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Nach Wahlschlappe: CDU braucht mehr als nur neues Personal




Analyse

Stand: 10.10.2021 18:33 Uhr

Opposition sei Mist, hat ein SPD-Politiker einmal gesagt. Aber vielleicht braucht die CDU genau diesen Dünger, um in Zukunft wieder aufzublühen. Die Partei müsse sich jetzt konsequent verjüngen – aber nicht nur das.

Von Sabine Henkel, ARD-Hauptstadtstudio

Es gibt sie also tatsächlich noch: gute Nachrichten zur CDU. Annegret Kramp-Karrenbauer und Peter Altmaier haben dafür mit einer schlichten Botschaft gesorgt: Sie hören auf, packen zusammen, machen Platz im Bundestag für Jüngere. Die beiden verstehen es zu überraschen und den Weg in die Zukunft zu gehen. „Erst die Partei, dann die Person“ – das ist nicht nur Floskel, sondern wird hier Realität. Auch wenn es nicht überbordend selbstlos erscheint und die beiden dafür sicher nicht das Bundesverdienstkreuz bekommen werden – schließlich wissen beide, dass ihre Zeit vorbei ist.

Sabine Henkel

Sabine Henkel
ARD-Hauptstadtstudio

Die CDU wird aller Voraussicht nach in die Opposition müssen – und was sollen dort ein ehemaliger ohnehin nicht immer positiv aufgefallener Minister sowie eine gescheiterte Parteichefin und Ministerin a.D. schon machen? Karriere jedenfalls nicht mehr. Und trotzdem wird ihnen viel Respekt entgegengebracht. Sie lassen andere vor, die schlicht jünger sind und damit auch Jüngere ansprechen. Das könnte der Beginn der viel diskutierten Erneuerung sein. Ob andere nachziehen werden?

Modernisierung ist das Stichwort

Bisher fühlt sich außerhalb des Saarlandes niemand angesprochen. Sogar Friedrich Merz meint offenbar, er stehe für Erneuerung und liebäugelt mit dem Parteivorsitz. Zwar war er mittlerweile so lange raus aus der ersten Reihe der Partei, dass er dort zumindest irgendwie neu wäre. Aber darum geht es ja nicht. Es geht darum, der CDU neues, junges Leben einzuhauchen. Modernisierung ist das Stichwort. Und auch wenn jung sein kein Qualifikationsmerkmal per se ist – so ist alt sein es allerdings auch nicht.

Für die Union geht es darum, neue Wähler und Wählerinnen zu gewinnen mit neuen Ansätzen in der Familienpolitik, in der Digital- und Klimapolitik. Die Union braucht junge Wähler, um zu überleben. Sie braucht diejenigen, die sich derzeit zu Grünen und zur FDP hingezogen fühlen, weil sie mit ihnen moderne Politik und Zukunftsthemen verbinden.

Es braucht keinen Markus Söder

Aber die CDU braucht noch mehr als neues Personal. Sie braucht eine Idee. Jahrelang war Merkel das Programm und Macht der Markenkern. Beide sind futsch – was man bedauern, aber was auch eine Chance bieten kann.

Daniel Günther, Ministerpräsident in Schleswig-Holstein, hat den Blick nach vorn gerichtet. Er sagt, es gehe nicht darum, was vor 20 Jahren war, wichtig sei, was in 20 Jahren sein wird. Dann will er stark sein in und mit der CDU. Dazu braucht es jetzt Vordenker und Teamplayer, keine Illoyalitäten und wohl auch keinen Markus Söder, der nicht aufhören kann, sich über Armin Laschet lustig zu machen und gegen ihn zu sticheln.

Opposition ist nicht nur Mist

Die CDU braucht einen neuen Kern, der ganz unten angelegt wird – an der Basis: Mehr Frauen, mehr Junge, mehr Migranten in Direktmandate und auf aussichtsreiche Listenplätze. Wenn dann noch jemand mit einem modernen Führungsverständnis die Parteispitze übernimmt, der mit der Basis ein echtes Zukunftsprogramm entwirft, kann eigentlich nicht allzu viel schief gehen. Bisher fühlen sich nur die üblichen Verdächtigen für das oberste Führungsamt in der CDU berufen – und Armin Laschet kann immer noch nicht so richtig loslassen.  

Opposition soll Mist sein, hat ein Sozialdemokrat einmal gesagt. Aber vielleicht braucht die CDU genau diesen Dünger, um in Zukunft wieder aufzublühen.

Union diskutiert nach Wahlschlappe über einen Generationswechsel

Sabine Henkel, ARD Berlin, 10.10.2021 · 19:22 Uhr

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