Start day-news Ostseehalle auf Rügen-Radio-Gelände in Glowe wird eröffnet

Ostseehalle auf Rügen-Radio-Gelände in Glowe wird eröffnet


Im Vorbeifahren könnte man sie fast übersehen: Die neue Mehrzweckhalle in Glowe steht nicht in erster Reihe an der Straße, sondern ein ganzes Stück entfernt davon. Zwischen den benachbarten Neubauten mit der zum Teil nüchtern und kühl anmutenden Architektur fällt der große „Zweckbau“ gar nicht auf. Dass die wahren Werte sich im Innern verbergen, bewahrheitet sich auch in diesem Fall: Die Halle wirkt so edel, dass man sie sich nur schwer im harten Trainingsbetrieb vorstellen mag. Und sie steckt voller technischer Raffinessen. Einen Eindruck davon können sich die Glower und ihre Gäste am Wochenende verschaffen. Bevor die Halle offiziell zur Nutzung freigegeben wird, lädt die Gemeinde am Sonnabend und Sonntag jeweils von 10 bis 16 Uhr zum Tag der offenen Tür ein.

Für die OZ hat Hallenwart Lutz Junghans vorab schon einmal die Türen aufgeschlossen. Gleich am Eingang wird deutlich: Das hier ist keine normale Sporthalle. „Sollte sie auch nicht sein“, unterstreicht Bürgermeister Thomas Mielke. Die Kommune hatte das Bauwerk von Anfang an so geplant, dass sowohl sportliche als auch andere kulturelle Veranstaltungen bis hin zu Familienfeiern in dem Gebäude möglich sind – zum Teil sogar gleichzeitig, ohne dass die Beteiligten einander in die Quere kommen. Hinter den großen Glasflächen am Eingang gibt es ein Foyer, einen kleinen Partyraum, eine Küche und separate Sanitäranlagen. Durch eine große Glastür ist dieser Bereich von den Funktionsräumen der Sport- und Veranstaltungshalle getrennt. „Hier kann also im vorderen Bereich ein Lichtbildervortrag gehalten oder ein Familienfest gefeiert werden, ohne dass dadurch der Trainings- oder Veranstaltungsbetrieb in der großen Halle gestört wird“, sagt Junghans.

Prallwände aus edlem Massivholz

Die ist das Herz- und das Schmuckstück des Hauses. Ob Konzert- oder Sporthalle – auch wer sich lange und gründlich umsieht, bleibt in dieser Frage unschlüssig. Es gibt nicht die üblichen Prallwände aus Filz, stattdessen eine edle Wandverkleidung aus hellem, durchlöchertem Massivholz. Eine hochwertige federnd gelagerte Prall- und Schallschutzwand, die dem Raum einen Hauch Noblesse verleiht. Basketballkörbe, Sprossenwand oder Kletterstangen, die üblicherweise zur Grundausrüstung einer Turnhalle zählen, fehlen hier. „Wir haben bestimmte Dinge ganz bewusst abgewählt“, sagt Junghans. Die „Ostseehalle“, wie die Gemeinde den Bau getauft hat, sollte eben nicht stramm auf Sportbetrieb getrimmt werden und die Wünsche aller Sportler befriedigen, sondern eine Symbiose aus Kultur-Tempel und Sportstätte werden. Volleyball, Handball, Hallenfußball, Federball – dafür gebe es aktuell in Glowe Interessenten, und an deren Bedürfnissen habe man sich orientiert. Frisch eingetroffen sind in dieser Woche vier nagelneue Tischtennisplatten. Diese Sportart ist unter den Bewohnern des Ortes sehr beliebt.

Platz für bis zu 199 Besucher

Zuschauer können die Spiele von einer kleinen Tribüne aus verfolgen. Die haben Rügener Unternehmen eigens für die Halle maßgeschneidert. Sie befindet sich hinter einer gläsernen Bande und kann bei Bedarf durch ein Ballfangnetz, das elektrisch von der Decke herabgelassen wird, zum Spielfeld hin gesichert werden. Bei kulturellen Veranstaltungen reichen die wenigen Plätze auf den Bankreihen natürlich nicht aus. In einem Nebenraum lagern außer den Stehtischen für mögliche Empfänge auch dutzende neue Stühle. In der Halle ist Platz für insgesamt 199 Besucher. Zwei mobile Bühnen können aufgebaut werden: an der langen Nordseite und auf dem kurzen Westgiebel.

Wer darauf stehen wird, kann Roland Drossel derzeit noch nicht sagen. „Es gibt viele Ideen für künftige Veranstaltungen“, sagt der Leiter der kommunalen Betriebe der Gemeinde. Lesungen, Vorträge, Ausstellungen, Kabarett, Puppentheater, Konzerte, Tanzveranstaltungen, aber auch Kreativwerkstätten, Sportfeste und sogar ein Weihnachtsmarkt seien denkbar. „Vieles wird sich von selbst ergeben“, ist sich Drossel sicher. Die Gemeinde werde in der Halle ein Brett aushängen, auf dem jeder einen Zettel mit einem kulturellen oder sportlichen Angebot beziehungsweise mit einem Wunsch für ein solches hinterlassen kann. Auf diese Art und Weise könnten Menschen mit gleichen Interessen zueinanderfinden.

Faschingsparty und Schattenboxen

Die ersten Nutzer scharren schon mit den sprichwörtlichen Hufen. Die Schule möchte in der Ostseehalle Einschulung und Fasching feiern sowie den Kindern hier Training im Rahmen der Sport-Arbeitsgemeinschaften anbieten. Private Sport- und Freizeitgruppen haben sich gemeldet und wollen Tischtennis, Fuß- und Federball spielen oder Schattenboxen beziehungsweise Tanzen trainieren. „Dreimal monatlich werden wir ein Kulturangebot zu den Seniorennachmittagen unterbreiten“, so Roland Drossel. Die Feuerwehr werde hier alle zwei Wochen trainieren und die Gemeinde mit Hilfe von externen Trainern Gesundheitsangebote, wie Zumba-Tanzen, Bauch-Beine-Po-Gymnastik, Seniorensport und Rückenfitness, anbieten. Für Besitzer der Kurkarte ist die Teilnahme günstiger, zum Teil sogar kostenlos.

Ohne Bewegung wird es duster

Auf welche Art auch immer die Halle genutzt wird: Ohne Bewegung wird es zappenduster. Wenn die Sensoren eine Viertelstunde lang keine Bewegung registriert haben, schalten sie das Hallenlicht aus – eine Vorsichtsmaßnahme, falls die Sportler oder andere Nutzer beim Nachhausgehen vergessen, den Lichtschalter zu betätigen. Ein anderer Lichteffekt hat sich ganz ungewollt ergeben: Die unter der Decke installierte farbige Bühnenbeleuchtung lässt die Halle auch äußerlich erstrahlen. An der Decke befindet sich ein umlaufendes Fensterband, das bei eingeschalteter Partybeleuchtung von außen wie ein überdimensionales Leuchtreklameband wirkt.

Ein Millionenprojekt

Rund 1000 Quadratmeter groß ist die Grundfläche der neuen Ostseehalle in Glowe. Davon entfallen gut 400 Quadratmeter auf die Mehrzweckhalle, 44 Quadratmeter auf den Mehrzweckraum und 35 Quadratmeter auf das Foyer.

Die Halle kann durch einen Schallschutz-Vorhang in der Mitte quer in zwei gleich große Hälften geteilt werden.

Ursprünglich sollte der Bau zu Beginn des Jahres fertig werden und etwas weniger kosten. Sowohl die Bauzeit hat sich verlängert als auch das Vorhaben leicht verteuert. Es wird jetzt mit Kosten von 3,6 statt wie geplant 3,4 Millionen Euro gerechnet. 90 Prozent der Summe kommen aus Fördermitteln des Landes.

Die Einwohner und Gäste des Ortes sind am Sonnabend und Sonntag jeweils in der Zeit von 10 bis 16 Uhr zu einem Tag der offenen Tür eingeladen. Es wird eine kleine Bühne aufgebaut sowie eine Videowand, die Besucher können sich in allen Räumen umschauen und auf der neuen Tribüne Probe sitzen. Im Mehrzweckraum werden alte Dias mit Aufnahmen von Glowe gezeigt. Außerdem wird der Förderverein der Feuerwehr wieder seinen legendären Erbseneintopf anbieten.

Von Maik Trettin

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