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Oper „Das Rheingold“ von Richard Wagner kommt auf die Bühne


Einst wurde Rostock das „Bayreuth des Nordens“ genannt, inzwischen wird diese Tradition nicht mehr gepflegt. So sieht es Horst Kupich, der an der Hochschule für Musik und Theater (HMT) in Rostock lehrt. „Zuletzt gab es in Rostock die Meistersinger“, sagt Horst Kupich, „das ist jetzt so 25, 30 Jahre her“, so seine Einschätzung. Auch zum Richard-Wagner-Jahr 2013, das zum 200. Geburtstag des Komponisten abgehalten worden war, wurde die Chance in Rostock verpasst, diese Tradition wiederaufleben zu lassen.

Aber jetzt ist es wieder so weit. In Rostock wird wieder eine Wagner-Oper auf die Bühne gebracht: „Das Rheingold“ hat in dieser Woche in der HMT Premiere. Die Oper wurde bereits 1869 uraufgeführt und bietet in seinem Stoff heute noch aktuelle Bezüge, so die Allmachtsfantasien von Wotan, erläutert Horst Kupich. Er inszeniert das Werk.

Musik an zwei Klavieren

Das Besondere dabei: Es wird kein Orchester eingesetzt, die Musik wird an zwei Klavieren gespielt. Dazu hat Christian Hammer, der die musikalische Leitung innehat, eine neue Partitur geschrieben, erklärt Horst Kupich. Die für zwei Klaviere adaptierte Musik bildet die musikalische Grundlage für die neue Inszenierung. Das tut der Präsentation dieses Werkes aber keinen Abbruch, denn die Gesangspartituren bleiben, wie sie sind. Auch ein Bühnenbild und Kostüme wird es geben. So wird sich an den Gesangsvorträgen nicht viel ändern, im Gegenteil, sie werden in diesem Klangbild noch besser zur Geltung kommen. Rund zweihalb Stunden Laufzeit hat das Werk in der geplanten Inszenierung.

Rollen mit Studierenden besetzt

Unter der Leitung von Horst Kupich wird seit Wochen für dieses ambitionierte Projekt eifrig geprobt. Alle Rollen sind mit Studierenden der HMT besetzt, es gab ein internes Casting. Alle Rollen sind doppelt besetzt, um möglichst viele Studierende in dieses Projekt einzubeziehen, so dass zwei Ensembles getrennt voneinander auf der Bühne stehen werden. Zur Besetzung gehören unter anderem Julia Eckes, die die Rolle der Fricka singen wird, Lino Ackermann (in der Rolle des Alberich) und In Hyeok Park, der die Partien von Loge und Froh singen wird.

Allein als es darum ging, die großen Textmengen zu lernen, war bereits klar, was für eine große Aufgabe mit diesem Werk auf sie zukommt. „Das ist echt schwer“, sagt zum Beispiel der Sänger In Hyeok Park, der aus Südkorea kommt und in Rostock studiert. Aber der 29-Jährige ist wie alle Mitwirkenden stolz, bei diesem Projekt, bei dieser Herausforderung dabei zu sein. „Es ist ein großer Luxus“, sagt Julia Eckes darüber. Sänger Lino Ackermann ist besonders beeindruckt von den schwierigen Gesangspassagen. Und die neue Inszenierung ist auch organisatorisch eine Herausforderung für alle Studierenden, denn sie absolvieren die Proben zusätzlich zum üblichen Lehrbetrieb an der HMT. Für alle ist also viel Disziplin nötig. Der Idealismus, von dem dieses Projekt lebt, überträgt sich auf alle daran Beteiligten in der HMT, auch auf Techniker oder das Bühnenpersonal.

Vorgeschichte erforscht

Die Vorgeschichte des Bezugs von Rostock zu Richard Wagner hat der Rostocker Theaterförderverein ausführlich erforscht, insbesondere durch den Historiker Seraphin Feuchte. Ein Blick zurück: Bis zum Jahr 1925 entwickelte sich das Rostocker Stadttheater zu einer der führenden Spielstätten in Deutschland, die Werke von Richard Wagner aufführten. Bereits 1895 wurde das neue Stadttheater eingeweiht, bis zum Jahr 1933 gingen in Rostock 676 Wagner-Aufführungen über die Bühne. Der Wagner-Anteil am Opernspielplan lag damals bei über 20 Prozent.

Im Dritten Reich sank kurioserweise der Anteil der Wagner-Produktionen wieder ab. Ein schwerer Schlag für das Rostocker Theaterleben war, dass das Stadttheater 1942 bei Bombenangriffen stark zerstört wurde und damit eine repräsentative Spielstätte fehlte. 1948 wurde die Ruine abgerissen. Die Wagner-Tradition wurde in kleinerem Maße auch zur DDR-Zeit im Volkstheater Rostock weitergeführt. Auch nach der Wende von 1989/90 kam Wagner wieder in den Spielplan. Aber ein „Bayreuth des Nordens“ wurde Rostock nie wieder.

Die Aufführungstermine

Es gibt zwei Premieren, weil zwei unterschiedliche Besetzungen spielen. Die Aufführungen sind am 14. sowie am 16. Oktober im Katharinensaal der HMT. Weitere Vorstellungen finden am 22. und am 24. Oktober statt. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr. Auch Streamings der Oper werden angeboten, sie laufen am 18. und am 20. Oktober auf der Internetseite der HMT und beginnen ebenfalls um 19.30 Uhr. Die Karten kosten 17 Euro, ermäßigt 9,30 Euro. Es gilt auch das Kulturticket der Studierenden in Rostock. Karten gibt es an den bekannten Vorverkaufsstellen und an der HMT-Abendkasse.

Bereits am 13. Oktober um 18 Uhr wird in der HMT ein Einführungsvortrag zur Oper „Das Rheingold“ angeboten. Er steht unter dem Titel „Ihren Ende eilen sie zu“, gehalten wird der Vortrag um 18 Uhr vom HMT-Rektor Reinhard Schäfertöns im Katharinensaal. Der Eintritt dazu ist frei.

Jetzt kommt nicht nur ein Rostocker Publikum wieder in den Genuss des „Rheingolds“. Auch die jungen Studierenden an der HMT werden auf diese Weise mit Wagner-Werken in Berührung gebracht. Also wird die Präsentation dieses Werks mehr als ein Blick in die Tiefen des deutschen Musiktheaters. Gemeinsam steuern alle Beteiligten jetzt auf die beiden Premierentermine in dieser Woche an der HMT zu.

Von Thorsten Czarkowski

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