergehende Ausstellung als Zwischenlösung aufgebaut werden. „Die neue Dauerausstellung wird derzeit konzipiert“, so Schmidt.

Zudem soll zur Eröffnung eine Wanderausstellung des Bundesarchivs gezeigt werden, in das die Unterlagen der Stasi-Unterlagenbehörde übergehen sollen. Die Schau „Geschichte und Erinnerung“ bietet den Besuchern einen virtuellen Blick hinter die Kulissen des Bundesarchivs. Am 13. August soll dann eine Ausstellung zum 60. Jahrestags der Berliner Mauer eröffnet werden, kündigt Leiterin Brüning an.

Erste Besucher sind Ex-Häftlinge

Derzeit würden zudem bereits Kontakte zu Schulen und Schulämtern geknüpft, damit Schülergruppen die Gedenkstätte möglichst bald wieder besuchen können. Gerade für sie soll der Bereich Medien und Digitales deutlich ausgebaut werden, so Brüning.

Schon vor der offiziellen Eröffnung sollen aber am 17. Juni, dem Jahrestag des 1953 blutig niedergeschlagenen Arbeiteraufstands in der DDR, ehemalige Häftlinge ihren früheren Leidensort besichtigen können. Die Gedenkstätte rechnet mit etwa 15 Teilnehmern – auch abhängig von der weiteren Entwicklung der Corona-Pandemie.

Von Axel Büssem

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