Start day-news Neues Gewerbegebiet Wismar-Hornstorf: Anwohner befürchten viel Verkehr

Neues Gewerbegebiet Wismar-Hornstorf: Anwohner befürchten viel Verkehr


Mit einem Lappen wischt Hamlet Mkrtchyan den schwarzen Kombi – nass vom Morgentau – sorgsam trocken. „Der soll heute noch fotografiert werden, fürs Internet“, verrät der 56-Jährige. Onlinepräsenz sei wichtig, aber noch wichtiger ist es, auch live und in Farbe, wie es umgangssprachlich heißt, gesehen zu werden. „Wir sind seit zehn Jahren im Gewerbegebiet in Kritzow, erst am anderen Ende und jetzt hier direkt an der B 105“, sagt er. Das habe seinem Sohn und seiner Schwiegertochter, die für den MHN-Fahrzeughandel verantwortlich zeichnen, deutlich mehr Kunden beschert. Hamlet Mkrtchyan ist bei seinem Sohn angestellt und verfolgt die Bauarbeiten direkt gegenüber mit Spannung. „Ich finde es positiv, dass dort ein Gewerbegebiet entsteht. Für uns kann es nur gut sein, dann kommen vielleicht noch mehr Kunden vorbei“, hofft er.

Hamlet Mkrtchyan: „Ich finde es positiv, dass dort ein Gewerbegebiet entsteht. Für uns kann es nur gut sein.“
Quelle: Jana Franke

Der offizielle Spatenstich für das neue Großgewerbegebiet Wismar-Hornstorf liegt drei Wochen zurück. Seitdem wird von der Firma Strabag im ersten Schritt die Kreisstraße nach Hornstorf saniert. Von dort aus führt dann eine Zufahrt ins neue Gewerbegebiet. Die Straßenbauarbeiten liegen im Plan, freut sich Daniel Seyfarth vom Amt Neuburg. Bis Weihnachten soll das eine Million Euro teure Projekt beendet sein. „Ich bin guter Dinge, dass der Termin eingehalten werden kann und die Straße bis dahin befahrbar ist – wenn auch vielleicht die Deckschicht noch nicht drauf sein wird“, erklärt er. Das werde dann im Januar realisiert.

Auf die neue Straße freut sich auch Tino Stahl. Der 40-Jährige führt in Hornstorf eine freie Werkstatt. „Die Strecke war eine Katastrophe“, schätzt er ein. Positiv sieht er auch die Pläne eines Rad- und Gehweges neben der Kreisstraße. Nach Auskunft von Daniel Seyfarth wird es eine Anbindung an den bereits vorhandenen Radweg entlang der B 105. „Er führt dann bis nach Hornstorf und knüpft dort an den Radweg im Ort an“, erklärt er. Für die dunklen Stunden des Tages ist ein sogenanntes mitlaufendes Licht geplant. Heißt: Die Lampen leuchten immer auf Höhe des Fußgängers oder Radfahrers und schalten sich im Anschluss wieder aus.

Daniel Seyfarth, Amt Neuburg: „Ich denke, dass sich schnell die ersten Firmen ansiedeln werden. Für den nördlichen Bereich gibt es schon sehr viele Anfragen.“
Quelle: Jana Franke

Wie Hamlet Mkrtchyan steht ebenso Tino Stahl dem neuen Gewerbegebiet positiv gegenüber. „Natürlich hoffen auch wir auf noch mehr Zulauf“, gibt er zu. Bis vor drei Jahren war sein Unternehmen in Wismar zu finden, seit 2018 ist Hornstorf der neue Arbeitsort für ihn und seine beiden Mitarbeiter Aivis Lipans und Reiner Thämlitz. Letztgenannter stammt aus der Nähe von Boizenburg und verfolgte dort jahrelang die Entwicklung von Gewerbegebieten. Zunächst florierten die Unternehmensgeschäfte, „dann gaben aber viele wieder auf oder wanderten ab. Bleibt nur zu hoffen, dass das hier nicht der Fall sein wird“, sagt Reiner Thämlitz.

Tino Stahl (2.v.l.) steht dem neuen Gewerbegebiet positiv gegenüber. Der 40-Jährige – hier mit seinen Angestellten Reiner Thämlitz (l.) und Aivis Lipans sowie Daniel Meyer von TÜV Nord (r.) – führt in Hornstorf eine Autowerkstatt.
Quelle: Jana Franke

Baubeginn für das Großgewerbegebiet könnte im Spätsommer oder Herbst sein, meint Daniel Seyfarth. Da es sich um eine EU-weite Ausschreibung handelt, sei es im Hinblick auf die Fristen nicht viel eher möglich. Auf 120 Quadratmeter soll es sich erstrecken. Gebaut wird es von der Gemeinde Hornstorf und der Hansestadt Wismar. Beide bringen direkt an der Autobahnanbindung und in Stadtnähe 60 Hektar ein. Im nächsten Schritt realisiert die Hansestadt ihre Anbindungsstraße, dass das Gewerbegebiet von zwei Seiten aus befahren werden kann.

„Ich denke, dass sich schnell die ersten Firmen ansiedeln werden“, glaubt Daniel Seyfarth. Es gibt nicht nur Nachfragen, sondern sogar schon konkrete Kaufabsichten. Unter anderem will ein Autohof ansässig werden. „Für den nördlichen Bereich gibt es schon sehr viele Anfragen“, weiß Seyfarth. „Mal schauen, wann das Gewerbegebiet zu einhundert Prozent ausgelastet ist. In Kritzow hat es 30 Jahren gedauert.“

Ende im Gelände: Die Kreisstraße zwischen der B 105 und Hornstorf ist noch bis Ende des Jahres gesperrt.
Quelle: Jana Franke

Einem Anwohner in Hornstorf, der seinen Namen nicht nennen möchte, liegt das Gewerbegebiet allerdings schwer im Magen. „Ich liebe die Ruhe hier“, meint der Rentner. Und um genau die fürchtet er. „Der Verkehr wird zunehmen und es wird zwangsläufig lauter.“ Daniel Seyfarth versucht zu besänftigen. Es sei nicht davon auszugehen, dass die Zulieferer der ansässigen Firmen durch Hornstorf fahren werden, glaubt er.

Von Jana Franke

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