Start day-news Lohnt sich der verkaufsoffene Sonntag für den Handel in MV?

Lohnt sich der verkaufsoffene Sonntag für den Handel in MV?


Verkaufsoffene Sonntage und ähnliche Shopping-Aktionen locken immer wieder Tausende Menschen in die Innenstädte. Auch an diesem Wochenende können die Menschen unter anderem in Rostock und Bad Doberan zu ungewöhnlichen Zeiten einkaufen gehen. Doch lohnen sich die Aktionen für die Händler in MV überhaupt? Oder sind sie am Ende nur ein teurer Schaufensterbummel? Die Meinungen gehen auseinander.

Bad Doberan lädt am Sonnabend zur Genuss- und Shoppingnacht. Das Event ist eigentlich ein Notbehelf, weil wegen Corona die eigentlich als Kunstnacht etablierte Aktion umgestaltet werden musste.

Es rechnet sich

Dennoch ist Bürgermeister Jochen Arenz überzeugt: „Es gibt einen großen Zusammenhalt unter den Gewerbetreibenden, fast alle machen mit. Und es rechnet sich auch für sie.“ Bei der letzten Shopping-Nacht im Dezember 2020 sei das Siebenfache eines normalen Sonnabends umgesetzt worden. Und: „Viele Kunden haben gesagt, sie kommen wieder.“

Verkaufsoffenen Sonntagen steht Arenz dagegen skeptisch gegenüber: „Viele Geschäfte sind inhabergeführt. Viele wollen sonntags frei haben“, meint der Bürgermeister. „Am Freitag- oder Samstagabend kommen Tausende Leute. Es gibt durchaus Zweifel, ob auch sonntags tagsüber so viele kommen würden. Aber man könnte es ja mal ausprobieren.“

Nagelprobe für den Handel

Ausprobiert wird es erstmals in diesem Jahr am Sonntag in Rostock: Von 13 bis 18 Uhr öffnen zahlreiche Geschäfte in der Haupteinkaufsmeile Kröpeliner Straße. Für City-Manager Peter Magdanz ist das eine Nagelprobe: Sollte sich die Aktion für die Einzelhändler nicht rechnen, könnte es bei diesem einen Termin 2021 bleiben.

Zu Sinn und Unsinn der verkaufsoffenen Sonntage gingen die Meinungen bei den Mitgliedern auseinander, sagt Mareike Petersen, Geschäftsführerin beim Handelsverband Nord. „Es gibt Händler, für die sich solche Aktionen lohnen, für andere eben nicht. Das muss jeder für sich betriebswirtschaftlich entscheiden.“ Das habe allerdings nichts mit Corona zu tun. „Auch vor der Pandemie gab es schon Händler, die nicht mitgemacht haben.“

Erst in den Startlöchern

Nach der langen Corona-Pause gebe es jetzt vielerorts wieder erste Sonderaktionen, so Petersen. „Ich habe nicht den Eindruck, als ob das Interesse nachgelassen hätte. Aber wir sind ja gerade erst in den Startlöchern, das müssen wir beobachten.“

Grundsätzlich sind vier verkaufsoffene Sonntage im Jahr möglich, in MV gilt allerdings im Sommerhalbjahr in 76 touristischen Orten die Bäderverkaufsordnung, die mehr Öffnungen erlaubt. In Stralsund und Wismar als Weltkulturerbestätten sind wiederum zwölf verkaufsoffene Sonntage möglich.

Zusätzliche Belastung

Ein anderes Problem seien aber die Mitarbeiter: „Viele sind nach der Corona-Schließzeit nicht zurückkommen“, sagt Petersen. „Das macht es noch schwieriger, solche Sonderaktionen zu organisieren.“ In den Branchen, die durchgängig offenbleiben durften, seien die Mitarbeiter dagegen oft stark beansprucht worden. „Da werden die Händler abwägen, ob es sinnvoll ist, die Beschäftigten zusätzlich zu belasten.“

In der Stralsunder Altstadt steht an diesem Wochenende der nächste verkaufsoffene Sonntag an. Die großen Geschäfte, wie das Modehaus Jesske, machen mit. „Wenn alle Großen mitziehen, funktioniert es für uns sehr gut“, sagt Inhaber Robert Jesske. „Die stärksten Verkaufssonntage haben wir meist im Herbst und im Winter. Jetzt kaufen die Kunden die Sachen für die kalte Jahreszeit.“ Allerdings: „Früher haben insgesamt mehr Läden mitgemacht. Durch Corona hat es sich reduziert.“

Weiterhin gutes Geschäftsmodell

„Der Verkaufssonntag ist für die Hansestadt weiterhin ein gutes Geschäftsmodell“, sagt Torsten Grundke, Vize-Präsident der Industrie- und Handelskammer und Inhaber des Media Markts im Strelapark. Auch das größte Shopping-Center in Vorpommern wird am Sonntag für die Kunden öffnen. „Bei uns machen alle Läden auf. Auch die kleinen“, sagt Grundke. „Da müssen auch die Innenstädte wieder hinkommen. Die Händler dort müssen sich mehr als ein gemeinsames Einkaufszentrum unter freiem Himmel verstehen.“

Für einen größeren Erlebnisfaktor spricht sich auch Dirk Möller vom Teeladen in der Stralsunder Altstadt aus. „Wenn wir gleichzeitig so etwas wie ein Stadtfest haben, läuft es richtig gut“, sagt er. „Dann hat man einfach mehr und auch anderes Leben in der Stadt.“ Sonst würden dem Ein-Mann-Betrieb die Verkaufssonntage nicht viel bringen. „Das Publikum ist dann sehr stark auf die Hauptgeschäftsstraße fokussiert. Mein Laden befindet sich aber in einer Nebenstraße.“

Auf jeden Fall mitmachen

Ribnitz-Damgarten hatte vor einem Monat zur Einkaufsnacht geladen: Tausende Besucher tummelten sich auf dem Marktplatz der Bernsteinstadt. Sarah Weck, stellvertretende Vorsitzende des Vereins Ribnitzer Innenstadt sieht darin einen Erfolg: „Die Einkaufsnacht hat sich etabliert. Es wird eingekauft und es gibt auch Folgekäufe von zufriedenen Kunden.“

Ob auch verkaufsoffene Sonntage so gut angenommen würden, sei schwer zu beurteilen. Das hänge vor allem von der Bereitschaft der Händler ab, teilzunehmen. „Es nützt ja nichts, wenn dann nur drei mitmachen.“ Es gebe allerdings in Ribnitz-Damgarten zahlreiche junge Unternehmer, die vielleicht experimentierfreudig wären, glaubt Weck. „Ich würde jedenfalls mitmachen.“

Von Axel Büssem, Antje Bernstein und Kay Steinke

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