Start day-news Lärmbelästigung in Greifswald? Stadt plant Verbote für Nutzung von Grünanlagen

Lärmbelästigung in Greifswald? Stadt plant Verbote für Nutzung von Grünanlagen


Ein gutes Jahr ist es jetzt her, dass Horst Fischer in den von der WVG neu errichteten Hansehof zog. Wie sehr hatte sich der 75-Jährige gefreut, innenstadtnah mit Blick auf den Ryck hier einen geruhsamen Lebensabend zu verbringen. Doch mit den warmen Sommerabenden kam die Ernüchterung: „Die Lärmbelästigung, die vom Museumshafen ausgeht, ist enorm. Sofern das Wetter schön ist, ziehen die jungen Leute mit ihren Musikanlagen zum Ryck, schleppen zu viert riesige Boxen an und drehen dann die Bässe auf, häufig bis nachts um zwei Uhr. Mir graut schon jetzt vorm nächsten Sommer“, schildert der Rentner. Daher setzt er große Hoffnungen auf die neue „Satzung zum Schutz und zur Nutzung von Grünanlagen“, die von der Stadtverwaltung erarbeitet wurde und sich derzeit in der politischen Diskussion befindet. Allerdings gehen die Meinungen dazu stark auseinander.

Einmalgrill auf vielen Rasenplätzen tabu

Die Hansestadt will mit dem Papier eine ganze Reihe von Verboten erlassen. Demnach soll es künftig unter anderem in Grün- und Spielanlagen untersagt sein, ruhestörende Musik zu produzieren. Zudem soll der „Gebrauch von Rundfunk- oder anderen Tonwiedergabegeräten und Musikinstrumenten von 22 Uhr bis 7 Uhr“ generell verboten sein. Auch das Grillen wird voraussichtlich stark eingeschränkt. Laut Satzungsentwurf soll es nur noch auf einer konkreten Fläche im Museumshafen erlaubt sein. „Dieser Grillplatz muss dann noch hergerichtet werden“, sagt Dieter Schick, Leiter des städtischen Tiefbau- und Grünflächenamtes. Würstchen vom Einmalgrill auf Rasenflächen wären demnach tabu – ebenso wie das beliebte Grillen in den Credneranlagen nahe dem Heimattierpark.

Jörg Mostertz, der seit fünf Jahren in Nachbarschaft der Credneranlagen wohnt, begrüßt die neue Satzung daher außerordentlich. „Denn wir haben eine harte Leidenszeit hinter uns“, sagt er. Lärmbelästigungen mit Musikanlagen und lautem Gegröle stünden regelmäßig auf der Tagesordnung. „Und fast täglich kippt zwischen 18 und 19 Uhr die Stimmung auf der Wiese und dem Spielplatz: eben noch eine tolle Atmosphäre und dann plötzlich Alkohol- und Drogenkonsum“, berichtet Mostertz. Am darauffolgenden Morgen seien die Folgen zu sehen: „Viele Zigarettenkippen, Kronkorken, zerbrochene Flaschen.“

Gebote allein reichen nicht

Mit der alten aus dem Jahr 1999 stammenden Grünflächensatzung „können wir gegen solche Ereignisse nicht angehen“, verdeutlicht Vizebürgermeisterin Jeannette von Busse (CDU). Deshalb seien im Entwurf nun viele Verbote aufgenommen worden, in Summe an die zwei Dutzend. Sie seien laut städtischem Rechtsamt unerlässlich, um ein Rechtsmittel für derlei Handeln zu haben. Die ausschließliche Arbeit mit Geboten reiche nicht aus. Gegen Musik und ein Glas Wein sei grundsätzlich nichts zu sagen, so von Busse: „Aber wir wollen künftig unterbinden, dass andere gestört werden. Das gebietet das Zusammenleben in der Stadt.“

Bei den Kommunalpolitikern, die den Vorschlag der Verwaltung in den Fachgremien der Bürgerschaft debattierten, stoßen die vielen Verbote teilweise auf Unverständnis bis hin zu Kritik. Zwar sei es nicht gut, wenn Anwohner unter Lärm leiden würden, räumt Kira Wisnewski von den Grünen ein. „Aber junge Leute brauchen Freiraum. Sie sind abends gerne draußen, wollen feiern. Wir können die Gruppen deshalb nicht vertreiben. Ich finde es wichtig, dass solche Orte erhalten bleiben“, sagt sie. Plätze, an denen Menschen zusammenkommen können und Spaß haben, „machen Greifswald lebenswert. Auch das ist studentische Kultur“, betont sie. Deshalb könne sie sich auch nicht mit dem Gedanken anfreunden, dass ab 22 Uhr Musik generell verboten sein soll. Vielleicht sei eine Kompromisslösung mit Dezibelgrenze denkbar, regt Wisnewski an.

Fütterungsverbot nur für Wildtiere?

Dem schließt sich Anja Hübner von der Tierschutzpartei an. Die vielen Verbote findet auch sie, ähnlich wie Monique Wölk von der SPD, „zu drastisch, zu hart“. Beispielhaft rückt sie dafür das Betteln in den Fokus: „Für manche Menschen ist das eine Notwendigkeit, zu überleben“, appelliert Hübner. Darüber hinaus regt sie an, das „Fütterungsverbot für Tiere“ in ein Fütterungsverbot für Wildtiere zu ändern.

Leben und leben lassen

Carola Rex (CDU) indes unterstützt die Satzung sehr, denn auch sie erlebe allzu häufig an den Credneranlagen, „dass ab 18 Uhr gesoffen, gegrölt und laute Musik abgespielt wird. Das geht nicht nur die Anwohner etwas an, sondern die ganze Gesellschaft, unsere ganze Stadt.“ Auch Christian Radicke von der Bürgerliste ist für klare Regeln, damit der Kommunale Ordnungsdienst eine Handhabe bei Verstößen habe. Grundsätzlich aber sollte gelten: „Leben und leben lassen. Wer grillen will, wird es tun“, sagt er. Und wer leise mit der Gitarre klimpert, werde sicherlich nicht sofort angezeigt. Bei allem sollte immer der gesunde Menschenverstand die Oberhand behalten.

Da liegt er mit Horst Fischer vom Hansering nicht weit auseinander. Der 75-Jährige versichert, nichts gegen die öffentlich zur Schau getragene Lebensfreude junger Menschen zu haben: „Die Jugend muss sich austoben. Und irgendwo brauchen sie nun mal ihren Platz. Aber vielleicht reicht es ja auch, nur bis Mitternacht zu feiern“, zeigt er Verständnis und Kompromissbereitschaft. Die werden wohl auch die Parlamentarier an den Tag legen müssen: Am 14. Juni soll die Bürgerschaft über die Satzung entscheiden.

Von Petra Hase

Must Read

Bad Doberan und Kühlungsborn: Unbekannte stehlen Tresore

Einbrecher sind in ein Bäckereigeschäft in der Severinstraße in Bad Doberan eingedrungen. Das teilte Polizeisprecherin Kristin Hartfil mit. Der Backwarenlieferant hätte am Montagmorgen...

Nach Aus von Café Frieda auf Poel: letzte Verkaufsaktion in Oertzenhof

„Wenn es am schönsten ist, soll man aufhören. Alles hat seine Zeit.“ Mit diesen Worten hatte Kathy Gordon im Oktober das Aus ihres...

Ückeritzer Schule lädt zum Tag der offenen Tür ein

Künftige Fünftklässler aus den Grundschulen der Insel Usedom sind mit ihren Eltern und Interessenten zum Tag der offenen Tür in die Ostseeschule Ückeritz...

Hafenbild aus Wolgast kehrt nach fast 100 Jahren zurück

Der regionalen Kunst und Bewahrung ihrer Historie widmet sich bereits seit anderthalb Jahrzehnten der Koserower Kunstsalon. Der neueste Coup in diesem Bestreben ist...

Inzidenz, Neuinfektionen, Intensivbetten – Corona-Zahlen am 29.11.2021

Das Coronavirus führt Mecklenburg-Vorpommern in eine Ausnahmesituation. Doch was ist der aktuelle Stand der Pandemie im Bundesland? Wie sieht es in den einzelnen...