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Pauline Stopp aus Greifswald – infantile Impressionen


Keine Wurstfinger, aber eine dicke Wurst als Telefonhörer zählt zu einem der ausgefallenen Werke, das Pauline Stopps Kreativität entsprungen ist. Bei der Künstlerin ist alles etwas anders als gedacht, sogar die Musik, die sie beim Autofahren hört – ihre Mitfahrgelegenheiten fassen das in den nachträglichen Bewertungen gern so zusammen: „Hört verrückte Musik“. Ganz ohne Mitfahrgelegenheit, aber bestückt mit den Flügeln ihrer Familie, hat sie es zur freischaffenden Künstlerin gebracht.

„Im Erzgebirge wird man immer angequatscht“

„Mach nur“, hat ihre Familie gesagt, als Pauline Stopp, aufgewachsen in einer Arbeiterfamilie im Erzgebirge, Kunst in Greifswald studieren will. „Zuerst war es ein Kulturclash“, erzählt die 32-Jährige, quirlig, wendig, im Tun und Denken, als sie von den redseligen Sachsen auf die eher mundfaul anmutenden Nordlichter stößt.

Inzwischen findet sie die vermeintlich stoische Ruhe der Menschen in Mecklenburg-Vorpommern ganz angenehm. „Im Erzgebirge wird man immer angequatscht, hier wird eher nur das Nötigste geredet.“ Und gerade diese zwischenmenschlichen Beziehungen sind es auch, die Pate stehen und Inspiration bieten für ihre Werke.

Blick in die Vorgärten der Menschen

„Ich betrachte gern Lebenssituationen, werfe den Blick in Vorgärten, beobachte Menschen, wie sie miteinander agieren.“ Die Hansestadt Greifswald bietet für Pauline Stopp nicht nur Vorteile auf ihrer künstlerischen Laufbahn. Auch gesundheitlich geht es ihr viel besser, seit sie in der Nähe zum Meer in Mecklenburg-Vorpommern lebt. „Ich habe Mukoviszidose, aber die Luft hier ist gut für meine Krankheit.“ So kann die Künstlerin freier wirken und gestalten, oft beeinflusst von ihrem Musik- und Filmgeschmack, geprägt durch die 80er Jahre, Synthie, Wave und Independent.

Bild aus der Serie „Ent|le|gen|heit, die“.
Quelle: Thomas Haentzschel

„Mir geht es um das Inhaltliche, nicht ums Zeichnen“

„Früher war das so, dass ich gar nicht wusste, was ich zuerst machen sollte, vor lauter Ideen.“ In der Coronazeit aber war auch sie gehemmt, bangte darum, dass ihre Kreativität überhaupt wieder zurückkommt. „Mal habe ich vor Ideen gesprudelt, war extrovertiert, introvertiert und wollte auch mal ganz für mich sein. Aber jetzt geht es wieder“, sagt die Wahlgreifswalderin. Entgegen ihrer spritzigen Energie reduziert sie sich in ihren Werken oft aufs Wesentliche.

Zur Person

Pauline Stopp, 1989 geboren und im Erzgebirge aufgewachsen, studierte Textilkunst und -design in Schneeberg. Für ihre Bachelorarbeit „Fluoreszierende Jugend“ erhielt sie ein Bernhard-von- Lindenau-Stipendium.

2013 bis 2018 schloss sich das Studium der Bildenden Kunst in Greifswald an. Dank Stipendien folgten Aufenthalte im Künstlerhaus Lukas in Ahrenshoop, in Österreich und China. 2018 erhielt sie den Nachwuchspreis für Bildende Kunst in Mecklenburg-Vorpommern und 2019/2020 das Caspar-David-Friedrich-Stipendium.

Die freischaffende Künstlerin lebt in Greifswald.

Im Vordergrund steht die Benutzung gebrauchter Papiere, Erinnerungen aus Kindertagen, Dinge, Fundstücke, die bereits eine Geschichte erlebt haben. „Ich spiele gerne, versuche das Kindliche zu entdecken.“ Auch in ihren Bildern setzt sich das Infantile durch – mit Absicht. „Ich mag diesen kindlichen Duktus, mir geht es um das Inhaltliche, nicht ums Zeichnen.“

Pauline Stopps Werk „Olaf“.
Quelle: Thomas Haentzschel

Sie kann „fließend“ Spiegelschrift schreiben

Pauline Stopp hält der Gesellschaft gern optisch den Spiegel vor. Gespiegelt sind unterdessen auch ihre Zahlen und Worte, denn sie schreibt „fließend“ Spiegelschrift, die auch in ihren Kunstwerken Platz findet. „Ich bin Linkshänderin, da hat sich das so ergeben.“

Das Werk „Find me“.
Quelle: Thomas Haentzschel

Sie signiert ihre Bilder also nicht nur quasi mit links. Viel ergibt sich auch erst während ihres Werkens. „Oft weiß ich am Anfang gar nicht, was am Ende dabei herauskommt.“ Nicht zu wissen, was kommt, und sich darauf einlassen – ein Lebensprinzip der Künstlerin.

„Es bleibt eine Herausforderung“

„Wo andere sich mehr Gedanken um die Zukunft machen, denke ich eher, einfach probieren und wenn’s nichts wird, mach ich eben was anderes.“ Bis hierhin hat das Prinzip gut funktioniert. „Es ist toll, dass ich von meiner Kunst leben kann, und bin stolz, was ich alles bekommen habe.“ Trotzdem lebt auch sie nicht ohne Bedenken, was ihre künstlerische Selbstständigkeit betrifft. „Zweifel sind immer da, das Durchhalten ist auch schwierig. Es bleibt eine Herausforderung.“

So ersteigern Sie Werke bei der OZ-Kunstbörse 2021

Bei der OZ-Kunstbörse 2021 kommen auch in diesem Jahr wieder Werke von Künstlerinnen und Künstlern unter den Hammer, die in Mecklenburg-Vorpommern leben und arbeiten. Wenn Sie eins oder mehrere davon ersteigern möchten, haben Sie schon vor der Auktion am 26. November in Rostock die Möglichkeit, Gebote über unser Online-Formular abzugeben.

Wählen Sie dazu die entsprechende Arbeit aus und geben Sie Ihr Maximalgebot ein. Anschließend bitten wir Sie um eine Registrierung. Wir benötigen Ihre Kontakt-Daten, um Sie bei einem erfolgreichen Bieten um das Kunstwerk zu benachrichtigen. Sobald Sie sich registriert haben, ist Ihr Gebot rechtskräftig.

Der endgültige Zuschlag wird allerdings erst während der Auktion Ende November in Rostock erteilt. Werden Sie dort nicht überboten, erhalten Sie – wie bei eBay – das Kunstwerk zu dem Preis, der nötig ist, um das höchste Gebot im Saal zu übertreffen.

Alle Künstler-Porträts finden Sie auf ostsee-zeitung.de/kunstboerse.

Fragmentarisch und rätselhaft – Stopps zeichnerisches Tagebuch

2016 wurde Pauline Stopp aus dem Erlös der OZ-Kunstbörse mit einem Stipendium gefördert, das ihr den Aufenthalt im Künstlerhaus in Ahrenshoop ermöglichte. Dieses Jahr ist sie selbst mit ihren Werken in der Auktion dabei. Ein Teil davon entspringt ihrer Unvollendeten, die sich in ihrem Atelier im untersten Regal stapelt. Gerahmte Bilder. „Eine Art zeichnerisches Tagebuch, es bleibt fragmentarisch und rätselhaft.“

Von Anja von Semenow

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