Start day-news Neues Krematorium für Rostock? Warum es noch keine Entscheidung gibt

Neues Krematorium für Rostock? Warum es noch keine Entscheidung gibt


Die Entscheidung ist immer noch nicht gefallen: Wird das in die Jahre gekommene Rostocker Krematorium auf dem Neuen Friedhof erneuert und erweitert oder doch völlig neu gebaut? Darüber entscheiden muss die Bürgerschaft. Die Vorlage dafür befinde sich in den letzten Zügen, wie Ute Fischer-Gäde, Leiterin des Amtes für Stadtgrün, Naturschutz und Friedhofswesen nun erklärt.

Das fast 100 Jahre alte Gebäude sei zu klein, technisch veraltet und entspreche nicht mehr den Ansprüchen der Hinterbliebenen, führte der zuständige Umweltsenator Holger Matthäus (Grüne) bereits im Februar gegenüber der OZ aus. Bereits damals wurde das Thema unter den Rostocker Fraktionen diskutiert: Solle das Krematorium in kommunaler Hand bleiben oder holt man private Unternehmen an Bord?

Anstieg der Feuerbestattungen

3500 Einäscherungen finden derzeit jährlich im Rostocker Krematorium statt.

Aufgrund des demografischen Wandels rechne man laut Amt für Friedhofswesen in den kommenden Jahren mit einem Anstieg.

Laut Prognosen der kommunalen Statistikstelle wird die Altersgruppe der über 80-Jährigen im Jahr 2035 im Vergleich zu 2019 um rund 1500 angestiegen sein. Die Gruppe zwischen 65 und 80 Jahren wird voraussichtlich um rund 3200 wachsen.

Familien haben den Wunsch im Krematorium dabei zu sein

„Zumindest diese Frage hat sich mit dem neuen Bestattungsgesetz, das erst kürzlich im Landtag verabschiedet wurde erledigt“, sagt Fischer-Gäde. „In MV muss kommunal bestattet werden.“ Und das sei auch gut so: „Wir wollen als Stadt die Verantwortung übernehmen und sind uns dieser bewusst.“

Deshalb dauere es auch so lang bis der Bürgerschaft konkrete Pläne vorgelegt werden können, wie die Amtsleiterin zugibt: „Wir setzen uns sehr intensiv damit auseinander, was wir unseren Bürgern einerseits an Dienstleistungen andererseits pietätisch bieten möchten.“ Viele Familien haben beispielsweise heutzutage den Wunsch, bei der Einäscherung dabei zu sein. In anderen Bundesländern sei das bereits möglich. „Wir wollen einen Ort des Gedenkens, aber auch der Begegnung schaffen“, betont Fischer-Gäde.

Standort bleibt in jedem Fall der Neue Friedhof

Zusammen mit den Bestattern Rostocks habe man besprochen, was deren Kunden möchten und brauchen und Machbarkeitsstudien in Auftrag gegeben. „Die ersten Ergebnisse erwarten wir Ende des Jahres.“ Dabei gehe es auch darum, ob das Gebäude nun erweitert werden kann oder neu gebaut werden muss. „Da es denkmalgeschützt ist, ist die Sanierung nicht so einfach. Vergrößert werden kann es nur durch Anbauten“, erklärt Fischer-Gäde. Im Falle eines Neubaus brauche man eine geeignete Fläche, denn eines steht fest: Standort soll der Neue Friedhof bleiben. „Gefunden haben wir diese mittlerweile“, verrät sie.

Ergebnisse werden Bürgerschaft Anfang 2022 präsentiert

In die Bürgerschaft werde man die Ergebnisse dennoch erst Anfang kommenden Jahres tragen. Die positive Nachricht: „Wir wissen jetzt ganz genau was wir wollen“, verkündet Fischer-Gäde. Dazu gehört auch, dass Einäscherung-, Kühl- und Filtertechnik dem neuesten technischen Standard entsprechen, ein optimaler Ablauf der Arbeitsprozesse für Mitarbeiter und externe Begleiter gewährleistet wird und ein Mehrwert durch eine nachhaltige, energetische Nutzung generiert wird. Letzteres würde bedeuten, dass die Abwärme der Verbrennungen beispielsweise zum Heizen der Trauerhalle genutzt wird.

Wie viel das Vorhaben kosten wird, lasse sich laut dem Amt für Friedhofswesen noch nicht abschätzen: „In die konkreten Planungen gehen wir, wenn die Bürgerschaft entschieden hat.“

Von Maria Lentz

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