Start day-news Landratswahl Ergebnisse Poel, Wismar, Neukloster und Bad Kleinen

Landratswahl Ergebnisse Poel, Wismar, Neukloster und Bad Kleinen


Zwei sind raus, zwei sind noch im Rennen: Landwirt Tino Schomann (CDU) hat Landrätin Kerstin Weiss (SPD) am Sonntag in die Stichwahl gezwungen und dabei sogar die meisten Stimmen erhalten – wenn auch knapp. 17 501 Nordwestmecklenburger wollten den 33-Jährigen zum neuen Landrat küren. „Das ist ein Mega-Ergebnis“, sagt er begeistert.

Am Tag danach geht bei ihm alles seinen gewohnten Gang. Schon früh morgens sitzt er im Büro und kümmert sich um die Geschäfte seines Landwirtschaftsunternehmens. Danach beliefert er Supermärkte in der Region mit seinen Freiland-Eiern aus Robertsdorf. Nebenbei liest er Glückwünsche, die ihn per WhatsApp erreichen. „Ich konnte noch gar nicht alle beantworten, aber ich freue mich sehr“, sagt Tino Schomann. Die nächsten zwei Wochen will er noch mal in den Wahlkampf ziehen, so gut es in Corona-Zeiten eben geht. „Das Wichtigste ist, die Menschen zu überzeugen, noch einmal wählen zu gehen“, sagt er. Das sieht Landrätin Kerstin Weiss genauso. Dass sie eine zweite Amtszeit bekommen soll, dafür haben 16 294 Nordwestmecklenburger gestimmt. Doch das hat nicht gereicht. Deshalb möchte die Dassowerin in den kommenden zwei Wochen ihre Wähler, die der ausgeschiedenen Kandidaten und auch die Nicht-Wähler animieren, am 9. Mai mitzuentscheiden, wer den Landkreis künftig führen soll. „Jede Stimme, die nicht abgegeben wird, ist eine verlorene“, sagt die 55-Jährige.

Klärung der Vorwürfe

Auch Kerstin Weiss hat am Montag ihre gewohnte Arbeit fortgesetzt und will nun erst einmal analysieren, woran es gelegen haben könnte, dass sie nicht die meisten Stimmen geholt hat. 2014 gewann die Sozialdemokratin die Stichwahl gegen ihren damaligen Kontrahenten von der CDU. Dieses Ziel hat sie wieder vor Augen. Und sie möchte noch etwas: Das Innenministerium soll die eine Woche vor der Wahl öffentlich gewordenen Korruptionsvorwürfe gegen sie klären – noch vor der Stichwahl. Nur so wäre ein fairer Wettkampf möglich.

In eine Stichwahl zu gehen, sei eine nervenaufreibende Zeit. Das geht Tino Schomann ähnlich. Er ist schon vor dem ersten Wahlgang sehr aufgeregt gewesen und will am Tag der Stichwahl mit Arbeit ablenken. Bis dahin werden ihn und Kerstin Weiss vor allem zwei Fragen beschäftigen: Geben die Wähler überhaupt ein zweites Mal ihre Stimmen ab? Und: Wen unterstützen die beiden ausgeschiedenen Kandidaten? Jörg Bendiks (Die Linke) hat am Sonntag 10 565 Stimmen geholt, Timon Wilke (Piratenpartei) 3354. Beide wollen sich öffentlich hinter keinen der Stichwahl-Kandidaten stellen und ihre Wähler alleine entscheiden lassen. In den sozialen Medien ist Jörg Bendiks in den vergangenen Monaten allerdings mehrfach mit Tino Schomann zu sehen gewesen.

Freude bei der CDU

Bündnis 90/Die Grünen haben indes ihre Unterstützung für Kerstin Weiss bekräftigt. „Unsere zentralen grünen Anliegen wie ein aktiver Klimaschutz und ein besserer öffentlicher Nahverkehr haben nur mit der amtierenden Landrätin eine Chance, umgesetzt zu werden“, sagt Fraktionssprecherin Anne Sheple.

Mit Freude hat Erhard Huzel, Vorsitzender des CDU-Kreisverbands, das Wahlergebnis aufgenommen. „Wir waren guter Dinge, mit Tino Schomann zumindest die Stichwahl zu erreichen“, sagt er. „Ich bin sehr froh, dass unser Kandidat die Wähler so überzeugt hat. Ich denke, dass das an der sachlichen Art seines Wahlkampfes liegt, die offensichtlich sehr gut angekommen ist“, sagt Huzel, der mit dem Kreisvorstand jetzt die Taktik bis zur Stichwahl besprechen will.

Geringe Wahlbeteiligung

Insgesamt haben in Nordwestmecklenburg 48 727 Wahlberechtigte die Stimmzettel für die Landratswahl ausgefüllt. Mehr als 133 000 hätten es tun können. Die Wahlbeteiligung beträgt damit 37,5 Prozent – in Wismar bei 32,4 Prozent. Insgesamt haben in der Kreisstadt Wismar für Tino Schomann 3984 Hansestädter gestimmt, für Kerstin Weiss sind es 3681 gewesen.

Wie Bürgermeister Thomas Beyer (SPD) betont, würden Landkreise wichtige überörtliche Aufgaben wahrnehmen, „weshalb die Wahl eines Landrates bzw. einer Landrätin von Bedeutung ist“. Er bittet daher alle Wählerinnen und Wähler und auch alle diejenigen, die am Sonntag von ihrem Wahlrecht keinen Gebrauch gemacht haben, das bei der Stichwahl zu tun.

Vorsprung auf Poel

Für Grevesmühlens Bürgermeister Lars Prahler (parteilos) ist die geringe Wahlbeteiligung im gesamten Kreis eine absolute Katastrophe. „Das mag an Corona liegen, am guten Wetter, aber ich denke auch daran, dass in diesem Wahlkampf zu wenig Thema war, was den Landkreis in Zukunft voranbringen kann und wer dafür das Beste in die Waagschale werfen kann. Beide Kandidaten haben jetzt die Chance, den Wählern zu zeigen, was sie wollen und was sie können“, sagt er. Doch wie sollen sie das im Corona-Lockdown tun? „Ich nutze weiterhin die sozialen Medien und Zeitungen“, kündigt Tino Schomann an. Er hat auf der Insel Poel mit deutlichem Abstand gewonnen. 56 Prozent der Wähler haben für ihn gestimmt, rund 25 Prozent für Kerstin Weiss.

Stichwahl und Rückblick

Am 9. Mai öffnen in Nordwestmecklenburg wieder die Wahllokale, um den Sieger um die Landratswahl zu ermitteln. Von 8 bis 18 Uhr haben die Wahllokale geöffnet. Als Wahlbenachrichtigung gelten die Unterlagen, die bereits zur Wahl am 25. April verschickt worden sind. Auch eine Abstimmung per Briefwahl ist wieder möglich. Für den Sieger reicht am 9. Mai die einfache Mehrheit.

Rückblende: Auch 2014 wurde die Landratswahl in der Stichwahl entschieden. Damals setzte sich Kerstin Weiss gegen Gerhard Rappen (CDU) durch, der nach dem Wechsel von Birgit Hesse (SPD) damals als Sozialministerin nach Schwerin als erster Stellvertreter das Amt übernommen hatte. 2010 hatte Birgit Hesse sich bei der Landratswahl und der Nachfolge für Erhard Bräunig (SPD) gegen Erhard Huzel (CDU) durchgesetzt. Hesse erhielt damals 65 Prozent der Stimmen. Zuvor hatte es bei der Wahl der Spitzenkandidaten eine Kampfabstimmung im Kreisverband der Christdemokraten gegeben. Denn neben Erhard Huzel hatte sich Christiane Münter, Beamtin in der Kreisverwaltung und inzwischen Korruptionsbeauftragte des Landkreises, ebenfalls um die Kandidatur beworben. Eine deutliche Mehrheit hatte sich damals für Huzel entschieden. Christiane Münter verließ später die CDU. Im September 2016 hatte sie sich auch um das Amt als Bürgermeisterin in Grevesmühlen beworben, war aber im ersten Durchgang ausgeschieden.

In Bad Kleinen und Bobitz unterscheiden sich die Ergebnisse von CDU und SPD nur gering – hier hat es ein Kopf-an-Kopf-Rennen der beiden gegeben. In Barnekow hat Kerstin Weiss 35,4 Prozent geholt, Tino Schomann 32 Prozent. In Dorf Mecklenburgs Wahllokalen konnte der Christdemokrat 284 Stimmen sammeln, Kerstin Weiss 224. Auch in Groß Stieten (41 Prozent), Hohen Viecheln (54 Prozent) und Lübow (48 Prozent) hat der Herausforderer die meisten Stimmen bekommen. Die Landrätin liegt in drei Gemeinden bei 31, 32 und 28 Prozent.

Ergebnisse Landtagswahl NWM nach Orten

Von den Briefwählern im Amtsbereich Dorf Mecklenburg/Bad Kleinen haben 288 für Tino Schomann gestimmt (44 Prozent), 184 für Kerstin Weiss (28 Prozent). In Gägelow hat sie 186 Stimmen erhalten, ihr Herausforderer 203. Auch Zierow (106 Stimmen), Benz (76), Boiensdorf (71), Hornstorf (149) und Krusenhagen (102) gehen an Tino Schomann – genau wie Neuburg (652). In Neuburg hat Kerstin Weiss 381 Stimmen bekommen, in Boiensdorf 28, in Hornstorf 81 und in Krusenhagen 27. In Glasin, Zurow, Warin und Passee hat ebenfalls Tino Schomann gewonnen.

Erstaunlich niedrig mit 14,6 Prozent ist die Wahlbeteiligung in Neuklosters Wahllokalen. Dort hat Kerstin Weiss knapp die Nase vorne. Allerdings nicht bei den 1265 Briefwählern aus dem Amtsbereich Neukloster/Warin. Da haben 63 mehr für Tino Schomann gestimmt. In seiner Heimatgemeinde Blowatz, in der er ehrenamtlicher Bürgermeister ist, haben ihn 208 Wähler unterstützt und 68 Kerstin Weiss. In ihrem Heimatort Dassow ist es umgedreht: Da kommt sie auf 675 und ihr Herausforderer auf 186.

Von Kerstin Schröder und Michael Prochnow

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