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RoboCup: Wettbewerb für Rettungsroboter in Dortmund


In Dortmund soll am Freitag das Deutsche Rettungsrobotik-Zentrum (DRZ) feierlich eröffnet werden. Im Vorfeld wurde das „Living Lab“, das zukünftig im Zusammenspiel von Forschern und Anwendern die Entwicklung von Robotern für Rettungseinsätze voranbringen soll, schon mal von RoboCup-Teams für einen kleinen Wettbewerb genutzt.

Sechs Teams beteiligten sich an dieser DRZ Edition der RoboCup Rescue German Open. Während die üblicherweise im Frühjahr ausgetragenen RoboCup German Open wegen der Covid-19-Pandemie auch in diesem Jahr komplett abgesagt werden mussten, bot dieses Turnier zumindest den Teilnehmern der RoboCup Rescue League eine willkommene Gelegenheit, nach der durch das Coronavirus erzwungenen Pause ihre Roboter endlich mal wieder an einem Ort zu versammeln.

Das Team Capra war sogar extra aus Montréal angereist. Der Aufwand habe sich gelohnt, sagte ein Teammitglied. Zu Hause hätten sie nicht so umfangreiche Testmöglichkeiten, wie sie so ein Wettbewerb biete. Als relativ junges Team, das sich erst nach der RoboCup-WM 2018 in Montréal formiert habe, hätten sie auch bei diesem eher abgespeckten Turnier mit lediglich zehn Aufgaben in der Vorrunde viel lernen können. Sie nähmen viele Ideen zur Verbesserung ihres Roboters für die nächste Weltmeisterschaft mit. Die soll, sofern Corona es erlaubt, im kommenden Jahr in Bangkok stattfinden.

In Dortmund waren in der Vorrunde in den vergangenen Tagen zunächst in kleinen Arenen einige vom RoboCup bekannte Spezialaufgaben zu erledigen, etwa Fortbewegung in Sand oder Kies, Öffnen von Türen oder die autonome Erkennung von Objekten. Die hierbei erzielten Leistungen machten vier Fünftel der Gesamtpunktzahl aus. Das Finale steuerte dann das letzte Fünftel bei.

Diese Endrunde wiederum, an der nur noch vier Teams teilnahmen, stellte Aufgaben, die so noch nicht beim RoboCup zu sehen waren: So mussten die Roboter zunächst eine Tür öffnen, dann durch einen mit Kunstnebel gefüllten Raum navigieren, den Weg blockierende Holzlatten wegräumen, einen heißen Kanister erkennen und mit einem Zapfen verschließen, zwei Ventile öffnen sowie die Markierungen von Gefahrengütern erkennen und in einer Karte eintragen. Insbesondere das aus der Feuerwehrpraxis stammende Verschließen des Kanisters zeigt, dass der Austausch von Praktikern und Forschern im DRZ bereits erste Früchte in Gestalt neuer Wettbewerbsaufgaben trägt.

Roboter Eduard des Teams Siemens Space Agency bewährte sich bei den Mobilitätstests in der Vorrunde. (Bild: Hans-Arthur Marsiske)

Auch der mit Nebel gefüllte Raum war neu, stellte für die Teams aber keine große Herausforderung dar. Sie orientierten sich mit Wärmebildkameras, optischen Kameras oder auch mit Lasersensoren, deren geringe Reichweite aufgrund der kleinen Abmessungen des Raums ausreichten. Im Falle eines richtigen Feuers wäre der Rauch natürlich warm, auch die Partikelgröße wäre anders, räumt Robert Grafe, Geschäftsführer des DRZ, ein. Es sei aber gerade eine Aufgabe des DRZ, die Eigenschaften des Rauches genauer zu definieren, um zukünftig quantifizierbare Standardtestmethoden für dieses Einsatzfeld zu entwickeln, ähnlich wie bei Kies und Sand mit ihren genau festgelegten Korngrößen.

Helfen könnte dabei das in der Halle installierte Motion Capture System. 40 über den Raum verteilte Kameras erlauben es, Objekte bis auf 0,03 Millimeter genau zu lokalisieren und so etwa die Selbstlokalisierung der Roboter sehr präzise zu testen. Es sei vom erfassten Volumen her wahrscheinlich das größte Motion Capture System in ganz Europa, vermutet DRZ-Vorstandsmitglied Oskar von Stryk. Das von ihm an der TU Darmstadt aufgebaute RoboCup-Team Hector gewann als Gesamtsieger dieses Turniers auch gleich eine eintägige Nutzung dieses hochkarätigen Labors. Da es aber ohnehin schon eng mit dem DRZ kooperiert, gab es den Preis weiter an das nur knapp auf den zweiten Platz verwiesene Team AutonOHM von der TH Nürnberg.

Wettbewerbsleiter Johannes Pellenz hob bei der Preisverleihung hervor, dass alle Roboter auf Anhieb gut funktioniert hätten, was keineswegs selbstverständlich sei. Die Veranstaltung habe sich auf dem weltweit mittlerweile etablierten hohen Niveau bewegt. Das zeigt sich auch daran, dass selbst die Teams, die keine Spitzenplatzierung erreichen konnten, sich mit dem Ergebnis sehr zufrieden zeigten.

So konnte das Team Dynamics der FH Oberösterreich dank eines selbst entwickelten Betriebssystems mit einer sehr stabilen Kommunikation punkten. Auch die Steuerung des Manipulatorarms bewährte sich. Das Team Francor hingegen freute sich, dass der erst kurz vor dem Turnier installierte Arm überhaupt funktionierte. Das Team Siemens Space Agency, das mit dem für Ausbildungszwecke konzipierten Roboter Eduard zum ersten Mal überhaupt beim RoboCup antrat, setzt wie Francor auf Open Source und verwendet das für Industrieroboter entwickelte Betriebssystem ROS 2. Da der Roboter noch nicht mit einem Manipulatorarm ausgestattet ist, konnte er am Finale nicht teilnehmen. Gleichwohl fühlen sich die Teammitglieder in ihrem Ansatz bestätigt und freuen sich auf die nächsten Turniere.


(olb)

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