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Pilzsammler aufgepasst: Apps sind nicht hilfreich



Herbstzeit ist in Niedersachsen Pilzzeit. Um essbare von giftigen zu unterscheiden, gibt es Apps. Das Giftinformationszentrum warnt vor vielen Apps und Suchmaschinen.

Göttingen – Der Trend zur regionalen Küche macht auch vor Pilzen keinen Halt. Sie wachsen vor der Haustür und das gemeinsame Sammeln im Wald sorgt für Bewegung in der Natur und Spaß. Doch sehr schnell kann auch der Notruf (Telefon 112) zur Spaßbremse werden. Und zwar, wenn man essbare und giftige Pilzen verwechselt. Je nach Pilz kann es mehrere Stunden dauern, bis Symptome einer Vergiftung spürbar sind. Beim Weißen Knollenblätterpilz kann Latenzzeit bis zu 12 Stunden dauern.

Steinpilz Essbar
Flockenstieliger Hexenröhrling Essbar
Satansröhrling Giftig
Pantherpilz Giftig

Pilzvergiftungen: „Wer im Herbst auf Pilzsuche geht, sollte sich nicht auf Apps oder Google verlassen“

Inzwischen gibt es eine Menge an Apps. Sie sollen dem Pilzsammler dabei helfen, essbare von giftigen Pilzen zu unterscheiden. „Wer im Herbst auf Pilzsuche geht, sollte sich nicht auf Apps oder Google verlassen“, sagt das Giftinformationszentrum (GIZ) Nord. Derzeit gibt es wieder vermehrt Meldungen über Pilzvergiftungen bei der Beratungsstelle der Universitätsmedizin Göttingen. Laut diversen Experten beziehen die Apps zu wenig Merkmale in die Bestimmung mit ein.

„Zurzeit melden sich rund eine Handvoll Menschen täglich bei uns“, sagt Andreas Schaper. Der Toxikologe leitet mit seinem Kollegen Martin Ebbecke das GIZ-Nord, das für die Länder Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein zuständig ist. Sommer und Herbst seien die Hochzeit bei Pilzvergiftungen. Bisher habe es keine Toten zu beklagen gegeben. Oft handele sich aber um Vergiftungen mit Knollenblätterpilzen. „Das Gift dieses Pilzes kann die Leber zerstören und zum Tod führen“, erklärte Schaper.

Pilze: Gut informieren statt auf Doppelgänger hereinfallen

Wer Pilze sammeln möchte, sollte sich vorher gut informieren, welche Arten genießbar sind. Anfänger sollten nicht ohne erfahrene Begleitung losziehen. Auf Pilz-Lehrwanderungen mit Experten lässt sich das Bestimmen erlernen. Viele essbare Pilze haben einen giftigen „Doppelgänger“ und sind für Laien kaum auseinander zu halten. Lehrwanderungen finden oft zwischen September und November – also während der Pilzsaison statt.

Im Wald darf der Sammler nicht unendlich viele Pilze mit nach Hause nehmen. „Für den Eigenbedarf“, heißt es. Die schwammige Formulierung meint meist ein bis zwei Mahlzeiten. Wichtig für einen gut gefüllten Sammelkorb ist es, dass es in den vergangenen Wochen viel Regen gab, denn die Böden müssen für das Pilzwachstum feucht sein. In Naturschutzgebieten und Nationalparks ist das Pilzesammeln ausnahmslos verboten, schreibt der Nabu.

Ein Maronenröhrling wird mit kurz über dem Boden einem Messer abgeschnitten.

© Jens Wolf/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

In vielen Fällen vergiften sich dem Experten Andreas Schaper zufolge aus dem Ausland zugezogene Menschen. Diese kennen aus ihrer Heimat Pilze, die in Deutschland wachsenden Exemplaren sehr ähnlich sehen. „Nur die einen sind harmlos und die anderen können sehr giftig sein“, betonte Schaper. Vor dem Pilzesammeln sei es deshalb wichtig, sich umfassend zu schulen. Apps oder Internetrecherchen seien nicht ausreichend. Schaper: „Im Zweifel gesammelte Pilze besser nicht essen.“

1000 Pilzvergiftungen pro Jahr und neuartige Drogen

Rund 1000 Pilzvergiftungen und Verdachtsfälle pro Jahr werden dem Notruf üblicherweise gemeldet. Insgesamt erlangt die Beratungsstelle jährlich von mehr als 40.000 möglichen Vergiftungen Kenntnis. Bei den Beratungen geht es aber auch um Unverträglichkeiten, überwiegend was Arzneimittel sowie chemische Produkte betrifft. Des Weiteren kann in vielen Pilzen noch Radioaktivität nachgewiesen werden.

Seit einiger Zeit bereiten sogenannte neue psychoaktive Substanzen den Fachleuten Sorgen. Neuartige Drogen mit Namen wie „Spice“, „Kräutermischung“ oder „Badesalz“ werden seit fünf bis sieben Jahren häufiger gemeldet. Auch synthetische Cannabinoide, also künstlich hergestellte Rauschmittel, die Cannabis ähneln, fallen nach Schapers Angaben auf. „Die Zahlen explodieren nicht“, sagte der GIZ-Nord-Leiter. „Aber sie treiben uns um.“ * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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